Strahlenangriffe auf amerikanische Botschaften: Verschwörungstheorie oder Realität?

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Liebe Leserinnen und Leser,

in Zeitungsredaktionen wie unserer laufen an jedem Tag hunderte Meldungen, Nachrichten und Informationen ein. Die Kunst der Redaktion ist es dann, daraus jeden Tag einen informativen Mix zu basteln, der möglichst viele Menschen zum Lesen und, ja, auch Abonnieren animiert. An manchen Tagen ist das einfach, wenn ein Megaereignis die Nachrichtenlage so domiert, dass sie gar nicht an dem Thema und der Beleuchtung desselben aus allen möglichen Richtungen vorbeikommen. Wenn 9/11 ist, müssen sie nicht über den neuen Mittelfeldstar von Bayern München oder die neue Abwasserverodnung nachdenken, dann ist 9/11. Und sonst nix. Wenn Frau Merkel (endlich) in den Ruhestand geht, wenn der Rhein über die Ufer tritt, dann müssen sie als Blattmacher nicht über die Titelgeschichte nachdenken.

Schwierig wird es, wenn sie – das passiert jeden Tag – Hinweise und Berichte aus der sogenannten Verschwörungsszene bekommen. Die sind in der Regel sensationell, generieren jede Menge Klickzahlen – die Währung für unsereins – und sind nicht selten amüsant. Beim Ausschlussverfahren ist immer erst einmal die Betrachtung der Quelle hilfreich. Taucht irgendeine domain auf, von der noch nie jemand zuvor etwas gehört hat, und gibt vor, zu wissen, was Bill Gates wirklich denkt, dann ab in den Papierkorb. Weil niemand wissen kann, was Gates wirklich vorhat. Schon gar nicht irgendein No-Name aus den Tiefen des Internets. Dann gibt es bekanntere domains, von denen man sicher weiß, dass sie von anderen Staaten – vorzugsweise Russland – finanziert werden, guckt man noch kurz mal drauf, verwendet es aber meistens nicht, weil die nicht das Ziel haben, uns alle zu informieren, sondern unsere Gesellschaft (weiter) zu spalten und unserer Regierung auch den kümmerlichen Rest von Grundvertrauen zu entziehen.

Und dann gibt es die ernsthaften Portale, die teils seit vielen Jahren versuchen, unter der Oberfläche nach Informationen zu graben, die man uns möglicherweise vorenthalten will. Heise Online ist so ein Portal, keinesfalls Verschwörungstheoretiker, wo ich immer reinschaue und ganz starke Themen finde. So wie heute Morgen.

Heise behauptet, dass es in verschiedenen Ländern möglicherweise “Strahlenangriffe” mit Mikrowellen auf amerikanische Botschaften gibt, jüngst auch in Berlin. Mitarbeiter dort erkranken plötzlich, heftige Kopfschmerzen aus dem Nichts, Übelkeit, Schlafstörungen. Nun können Sie sagen, Kopfschmerzen hatte ich auch schon mal, aber tatsächlich scheint es sich um ein Schema zu handeln, dass es auch in größerem Umfang schon anderswo gab, etwa in der östereichischen US-Botschaft, wo 20 Mitarbeiter plötzlich erkrankt sein sollen. Und konkret belegt ist, dass es 2016 und 2017 Lärmangriffe auf die amerikanische und die kanadische Botschaft auf Kuba gab. Heise schreibt: “Offiziell ist demnach von “Vorfällen” die Rede, privat spricht aber unter anderem auch der CIA-Chef William Burns von “Angriffen”, hatte es damals geheißen. Verdächtigt wird dabei immer wieder Russland, aber ohne dass es Beweise gibt. Moskau hat das auch wiederholt als “russophobe Propaganda” zurückgewiesen.”

Sie denken, andere Staaten sind so wie wir Deutschen und kümmern sich vorrangig um die Umstellung ihrer Botschaftskantinen auf vegane Kost? Mitnichten. Es gibt belegte Geschichten von Angriffen auf amerikanische Diplomaten in ihrem privaten Lebensumfeld, Einbrüche und Verwüstungen in Privathaushalten, die nie aufgeklärt wurden. Die USA schickten 2018 sogar ein Ärzteteam nach China, um “mysteriöse Krankheitsfälle bei amerikanischen Diplomaten und deren Familien zu untersuchen”, wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ) damals schrieb. Zwei Angehörige des Konsulats in Guangzhou mussten in die USA ausgeflogen werden, wo sie einer vollständigen Untersuchung ihrer Symptome unterzogen wurden. Mehrere amerikanische Beamte hatten zuvor von seltsamen Geräuschen berichtet. Die Betroffenen klagen über Kopfschmerzen, Brechreiz, Hörprobleme sowie Wahrnehmungsschwierigkeiten.”

Sie merken, das Thema fasziniert mich zunehmend, aber es ist schwierig, handfeste Informationen und seriöse Quellen dazu zu bekommen, die einen davor schützen, als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt zu werden. Und das bin ich ja nicht.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.