Urbanes Corona-Leben: Wenn Manuel auf dem Balkon das Training organisiert

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von KATHARINA SCHUWALSKI

Früher, als die Welt noch normal war, ließ ich mich regelmäßig voM Vogelgezwitscher wecken. Warum sind Vögel solche Frühaufsteher, habe ich mich dann aber auch oft gefragt. Inbrünstig singen kann man den ganzen langen Tag, muss es schon um fünf Uhr morgens sein? Dabei ist es natürlich ein Segen, mitten in einer Großstadt (Hamburg) zu wohnen, in der die Natur so lebendig ist! Ich bin wirklich dankbar dafür. Und nach dem ersten Kaffee liebe ich dann auch jeden Vogel und seine Arien. Nur eben nicht, bevor der Wecker überhaupt klingelt.

Inzwischen wecken mich andere Dinge. Heute war es der Nachbar mit seiner Bohrmaschine (auch so ein Frühaufsteher), gestern die Müllabfuhr und oft werde ich einfach so wach. Was steht heute an und welcher Tag ist eigentlich?, ist nun der erste Gedanke am Morgen. Ich muss manchmal überlegen und bin tatsächlich nicht ganz sicher. Denn nach über sechs Wochen Selbstisolation ist nicht nur der Schlafrhythmus gefährdet, sondern auch das Zeitgefühl verschwindet.

Die Vögel zwitschern natürlich weiter jeden Morgen, aber da bin ich oft noch im Tiefschlaf. Der Wecker hat ausgedient, es reicht, gemütlich irgendwann gegen halb neun aufzustehen. Der tägliche Weg zum Bäcker (aka meine Küche) und dann ins Büro (aka Laptop im Wohnzimmer) dauert längst nicht so lange wie früher. Das Outfit muss nicht mehr ans Wetter angepasst werden, und ist eh nur obenrum relevant – und das auch nur, wenn Video-Meetings anstehen. Also, das berühmte Home Office hat durchaus Vorteile.

Schwieriger ist es mit ausreichend Sport. Jedenfalls dann, wenn man nicht zu den tausenden Joggern gehört, die mit teils bewundernswerter Leichtigkeit ihre Runden um die Außenalster drehen. Ich treibe gerne Sport, habe dabei aber gerne Punkte, Technik und Gegner. So schlägt mein Sport-Herz seit über 15 Jahren mit großer Leidenschaft für Tennis – leider auch Opfer der Corona-Maßnahmen und damit seit Wochen unmöglich. Was also tun, um wenigstens halbwegs fit zu bleiben? Alleine vor dem Fernseher irgendwelche Übungen nachhüpfen? Spaß ist was anderes…

Doch zum Glück gibt es Manuel! Manuel ist Fitnesstrainer und auf die Idee gekommen, dass die Bewohner unserer Straße alle zusammen Sport machen könnten – vom heimischen Balkon aus. Jeden Tag um zehn stellt er sich auf die Straße, dreht Musik auf und animiert zum Workout. Jung und Alt, sportlich oder nicht, ganz viele machen mit. Jeder auf seinem Balkon. Wer hätte gedacht, dass man im hanseatischen Norden auf Anhieb so viel Spaß mit fremden Nachbarn haben kann?

Man kann sich also einrichten in dieser besonderen Zeit. Es dauert wohl etwa sechs Wochen, Gewohnheiten zu ändern – nicht mehr lange und der neue Corona-Alltag könnte zur Routine werden. Viele Menschen haben deutlich größere Probleme als wir, die wir nur zu Hause bleiben müssen, zumal das im Moment sinnvoll ist. Trotzdem freue ich mich schon sehr, wenn mich wieder die frühen Vögel wecken!

 

 

Bildquelle:

  • Fitness: pixabay
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