Wirtschaft und Corona-Krise: Nach jeder Nacht folgt ein neuer Tag

Anzeige

von DR. PATRICK PETERS

„Jahrhundertereignis“, „schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, „Mutter aller Rezessionen“: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind enorm. Aber konkret berechnen können auch die schlausten Ökonomen den Schaden für die Volkswirtschaften noch nicht. Klar ist nur: Es wird schmerzhaft, und trotz umfassender staatlicher Hilfspakete werden Unternehmen ohne eigenes Zutun in die Insolvenz rutschen. Das ist für die betroffenen Unternehmer und ihre Mitarbeiter eine Katastrophe, daran gibt es nichts schön zu reden.

Hoffnung macht aber schon jetzt, dass es natürlich eine Zeit nach der Krise geben wird. Wenn die Maßnahmen in Deutschland und Europa greifen, wird der Höhepunkt der Krise bald erreicht sein. Und halten sich die Bürger an die staatlich verordneten Schutzmaßnahmen, wird es zum Abklingen der Pandemie und der Rückkehr zur Normalität nicht mehr allzu weit sein.

Bis dahin liegen harte Wochen vor uns, und natürlich lassen sich die Auswirkungen der Krise nicht an einem Tag beseitigen. Aber schon der Sommer wird Handel und Gastronomie, Tourismus und Eventindustrie neuen Schwung verleihen. Fabriken und Dienstleistungsbetriebe werden wieder die Arbeit aufnehmen und so viel entgangenes Geschäft wie möglich nachholen.

Die Entwicklung in China macht bereits Mut: Selbst in der „Corona-Hauptstadt“ Wuhan läuft die Wirtschaft langsam wieder an. Und Ökonomen der Großbank Goldman Sachs rechnen derweil für das Bruttoinlandsprodukt der USA mit einem Rückgang um 0,5 Prozent im zweiten Quartal 2020. Für das dritte Quartal erhöhte das Finanzinstitut allerdings seine Wachstumsprognose bereits auf drei Prozent. Zuvor waren es ein Prozent.

Was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Das Prinzip nennt sich Solidarität – was aber nichts mit finanzieller Umverteilung von oben nach unten zu tun hat. Solidarität bedeutet vielmehr, die Auswirkungen der Krise gemeinsam anzugehen: durch mehr Kooperation, durch mehr Netzwerke, durch mehr Mut und Gelassenheit. Es gibt keine Vollkaskoversicherung für Leben und Wirtschaft, aber es gibt Zuversicht, Fleiß, Innovation und Gemeinschaft. Und diese Faktoren werden Deutschland und die Welt auch durch das nächste ökonomische Tal führen.

Für Wirtschaft und Gesellschaft liegt in der aktuellen Krise eine große Chance. Es können neue Strukturen geschaffen werden, um mit den Herausforderungen der Globalisierung noch besser umgehen zu können. Vom Funktionieren der vernetzten Weltwirtschaft sind wir alle abhängig – aber genauso spüren wir auch Schocks, die sich heute rasend schnell über die ganze Welt verbreiten. Als Profiteure der Globalisierung müssen wir auch lernen, mit den Risiken umzugehen, ohne die Köpfe im Sand zu vergraben.

Wir brauchen flexible, digitale Strukturen, um räumlich und zeitlich unabhängiges Arbeiten zu vereinfachen. Das macht schnelles Umschalten in Krisensituation möglich und bringt einen wichtigen zeitlichen Vorsprung. Und wir müssen uns bewusstwerden, dass Krisen überall lauern – vor allem dort, wo wir sie nicht erwarten. Und uns darauf bestmöglich vorbereiten: eben durch stabile, verlässliche Netzwerke, ein anpassungsfähiges Geschäftsmodell und viel Geduld und Langmut. Nach jeder Nacht folgt ein neuer Tag. Auch in der Wirtschaft.

Bildquelle:

  • Sonnenaufgang_2: pixabay
Anzeige