“Wir sind noch die von damals”: Joana Cotar ins Spitzenteam der AfD zur Bundestagswahl?

Joana Cotar kandidiert für die AfD in Frankfurt/Main.
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BERLIN – Überall in der AfD ist derzeit der Wille nach Ruhe und Versöhnung zu spüren. Wenn demnächst die Kandidatenliste für die Bundestagswahl aufgestellt wird, wird die Partei vielleicht mit einer Doppelspitze in den Wahlkampf ziehen: mit dem Bundessprecher Tino Chruppala (45) aus Sachsen und der Bundestagsabgeordneten Joana Cotar (46) aus Hessen.

Cotar gehört zu den (wenigen) Spitzenpolitikern ihrer Partei, die weder den Zorn der einen noch der anderen Seite in der AfD auf sich gezogen hat. Stattdessen zeichnet sie sich die digitalpolitische Sprecherin durch fleißige Sacharbeit im Bundestag aus, wo sie häufig mit scharfsinnigen Reden auffällt.

Die gebürtige Rumäniendeutsche war wie viele AfD-Politiker einst CDU-Mitglied. “Bis ich bemerkte, dass die CDU mich verlässt”, erzählt sie von ihren Studentenjahren. Sie trat aus und begann ohne Partei-Hintergrund politisch als einfache Bürgerin aktiv zu werden. 2011 produzierte sie einen Flyer und verteilte den selbst aus Verärgerung gegen die EU-Staatsschuldenpolitik und den Euro. Unter Bezug auf ein Kanzlerinnen-Zitat war das Flugblatt überschrieben mit “Nichts ist alternativlos!”

Als die Wahlalternative im März 2013 eine erste große Veranstaltung mit dem späteren Parteigründer Bernd Lucke organisierte, war sie zwar nicht dabei, aber als sie anschließend einen Zeitungsartikel in der FAZ darüber las, wurde sie noch am gleichen Tag Mitglied.

“Keine andere Partei stellte sich diesem Irrsinn entgegen”, erinnert sie sich und sieht darin heute noch die Motivation ihrer Partei: “Wir sind immer noch die AfD von damals.” Und verweist direkt auf den jüngsten Beschluss des Bundestages, der den Weg zur europäischen Schudenunion frei machen sollte. Das Bundesverfassungsgericht kassierte diesen Beschluss zumnidest vorerst, aber die einzige Partei, die geschlossen dagegen war, war die AfD.

Aber die AfD hat Probleme mit ihren Flügelkämpfen, die Beobachtung durch den Verfassungsschutz droht, auch darüber kann Joana Cotar nicht hinwegsehen. “Ich bin definitiv eine von den Freiheitlichen in der AfD”, sagt sie und plädiert dafür, dass alle konstruktiven Kräfte in ihrer Partei jetzt an einem Strang ziehen müssten. Ein Team mit Chrupalla wäre perfekt, denkt sie: “Ost und West, Mann und Frau, Sozal und Freiheitlich.”

“Wir müssen aufhören, uns nur mit uns selbst zu beschäftigen”, bekräftigt sie und stellt klar: “Wenn wir uns weiter streiten, dann kann es sein, dass uns die Partei um die Ohren fliegt.” Überhaupt: Freiheit, das sei ihr zentrales Thema, egal ob es um mehr Demokratie, GEZ-Zwangsgebühren oder die Ablehnung eines Nanny-Staates gehe, sagt die AfD-Politikerin.

Ob das Duo einfach so durchrutscht? Das weiß man in einer Partei wie der AfD nie, denn: Nichts ist alternativlos. In der Partei werden Namen genannt, die auch Interesse haben könnten. Und die große Unbekannte ist Fraktionschefin Alice Weidel, über der nach wie vor ein Spendenskandal schwebt.

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  • Joana_Cotar_AfD: joana cotar
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