Traurige Komödie in Regensburg: Wie sie versuchen, Fürstin Gloria zu skandalisieren

Eine beeindruckende Peraönlichkeit: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

von ESTER VON KROSIGK

REGENSBURG – Nun also Gloria von Thurn und Taxis. Der Fürstin, um klare Worte wahrlich nie verlegen, wird eine „rechtskonservative Radikalisierung“ vorgeworfen und das schon „seit Jahren“. So steht es jüngst in einem Brief, den 100 sogenannte Kulturschaffende aufgesetzt und mit dem sie zum Boykott der Regensburger Schlossfestspiele aufgerufen haben.

Eine Farce, bei der Kultur gegen Kultur angeht? Dazu muss man wissen: Die Festspiele sind keine kleinen elitären Kammermusik-Abende auf Einladung der Schlossherrin. Sondern es handelt sich um ein zehntägigen Mega-Event, das seit 20 Jahren in Innenhof und Park des Schlosses St. Emmeram stattfindet. Ein Highlight im Hochsommer mit internationalen Stars der Klassik- und Popmusikszene. Wichtig für die Region, die ein wenig im Schatten der Metropole München liegt. Bis zu 30.000 Menschen werden erwartet, die das Städtchen beleben, die Restaurants füllen und in örtlichen Hotels übernachten.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist Schirmherrin der Festspiele und Besitzerin des Veranstaltungsortes. Ihre Meinung mag in den Medien oft gefragt sein, bei der Konzertreihe stehen jedoch andere im Rampenlicht. Im Juli dieses Jahres werden es unter anderem Eros Ramazotti, Simply Red und die Band Earth, Wind & Fire sein.

Dennoch richten sich die Vorwürfe explizit gegen Fürstin Gloria und lauten: Sie habe sich mit einem AfD-Landtagskandidaten an einer Kundgebung beteiligt. Außerdem verharmlose sie den sexuellen Missbrauch durch Geistliche und den Klimawandel.

Initiator des Briefes ist der aus Regensburg stammende Fotograf und Konzeptkünstler Jonas Höschl.

In einem Interview sagte er: „Man darf die Augen nicht vor so einem extrem rechten, geschlossenen Weltbild verschließen.”

Allerdings benutzt er das Wort „rechts“ auch in anderem Zusammenhang sehr häufig. Auf der Webseite des „Festival Fotografischer Bilder“ ist ein Video zu sehen, wo Höschl über seine Eindrücke als Flüchtlingshelfer im Jahre 2016 auf Lesbos spricht und über seine Kunst, die davon inspiriert wurde: „Die (zu Holschnitten umgearbeiteten Fotos) waren so angelegt, dass sie polarisieren, ja, auch eben mit so `ner rechten Bildsprache … dass sie sich eben damit auseinandersetzen, wie so `ne neue Rechte in Deutschland und Europa versucht, so Themen für sich zu instrumentalisieren.“ Höchl lässt nicht unerwähnt, dass er ein „aktivistisches Interesse“ hatte, ins Lager zu fahren und „Druck auszuüben“.

Bei einer anderen Ausstellung im Kunstmuseum Heidenheim im Frühjahr 2022 entwickelte Höschl ein Soundfile, das „im Ausstellungsraum die Parolen der Verschwörungstheoretiker*innen und Rechten zu einem Klangteppich vereint und so die gefährlichen Inhalte erlebbar macht …“

Für Jonas Höschl und seine Mitstreiter ist auch die 63-jährige Gloria TuT so eine Rechte

Was sie an ihr kritisieren, spiegelt jedoch nur eine angebliche Seite dieser sehr facettenreichen Persönlichkeit. Denn die Fürstin selbst gilt als sehr kunstsinnig und jobbte schon als Teenager in Galerien. In St. Emmeram – mit rund 500 Zimmern und 21.000 qm Fläche größer als der Buckingham Palace in London – hängen nicht nur die üblichen Ahnenbilder, sondern auch moderne, unterhaltsame Werke. Die Fürstin schätzt Künstler wie Thomas Ruff, Takashi Murakami, Jeppe Hein. Sie sammelt auch.

Man kennt sie einerseits als ausgelassen und unkonventionell – einst verschickte sie anlässlich ihres 30. Geburtstages eine gesungene Einladung, das Cover war von Keith Hearing. Mit ihrem Motorrad knatterte sie über die Schlosshöfe, und auf Autobahnen pflegte Gloria einen rasanten Fahrstil. Und dem FAZ-Magazin gab sie auf die Frage „Was möchten Sie sein?“ zur Antwort: „Ein Elefant im Porzellanladen.“

Anderseits macht die Fürstin aus ihren katholischen Überzeugungen nie einen Hehl: Sie ist eine Abtreibungsgegnerin, was sie öffentlich auch immer wieder zum Ausdruck bringt.

Solche scheinbaren Widersprüche bringen viele Menschen nicht zusammen, es mag provozierend wirken. Neben Höschl und Co. attackiert auch die DGB-Jugend Oberpfalz die Fürstin, nennt sie eine „Krawallnudel“ und reiht ihre „schrägen Statements“ auf der Seite „thurn-und-toxisch.de“ auf. Da sind Äußerungen von ihr zu lesen wie: „Die einzigen beiden Menschen auf der Welt, die uns heute Klarheit geben, sind Donald Trump und Gerhard Ludwig Müller.“

Gegenüber der „WELT“ distanzierte sich nun auch die Stadt Regensburg von den Aussagen der prominenten Schirmherrin. Laut einer Sprecherin stehe die Stadt nämlich für „Vielfalt und Offenheit“, bei den Schlossfestspielen handele es sich nicht um eine städtische Veranstaltung. „Regensburg steht für Einfalt und Betroffenheit“, hält ein Leser dagegen und ein anderer schreibt: „Der Schwarze schnackselt halt gern“ – forever Kult! Eine gute Frau!“.

Und was sagt die Fürstin selbst zur Aufregung um ihre Person und das Sommerevent? Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert sie mit den Worten: „Eine Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, divers und tolerant zu sein, sollte die freie Meinungsäußerung auch von den Menschen tolerieren, die nicht ihre eigene Meinung widerspiegeln.“

Bildquelle:

  • Gloria_von_Thurn_und_Taxis: imago images

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