Was Dschihadisten mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan verbindet

Polizeibeamte stehen nach einer Messerattacke in der Nähe der Polizeipräfektur Wache.
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von MIRIAM THÉRÈSE SOFIN

PARIS – Anderthalb Wochen nach Beginn des Ramadan gab es erneut einen islamisch motivierten Terroranschlag in Frankreich. Das Land, das in den vergangenen Jahren zahllose brutale Anschläge durch Muslime erleben musste, kommt einfach nicht zur Ruhe. Gestern Nachmittag war es ein Tunesier, der einer Polizeibeamtin auf einer Polizeiwache auflauerte und sie schließlich mit einem Messer angegriff. Der IS hat die Tat des 36-jährigen Terroristen, der Zeugenaussagen nach “Allahu Akbar” gerufen haben soll, bereits für sich reklamiert. Die Antiterror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen und zum jetzigen Zeitpunkt drei Personen im Rahmen ihrer Untersuchung verhaftet.

Die Attacke ereignete sich in der französischen Gemeinde Rambouillet gut 60 Kilometer von Paris entfernt, als die Verwaltungsbeamtin gerade aus ihrer Mittagspause in das Polizeirevier zurückkehrte. Sie war offenbar ein Zufallsopfer. Der Dschihadist stach mehrfach auf den Hals der 49 Jahre alten Mutter zweier Kinder ein und verwundete sie damit tödlich. Sie erlag nur wenig später ihren schweren Verletzungen.

Auch der Angreifer wurde durch Schüsse eines Polizisten getötet. Nach Angaben aus Polizeikreisen war er den Sicherheitsbehörden bisher nicht wegen früheren Vergehen bekannt. Er soll 2009 ohne Papiere nach Frankreich immigriert sein und im Laufe der Zeit eine Aufenthaltserlaubnis erlangt haben. Nach Rambouillet soll er erst vor kurzem gezogen sein. Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard teilte mit, dass Äußerungen des Angreifers “klar auf ein terroristisches Motiv” hindeuteten.

Der neunte Monat des islamischen Kalenders, der Ramadan, ist für die meisten Muslime eine Zeit der inneren Einkehr und zeichnet sich vorallem durch den Verzicht auf Trinken, Essen, Rauchen und Geschlechtsverkehr von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang aus. Nach islamischer Lehre wurde der Koran, das heilige Buch der Muslime, einst während des Ramadan von Gott auf die Erde herabgesandt. Und auch für Dschihadisten hat diese Zeit im Jahr eine ganz besondere Bedeutung. Hierbei berufen sie sich im Speziellen auf zwei wichtige Ereignisse in der islamischen Geschichte: Zum einen auf die Schlacht von Badr, eines der wichtigsten Gefechte Mohammeds, das auch im Koran Erwähnung findet. So wird überliefert, dass Mohammed und seine Gefährten während des Ramadan im Jahr 624 nach Christus die Quraisch, den damals herrschenden Stamm in Mohammeds Heimatstadt Mekka, besiegt haben sollen. Weil die Muslime gegen eine Überzahl an Männern gewannen, begründet die islamische Geschichtsschreibung deren Sieg mit göttlicher Intervention.

Der zweite Krieg, auf den sich muslimische Terroristen bei ihren Angriffen auf “Ungläubige” während des Ramadan beziehen, liegt sehr viel kürzer zurück: Im Jahr 1973 zogen Ägypten und Syrien unterstützt von weiteren muslimischen Ländern in den Krieg gegen Israel. Zum höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, griffen ägyptische und syrische Soldaten an zwei Fronten gleichzeitig an. Die arabische Seite nannte diesen Krieg auch “Ramadan-Krieg”, weil er sich durch den Fastenmonat zog. Der damalige ägyptische Präsident, Anwar as-Sadat, verlieh dem Angriff damals extra eine religiöse Note, indem er ihn in Anlehnung an die wichtige Schlacht von Badr im Jahr 624 nach Christus als “Operation Badr” bezeichnete.

Erwähnenswert ist außerdem, dass einer islamischen Überlieferung nach die guten Taten von Gläubigen während des Ramadan von Allah zehnfach vergütet werden. Und da auch das Töten von “Ungläubigen”, zu denen im Islam ebenso Juden, Christen und Polytheisten gehören, als eine solch “gute Tat” gilt, ergibt jeder terroristische Angriff während dieser Zeit leider doppelt Sinn. Auch wird es kein Zufall sein, dass sich der Täter von Rambouillet ausgerechnet eine Polizeiwache als Angriffsort ausgesucht hat. Der laizistische Staat mit seinen menschengemachten Gesetzen gilt für Anhänger des buchgetreuen Islam von jeher als Feindbild. Denn diese erachten die Gesetze Allahs, die Scharia, als einzig legitime Gesetzgebung. Es bleibt zu hoffen, dass der Rest des Ramadan möglichst unblutig verläuft. Der Familie der getöteten Französin wünsche ich von ganzem Herzen alle Kraft und allen Trost der Welt!

Bildquelle:

  • Terroranschlag_Rambouillet: dpa
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