Wann haben wir verlernt, uns zu wehren?

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Evakuierung in Afghanistan, katastrophale CDU-Kampagne und dann auch noch meine Facebook-Sperre, jeder Tag bringt etwas Neues, über das wir uns trefflich aufregen können. Und leider verlieren wir in unserer schnelllebigen Zeit manche Dinge aus den Augen, die bisher ärgerlich waren und beinahe unbemerkt immer noch und auch in Zukunft ärgerlich sind.

Zum Beispiel unsere vielen jungen und männlichen Gäste aus aller Welt, die dafür sorgen, dass sich Deutschland verändert und wir uns mit den Grünen darauf freuen. Nein, tun wir nicht, und ich schon gar nicht.

Zum Grillen bei Freunden in Düsseldorf erfuhr ich gestern Abend vom neuesten Trend in der Landeshauptstadt, der Altstadt (‘Längste Theke der Welt”) und am Rheinufer. Dort drängeln sich insbesondere am Wochenende Scharen junger Männer aus den sympathischen islamischen Gegenden des Irak, Syriens und Nordafrikas. Die hängen da ab, nehmen den ein oder anderen Schluck, spielen mit ihren von uns finanzierten Smartphones und wenn sie Langeweile haben, rempeln sie Passanten an, die zufällig vorbeikommen. Reagieren die dann irgendwie, ohne einfach demütig weiterzugehen, wie wir Deutschen das inzwischen zu tun gelernt haben, gibts aufs Maul, ein paar Faustschläge ins Gesicht, vielleicht mal einen Tritt gegen den Kopf, haha, ja, das macht Spaß oder?

Die Ehefrau meines gastgebenden Freundes, die erst vor kurzem eine solche Szene live miterlebte – sie war mit ihren kleinen Kindern unterwegs – entdeckte zufällig etwa 100 Meter entfernt einen Polizeiwagen, wo zwei Beamte eine Verkehrskontrolle durchführten. “Da hinten Richtung Kö ist Tumult”, meldete sie den Vorfall und forderte die Polizisten auf, dort hinzueilen und einzugreifen, statt hier Strafzettel auszustellen, doch die Beamten erwiderten, dass sei hier jeden Tag so, kein großes Ding.

Und ja, es ist jeden Tag so, nicht nur in Düsseldorf, sondern überall in den großen Städten unseres Landes. Niemand kommt zur Hilfe, niemand greift ein, warum auch? Bevor das Problem mit den Gewalttätern aus Syrien, Afghanistan oder Schwarzafrika nicht an der Wurzel durch konsequente Abschiebung gelöst wird, nützt das ja auch nichts. Aber wann haben wir Deutschen verlernt, uns zu wehren? Wann sind wir solche Pussies geworden?

Unser Gespräch bei Roastbeef und Hähnchenspießen vom Grill drehte sich gestern Abend eine ganze Weile um dieses eine Thema. Meine Gastgeber erzählten, dass sie ihre Kinder auf einer Privatschule haben, morgens und mittags fährt einer der Eltern zur Schule und fährt die Grundschüler, damit sie sicher wieder nach Hause kommen, in den eigenen bürgerlichen Kiez, wo noch nicht solche Zustände herrschen, wo der Bolzplatz auf der anderen Straßenseite liegt und die nächste Kirche 400 Meter entfernt ist. Aber das ist nicht die Lebenswirklichkeit der meisten Großstädter, und Düsseldorf ist noch vergleichsweise zivil. Fahren Sie in den Dortmunder Norden oder nach Köln, nach Mönchengladbach oder Krefeld – da ist es noch lustiger mit der bunten Vielfalt, auf die wir uns freuen sollen.

Wir streiten uns hier, ob wir ein paar Hundert afghanische Mitarbeiter unserer Armee mit ihren Familien ausfliegen und aufnehmen sollen oder nicht. Als sei das unser Problem. Unser Problem sind die gelangweilten jungen Männer, die wir dauerhaft finanzieren, ohne etwas als Gegenleistung zu fordern, die uns verachten, schwerste Straftaten bis hin zu Messerstechereien und Vergewaltigungen und auch Tötungsdelikte begehen, ohne dass jemand das Thema so anspricht wie ich hier. Würde mich nicht wundern, wenn ich als Rechtsstaats-Nazi morgen wieder gesperrt werde von Facebook. Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards, Sie wissen schon…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.