Stärke zeigen im Südchinesischen Meer: Es ist militärische Präsenz, mit der sich Deutschland schwer tut

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von AKIO TANAKA, Kyoto

YOKOSUKA – Im japanischen Kriegshafen Yokosuka bei Yokohama kann man sich auf hohen Besuch freuen. Das Datum ist noch nicht bekannt, aber Queen Elisabeth wird kommen! Nicht die Monarchin, aber der nach ihr benannte britische Flugzeugträger, der Stolz der Royal Navy.

Stolz können die Briten tatsächlich sein auf ihr stärkstes Kampfschiff. Seit der Indienststellung 2017 hat das Schiff ausgiebige Ausrüstungs- und Übungsphasen durchlaufen und ist nun voll battle ready. Einsatzfähig. Und es ist – passend zur neuen Post-Brexit-Strategie des „Global Britain“ – das richtige Instrument, um militärische Präsenz und sicherheitspolitische Potenz zu zeigen.

Ein Schiff wie die „HMS Queen Elisabeth“ ist natürlich nie allein unterwegs, so wenig wie die namensgebende Monarchin. Und wie diese oft Zeichen zu setzen pflegte mit der Auswahl ihrer Delegationsmitglieder, so setzt auch der Trägerverband „Carrier Strike Group 21“ politische Zeichen: Unter den Begleitschiffen sind ein amerikanischer Zerstörer und eine niederländische Fregatte. Auf dem Träger selbst werden dieses Mal als Gäste mehr Kampfflugzeuge der U.S. Marines sein, als solche von der Royal Navy. Immerhin fliegen beide (fast) den selben Flugzeugtyp, nämlich amerikanische F-35B Lightning II. Schon der Name dieses Kampfflugzeugtyps der neuesten Generation, für den sich übrigens auch die japanische Luftwaffe entschieden hat, weckt bei Royal Navy Fans und amerikanischen Kameraden wohlige Gefühle und stolze Erinnerungen – bei den Amerikanern an den legendären Jäger des Zweiten Weltkriegs und bei den Briten an ihren brillanten Kampfjet der 50er Jahre.

Noch vor Ende Mai wird die Carrier Strike Group auslaufen und sich auf die lange Reise nach Ostasien machen. Im Mittelmeer wird Zeit sein für gemeinsame Manöver mit einem französischen Trägerverband, Dual Carrier Operations, die Erinnerungen an die Entente Cordiale wecken könnten. Weiter wird es gehen durch den Suezkanal – in dem man sicher nicht stecken bleibt, die britischen Seeleute verstehen ihr Handwerk – durch das Rote Meer und in den Indischen Ozean.

Spannend wird dann für die Queen E. und ihre Begleitflotille die Passage durch das Südchinesische Meer. China betrachtet das ja in Gänze als „Mare Nostrum“ und die chinesische Propaganda übt schon jetzt künstliche Empörung über das Eindringen von Fremden in diese vermeintliche Binnensee. Dass es sich um internationale Gewässer handelt, stört Peking dabei bekanntlich nicht. Das eigentlich interessante an der Durchfahrt durch das Südchinesische Meer wird sein, ob die Briten und ihre Verbündeten dort durch die von China völkerrechtswidrig beanspruchten Gewässer fahren werden.

Vielleicht taucht wenigstens das begleitende Jagd-U-Boot HMS “Astute” hindurch? Aber soviel Scharfsinn ist der britischen Politik allemal zuzutrauen, dass das nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern sorgsam geplant ist. Vermutlich halten sie sich fern. Es würde aber reichen, dass die HMS Astute getaucht durchs Südchinesische Meer fährt, an welcher Stelle auch immer. Das dürfen sie laut Völkerrecht in internationalen Gewässern, und das wäre schon eine Message, die in Peking ankäme.

London setzt mit der Entsendung eines Trägerverbands vor allem ein politisches Zeichen. Das A und O der Mission ist das Zusammenwirken mit Verbündeten und damit ein Signal an Peking, dass die „Wertepartner“ in Ostasien – allen voran Japan – nicht allein gelassen werden. Schön wäre es, der königliche Flottenverband würde auch durch die Taiwan-Straße fahren. Aber das trauen sich wohl nur die Amerikaner, bisher jedenfalls. Dabei handelt es sich auch dort um eine nach Seerecht freie Durchfahrt.

Und die Deutschen? Kein Grund zum Spotten! Zwar haben die kein dem „Global Britain“ vergleichbares Motto, und es fehlt an einem Flugzeugträger. Aber in den „Indo-Pazifik-Leitlinien“ der Bundesregierung vom vergangenen Jahr steht erstmals auch etwas von Sicherheitspolitik. Das klingt harmlos, ist aber neu und bemerkenswert, und es wurde in Tokyo regelrecht gefeiert. Vor Kurzen gab es sogar – ebenfalls eine Neuerung – „2+2“-Gespräche der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder; und die Bundesministerin der Verteidigung wird noch vor dem königlich britischen Schiff persönlich als Gast in Japan erwartet, noch im Wonnemonat Mai, was bei der japanischen Regierung auch wonnevoll begrüßt wird.

Aus japanischer Sicht sind, ganz im Ernst, solche kleinen Zeichen eines nicht gerade als Militärmacht bekannten, sonst aber hochgeschätzten Partners geradezu Gold wert. Natürlich weil man weiß, wie die Deutschen mit den Chinesen stehen, und was für eine Überwindung es sie gekostet haben muss, auch einmal strategische Eindeutigkeit zu zeigen. Zu allem Überfluss steht zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr noch der Besuch einer Fregatte der Bundesmarine an. Niemand erinnert sich mehr, wann das zuletzt geschehen ist. Für Japans Sicherheitspolitiker ist es jedenfalls ein Fest.

Schön wäre es, die deutsche Fregatte könnte sich dem britischen Verband noch für ein kleines Manöver anschließen. Militärisch und strategisch wäre das sinnvoll. Und was für ein schönes Zeichen der Solidarität unter demokratischen Nationen das wäre! Die Chancen stehen freilich schlecht. Denn ganz so eindeutig ist die deutsche Position dann doch wieder nicht. Zur herben Enttäuschung der Japaner soll die deutsche Fregatte auf ihrer Asienreise auch einen Port Call in China machen. Gewiss hat die Kanzlerin persönlich darauf bestanden, damit Freund Xi Jingping nicht zu sehr zürnt.

Bildquelle:

  • Carrier_Strike_Group_GB: pinterest
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