Terrorismus als Gefahr für deutsche Unternehmen

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Köln – Sicherheitsfragen wirken sich immer auf die Wirtschaft aus. Darüber diskutierten Experten beim Sicherheitstags 2017 der ASW NRW. Allein Schäden durch Cyber-Kriminalität, Wirtschaftsspionage und Ausspähung belaufen sich auf 55 Milliarden Euro jährlich.

„Sicherheit ist ein Kernanliegen“: Diese Erkenntnis des Sicherheitstags 2017 der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft Nordrhein-Westfalen e.V. (ASW NRW), dem führenden Branchenverband für alle Fragen rund um Sicherheit und Kriminalprävention, formulierte der Vorstandsvorsitzende der ASW NRW, Christian Vogt. Mehr als 100 Sicherheitsverantwortliche aus Unternehmen und Vertreter der öffentlichen Hand waren zusammengekommen, um sich von renommierten Fachleuten über aktuelle Themen unter der Überschrift „Globaler Terrorismus vor der Haustür: Unterschätzte Gefahr für deutsche Unternehmen“ informieren zu lassen.

Im Fokus standen die Auswirkungen von Sicherheitsrisiken auf die Wirtschaft, wie beispielsweise Burkhard Freier, Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen, ausführte. „Sicherheitsfragen betreffen Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Folge islamistisch-terroristischer Anschläge – wie die Schwächung der Tourismusbranche und der Infrastruktur – werden im Rahmen jihadistischer Propaganda als entscheidende Erfolgsnarrative propagiert.“ Sein Rat für Unternehmen: Sicherheit zur Chefsache machen, die Mitarbeiter ständig für diese Themen zu sensibilisieren und Verantwortlichkeiten im Krisenfall zu definieren, damit kurzfristige Entscheidungen für den Schutz der Organisation unmittelbar getroffen werden können. Burkhard Freier wies auch auf Risiken durch Cyber-Kriminalität, Wirtschaftsspionage und Ausspähung hin: „Die Schäden für die deutsche Wirtschaft belaufen sich aktuell auf 55 Milliarden Euro jährlich.“

Auch Terrorismusexperte Dr. Hans-Jakob Schindler von den Vereinten Nationen betonte die Wechselwirkungen zwischen Terrorismus und Wirtschaft. Zum einen müssten die Behörden die Anliegen der Unternehmen ernstnehmen und die Privatwirtschaft beispielsweise bei der Aufstellung von Sanktionen einbinden. Und in seinen Augen müssten deutsche Unternehmen vor allem bei Auslandseinsätzen in Afghanistan, dem Irak etc. mit Erpressungen, Entführungen, Drohungen, Cyberangriffen und anderen Gefahren rechnen.

Zugleich könne die Wirtschaft auch etwas gegen Radikalisierung tun, sagte Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer von der Universität Osnabrück. Sein Schwerpunkt ist der Salafismus in Deutschland, den er seit vielen Jahren beobachtet. Ein Radikalisierungsfaktor sei eine soziale Benachteiligung, wenn Bewerber beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt würden und keine Zukunftschancen sähen. Zudem sei Radikalisierung so gut wie immer ein Gruppengeschehen. „Das ist auch für Unternehmen sehr wichtig. Auch Kollegen können sich gemeinsam radikalisieren. Daher sollten Unternehmen unter anderem darauf achten, keine Ausgrenzung zuzulassen, um diese Faktoren nicht zu begünstigen“, sagte Michael Kiefer.

Foto: ASW NRW)

Mehr als 100 Sicherheitsverantwortliche aus Unternehmen und Vertreter der öffentlichen Hand haben am Sicherheitstag der ASW NRW teilgenommen.

Bildquelle:

  • Sicherheitstag 2017, ASW NRW e.V., Lanxess Tower, Köln: asw nrw
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