Urbanes Leben: In Corona-Zeiten entdecke ich das gute alte Auto wieder

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von KATHARINA SCHUWALSKI

HAMBURG – „In der Stadt braucht man kein Auto“ – wie oft nur habe ich diesen Satz schon gehört? Schließlich könnte man ja quasi rund um die Uhr überall mit dem ÖPNV hinkommen, noch besser mit dem Fahrrad oder bei Bedarf einfach ein Carsharing-Auto mieten. Das stimmt schon und funktioniert alles wunderbar, jedenfalls in der Theorie. Ich gönne mir trotzdem den Luxus meiner eigenen vier Räder. Denn ganz ehrlich, im ÖPNV fühlt frau sich ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr wohl, nicht jede Entfernung und nicht jeder Anlass sind fahrradtauglich und Carsharing klingt immer toll, aber wenn man mal ganz dringend ein „Car“ braucht, ist das nächste zwei Kilometer entfernt und es gießt in Strömen. Murphys Gesetz eben.

Doch seit ein paar Monaten ist sowieso alles anders. Im ÖPNV herrscht nach wie vor Maskenpflicht, was nicht gerade angenehm ist, zumal die Umsetzung für viele Leute eine riesige Herausforderung darstellt. Und coronabedingt sind auch noch ganz neue Argumente hinzugekommen, die mein Auto goldwert machen.

Zum ersten Mal bemerkt habe ich das zum Höhepunkt der Corona-Zeit. Die Anzahl der Fälle stieg täglich, Masken gab es keine und zusätzlich war noch Schietwetter-Erkältungszeit. Jeder versuchte, Orte mit hohem Virenaufkommen zu meiden. Ausgerechnet dann brauchte ich etwas aus der Apotheke. Bestellen hätte zu lange gedauert. Die Vorstellung, in einer Schlange mit zig Schniefenden und Hustenden zu stehen, war nicht gerade prickelnd. Da fiel mir die perfekte Lösung ein: Eine Drive-In-Apotheke! Sie existiert schon seit Jahren und funktioniert wie jedes Drive-In-Restaurant. Man fährt an den Schalter, bestellt, bezahlt und fertig. Sehr bequem und wie für Corona-Zeiten gemacht – vorausgesetzt natürlich, man hat ein Auto.

Der nächste Vorteil zeigte sich kurze Zeit später, als meine gute Freundin Mia anrief, die zu den überzeugten Nicht-Autobesitzern in der Stadt gehört. Gut, sie wohnt mit ihrem Freund in einem Viertel, wo es vor Kneipen, Cafés und kleinen Geschäften nur so wimmelt, wohingegen Parkplätze kostbarstes Gut sind. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wieviel Zeit (und Nerven) man verliert, wenn man dort nach Feierabend sein Auto loswerden will. Mal eben irgendwo hinfahren geht auch nicht, denn ist der Parkplatz einmal weg, beginnt die qualvolle Suche ja aufs Neue. Da überlegt man besser dreimal, ob man den Wagen nimmt. Würde ich in so einer Ecke wohnen, würde ich vielleicht auch auf meinen Wagen verzichten.

Jedenfalls sagte Mia, sie würde mich und – Überraschung! – mein Auto ganz dringend brauchen. Revolverheld gaben nämlich ein Konzert und Mia als großer Fan hatte noch keines im Norden verpasst. Der Haken: es war ein Autokonzert. Ich bin zwar kein Fan, sagte aber trotzdem zu, da ich gespannt war, wie das Ganze so ablaufen würde. Wir hatten Glück, noch ein Ticket im vorderen Bereich zu erwischen und die Band nicht nur auf den großen Leinwänden, sondern auch aus dem Fenster live zu sehen. Insgesamt mutierten wir zu einer von 500 PKW-Surround-Anlagen, denn der Ton kommt bei diesen Konzerten direkt übers Autoradio. Nach zwei Stunden bester Stimmung war das Event vorbei. Und wir? Planen schon die nächste Auto-Veranstaltung. Diesmal geht’s ins Autokino. Wieder mit gutem Sound, mitgebrachten Lieblingssnacks und garantiert virenfrei.

Bildquelle:

  • Autos: pixabay
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