Übertriebene Abitur-Streiche: Vielleicht können nur Sanktionen diesen Schwachsinn stoppen

Anzeige

von KLAUS KELLE

“Es wird von Jahr zu Jahr extremer.” So wird eine Schülerin eines Neusser Gymnasiums heute in der Rheinischen Post zitiert. Die Rede ist von den üblichen Abi-Scherzen an deutschen Gymnasien, die inzwischen allzu oft rote Linien deutlich überschreiten.

Da gibt es die soften Varianten, etwa nachts alle Tische und Stühle aus den Klassen zu entfernen, was ja auch sportlich eine Leistung ist, um den jüngeren Jahrgängen ein, zwei Stunden Unterrichtsausfall zu organisieren. Aber da gibt es inzwischen auch vielerorts Vandalismus, da werden massive Sachbeschädigungen in den Bildungseinrichtigen angerichtet, Autos von Lehrern beschädigt. Oder jetzt Neuss, wo im Foyer eines Gymnasiums eine zwei Meter große Abbildung eines männlichen Geschlechtsteils an die Wand geklebt wurde. Ebenfalls aufgeklebte “Spermien” bedeckten Fotos von Lehrern. Ein 20 Zentimeter großes männliches Geschlechtsteil wurde unter einer Glasvitrine im Verwaltungsgang platziert. Das wäre mal ein Thema für eine psychologische Arbeit.

“Die Feuerzangenbowle” gibt’s nicht mehr. Der Einfallsreichtum unserer zukünftigen Eliten scheint heutzutage eher beschränkt zu sein. Wir müssen irgendwas machen, den Jahrgang vom vorherigen Jahr toppen, besonders überdrehen. Höher, schneller, weiter!

In dem o. g. Artikel wird noch ein anderer Schüler zitiert, der befürchtet, dass man sich nun wohl das Abiturzeugnis statt im festlichen Rahmen in der Aula im Sekretariat werde abholen können. Vielleicht keine schlechte Idee. Das regt den nächsten Jahrgang möglicherweise zum intensiveren Nachdenken an.

Anzeige

Über den Autor

Klaus Kelle

Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.