Wanderer in die andere Richtung: Mein persönlicherWeg von der AfD in die FDP

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von SEBASTIAN KOWALKE

Von einem Wechsel von der FDP zur AfD hat man schon häufiger gehört – zuletzt von Thorben Schwarz hier auf The GermanZ. Auch die Europaabgeordnete Beatrix von Storch hat diesen Weg hinter sich. Doch der Weg von der AfD (über ALFA) zur FDP ist mit Sicherheit weitaus seltener. Ich bin einer der wenigen, die ihn beschritten haben – und ich bereue diesen Weg nicht, im Gegenteil.

Ich trat der AfD in der Anfangsphase 2013 bei, bekam kurz vor meinem 20. Geburtstag eine vierstellige Mitgliedsnummer. Ich war unzufrieden über die Politik der schwarz-gelben Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel und wollte etwas verändern, wollte bürgerliche Politik in den Vordergrund rücken. Der Euro war das Thema dieser Zeit und ich denke bis heute, dass wir den Euro geordnet auflösen sollten – eine Minderheitsposition in der FDP, das gebe ich zu.

Ich knüpfte Kontakte und schloss sogar Freundschaften, die bis heute halten. Und wir widmeten uns schnell der Kommunalpolitik, der Landespolitik und natürlich auch der Bundespolitik. Doch irgendwann zwischen der Gründung und dem Spaltungsparteitag in Essen 2015 wurde mir klar, dass in der AfD auch Menschen sind, mit denen ich so gar nichts zu tun haben wollte. Ich beobachtete in Essen, wie jemand mit einer Aufschrift auf seinem Shirt auf die Gefahr sogenannter „Chemtrails“ aufmerksam machen wollte. Und der Ton, der mir als einem Bürgerlich-Liberalen entgegenschlug, wurde immer rauer.

Auf dem Essener Parteitag dann setzte es die Niederlage gegen den „Lucke-Flügel“ und ich verabschiedete mich gefühlsmäßig endgültig von der AfD – eingesetzt hat dieser Prozess bereits mit der damaligen „Erfurter Resolution“ von Björn Höcke und Co. Für mich war klar, dass ich Lucke und seine politischen Anliegen, insbesondere in Sachen Wirtschaftspolitik, weiter teilen und unterstützen wollte. Darum war es auch keine Frage, dass ich „ALFA“ beitrat (heute: LKR). Doch bei ALFA fehlte die Energie, die die AfD noch hatte. Die ehemaligen AfD-Mitglieder bei ALFA konnten und wollten nicht ein zweites Mal viel Kraft investieren. So hieß es für mich nach einem halben Jahr als stellvertretender Landesvorsitzender in Berlin wieder Goodbye.

Mein Verständnis eines „guten Bürgers“ ähnelt sehr dem, was ich im Latein-Unterricht über das alte Rom über den Begriff des „Staatsmannes“ gelernt habe. Ich möchte jemand sein, der sich für die Belange der Gesellschaft einsetzt und einbringt. Damit war für mich klar, dass die politische Teilhabe weitergehen muss. Als logische Konsequenz meiner Entwicklung hin zu klareren Positionen in der Gesellschaftspolitik – mein wirtschaftspolitisches Interesse war wesentlich früher entfacht – beschloss ich im April 2016, mich den Liberalen anschließen zu wollen.

Für jemanden mit meiner Vergangenheit war das jedoch aus guten Gründen gar nicht so leicht. Ich führte ein langes und ausführliches Vieraugengespräch mit dem Bezirksvorsitzenden, dazu kamen mehrere Telefonate mit ihm. Am Ende stand meine erfolgreiche Aufnahme in die FDP, die ich bis heute keinen einzigen Tag bereut habe.

Innerhalb der FDP bin ich mit ziemlicher Sicherheit dem rechten, bürgerlichen Flügel zuzuordnen. Die Verteidigung/Stärkung der Marktwirtschaft hat für mich oberste Priorität. Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, sagte so schön: „Ich meine, dass der Markt an sich sozial ist, nicht dass er sozial gemacht werden muss.“ Hinzu kommt die Verteidigung der Freiheiten, die uns im Zusammenhang mit den Menschenrechten garantiert werden. Vertrags-, Meinungs- und Pressefreiheit stehen an dieser Stelle exemplarisch für all unsere Grundrechte, die es zu bewahren gilt.

Zu guter Letzt ist den Liberalen wie auch mir die maßvolle Durchsetzung des Rechtsstaats ein wichtiges Anliegen. Wir haben ein Rechtssystem, dessen Aushöhlung für uns fatale Folgen haben wird. Wenn wir uns an unsere Gesetze nicht mehr halten, wird es niemand mehr tun und wir werden ein Staat der Willkür. Das ist das Horrorszenario für jeden Liberalen. Die Anfänge davon können wir bereits erleben, wenn die politisch motivierten Gewalttaten von linksextremistischer als auch von rechtsextremistischer Seite jährlich ansteigen. Lassen wir nicht zu, dass diese Gewaltspirale sich weiterdreht.

Sebastian Kowalke wurde 1993 in Rathenow (Brandenburg) geboren. Nach den ersten Erfahrungen mit kommunaler Wirtschaftspolitik als „sachkundiger Einwohner“ im Stadtparlament von Rathenow ging er mit seinem Abitur nach Berlin, wo er sich seitdem politisch engagiert. Seine Themenschwerpunkte sind neben der Wirtschafts- auch die Bildungs-, Sport- sowie die Netzpolitik. Außerdem schrieb er bereits für Goal.com, 90min.com und ist regelmäßig bei meinsportradio.de zu verschiedensten Themen sowie als Kommentator bei NulldreiFM, dem Spieltagsradio des SV Babelsberg 03, zu hören.

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