Und wieder trafen sich die Bischöfe, und wieder interessiert es kaum einen Menschen

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von PETER WINNEMÖLLER

Es war gerade Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Das hat natürlich wie üblich niemand bemerkt. Wenn jemand was merkt, dann ist meistens was Schlimmes passiert. Wir erinnern uns alle an die leidigen Mißbrauchsskandale und deren Höhepunkt um 2011 herum. Da war das Interesse groß, und es wurde live im Fernsehen über die Versammlung der Bischöfe berichtet. Seitdem ist das Interesse der Presse wieder gegen Null geschrumpft. Das gilt leider auch für die katholische Öffentlichkeit.

In diesem Jahr gibt es ein Jubiläum zu feiern. Seit 150 Jahren existiert die Versammlung der Bischöfe aus Deutschland. Während eines Treffens in Rom hatten die Bischöfe den Beschluß gefasst, eine regelmäßige Zusammenkunft einzurichten. So fand die erste „bischöfliche Conferenz“ 1867 in Fulda statt. In § 1 der Geschäftsordnung hieß es wörtlich: „Zweck. Die bischöflichen Conferenzen bezwecken nicht, den deutschen Episkopat als eine Gesammtheit zu vertreten, die kirchlichen Synoden zu ersetzen oder legislatorisch thätig zu sein: sie sollen vielmehr nur den Bischöfen Gelegenheit geben, sich persönlich kennen zu lernen, das Band der Liebe und Einheit zu stärken, … sowie solche Verhältnisse und Maßnahmen zu besprechen und zu berathen, welche die Interessen der Religion in unserer Zeit besonders berühren.“

Diese Fuldaer Bischofskonferenz behielt ihre informelle Funktion bis zum II. Vatikanischen Konzil. Mit dem Konzilsdekret „Christus Dominus“ im Jahr 1965 bekamen die nationalen Bischofsversammlungen einen formellen Charakter. Im Dekret wurde definiert, was eine Bischofskonferenz ist , wer ihr angehört, wie die Beschlüsse gefasst werden und wie selbige Rechtskraft erlangen. Damit veränderte sich die Bischofskonferenz fundamental.

Mit dem Statut von 2. März 1966 wird aus der Fuldaer Bischofskonferenz die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Diese trifft sich als Versammlung der Bischöfe zwei mal pro Jahr. Die Herbstvollversammlung findet nach wie vor in Fulda statt. Im Fuldaer Dom ist der Heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen bestattet. Daher hat Fulda für die katholische Kirche in Deutschland eine große historische Bedeutung.

Längst ist aus der DBK eine Behörde geworden, die mit dem Sekretariat und zahlreichen Dienststellen den Bischöfen zuarbeitet. Zuweilen führt sie auch ein Eigenleben mit sonderbaren Blüten. Aufgefallen war es mal mit einem Flyer über Gendermainstreaming. Dieser war von zwei Arbeitsstellen verfaßt worden, die in ihrem Logo das Signet der Konferenz tragen. So erschien das Blatt und erweckte den Eindruck von der Konferenz zu stammen. Die Bischöfe hatten es nie beschlossen oder genehmigt. Das ist kein Einzelfall. Kritisch wird es, wenn die Arbeitsstellen und Abteilungen nicht im Sinne der Bischöfe arbeiten. Über die genaue Anzahl der Mitarbeiter der DBK gibt es keine Angaben. Man möchte im Verborgenen bleiben.

Die Pressestelle der DBK legt allerdings sehr wohl Wert auf öffentliche Wahrnehmung. Die Versammlung könnte ein Medienevent sein. Alle Gottesdienste werden live ins Internet gestreamt. Gleiches gilt für die Pressekonferenzen, Statements einzelner Bischöfe und in diesem Jahr auch der Festakt zum 150. Jubiläum der Konferenz. Es geht dennoch an den Medien vorbei, was die Konferenz beschließt. Es ist an sich gut, wenn Bischöfe eines Sprachgebietes sich in pastoralen und partikularrechtlichen Fragen abstimmen. Es ist schlecht, wenn die Gläubigen das kaum zur Kenntnis nehmen. Es ist ferner schlecht, wenn die Behörde die Versammlung dominiert, ein Eindruck, der sich nur zu oft aufdrängt.

Ebenso entsteht oft genug der Eindruck, die Konferenz beschäftige sich gar nicht mit den wirklich wichtigen Fragen. Der Glaube in unserm Land schwindet. Die Relevanz der Kirche nimmt ab. Doch Neuevangelisation und Mission wirken in der Konferenz der Bischöfe wie Randthemen.

Bildquelle:

  • Bischofskonferenz: dpa
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