Vom Gender-Gap zum Gender-Depp: Die Audianer_Innen von Ingolstadt

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von THOMAS PAULWITZ

INGOLSTADT – Indianer_innen pfui, Audianer_innen hui: So lässt sich der Irrsinn aus polit- und genderkorrekter Sprache zusammenfassen. Kürzlich musste Bettina Jarasch um Entschuldigung bitten. Die Spitzenkandidatin der Berliner Grünen hatte auf der Landesdelegiertenkonferenz gestanden, dass sie als Kind „Indianerhäuptling“ werden wollte. Die Entschuldigung reichte nicht, der entsprechende Abschnitt musste sogar aus dem You-Tube-Mitschnitt herauszensiert werden. Merke: Das Wort „Indianer“ ist „herabwürdigend gegenüber Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen“, wie die Berliner Grünen verkünden. Nicht einmal die Genderform „Indianer*innen“ findet hier Gnade.

Ganz anders ist es mit den „Audianerinnen“. Dieser Ausdruck bezeichnet keine Ureinwohner, sondern den Mitarbeiterstamm des Ingolstädter Autobauers. Aus den „Audianerinnen“ sind nun genderkorrekt die „Audianer_innen“ geworden, mit inklusivem Unterstrich, um auf diese Weise keines der zahllosen erfundenen sozialen Geschlechter auszuschließen. Gegen diesen Aberwitz, über den (fast) ganz Deutschland lacht, wehrt sich nun ein Mitarbeiter von Volkswagen.

„PrOut@Work-Foundation“ lancierte die Gendersprache

Seit dem 1. März setzt der Autobauer Audi die Vorschläge seiner Projektgruppe „Gendersensible Sprache“ um, die mit Hilfe einer Gender-Stiftung mit dem unaussprechlichen Namen „PrOut@Work-Foundation“ erarbeitet wurden. Die Folge: Die Mitarbeiter sollen sich untereinander als „Audianer_innen“ bezeichnen. „Sprache prägt unser Denken“, erklärte der Stiftungssprecher Jo Labecka, der sich selbst weder einem Geschlecht noch einem Pronomen zuordnen lassen will.

Ein Jahr lang haben sie an einem 13-seitigen Dokument gearbeitet, das Gender-Richtlinien festlegt. In Anspielung auf den weltberühmten Audi-Spruch „Vorsprung durch Technik“ trägt es den Titel „Vorsprung beginnt im Kopf“. Inhaltlich unterscheidet es sich kaum von den zahllosen Leitfäden zur vermeintlich „geschlechtergerechten Sprache“, die von Genderbeauftragten an Behörden und Universitäten verteilt werden: Chefs werden zu „Führungskräften“ und Mitarbeiter zu „Mitarbeitenden“ (auch wenn sie gerade Pause haben).

Bei der Auswahl zwischen Gendersternchen, Genderdoppelpünktchen und Genderstrichelchen hat sich Audi für das „Gender Gap“ entschieden. Das bezeichnet den Unterstrich, auf dem sich alle versammelt fühlen sollen, die sich weder als Männlein noch als Weiblein verstehen: „Audianer_innen“ eben. Möglicherweise lehnt man den Stern ab, um nicht mit Daimler verwechselt zu werden.
Man sieht: Vom „Gender Gap“ zum Genderdepp ist es nur ein kleiner Schritt. Doch nicht jeder will zum Genderdeppen gemacht werden. Ein „Mitarbeitender“ von Volkswagen hat jetzt eine Unterlassungsverfügung an den Vorstand der Audi AG geschickt. Seine Anwälte erklären dazu: „Unser Mandant fühlt sich durch das Gendern massiv gegängelt. Er ist entsetzt, dass die Audi AG von oben herab geradezu diktatorisch eine Sprache ihren Mitarbeitern verordnen will, die der Prüfung durch die amtliche Rechtschreibung nicht im Ansatz standhält.“

„Zwang zu einer Sprache, die im Alltag nicht gesprochen wird“

Obwohl ihr Mandant nicht Mitarbeiter der Audi AG selbst sei, ist er nach Ansicht der Juristen gleichwohl abmahnbefugt: „Unser Mandant ist in verschiedenen VW-Gremien tätig, die mit Mitarbeitern der Audi AG in ständigem Kontakt und Austausch stehen. Er ist daher von diesem Gender-Unfug direkt betroffen und hat daher das erforderliche Rechtsschutzinteresse.“ Der Verein Deutsche Sprache (VDS) unterstützt den VW-Mitarbeiter „moralisch und finanziell“, heißt es in einer Presseerklärung. Vereinsvorsitzender Walter Krämer stellte klar: „Das Gendern ist kein natürlicher Sprachwandel, es ist ein ideologisch gefärbter Versuch, Menschen zu einer Sprache zu zwingen, die sie im Alltag nicht sprechen.“ Bleibt zu hoffen, daß die „Audianer_innen“ nun in die ewigen Jagdgründe der deutschen Sprache geschickt werden.

Quellen:
• https://www.idea.de/spektrum/von-audianer-innen-und-anderen-kuriositaeten
• https://vds-ev.de/mitteilungen/gender-abmahnung-an-audi-ag/
• https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Audianer-innen-Audi-setzt-ab-sofort-auf-gendergerechte-Sprache-id59221141.html

Bildquelle:

  • Audi_retro: pixabay
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