Sie verließ die AfD wegen der Rechtsradikalen, sagte aber: “Ich werde nie links ticken!”

Steffi Brönner aus Thüringen verließ die AfD wegen der Extremisten in der Partei.
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ERFURT – Steffi Brönner war stellvertretende Sprecherin der AfD in Thüringen und Mitglied der Bundes-Kommission für das Wahlprogramm ihrer Partei. Als der Rechtsaußenkurs ihrer Partei immer klarer wurde, verließ die Pädagogin ihre Partei (TheGermanZ berichtete).

Vor wenigen Tagen hat der Verfassungsschutz angekündigt, den Landesverband Thüringen insgesamt zu beobachten. Die AfD dort sei nach ihren Erkenntnissen „gesichert extremistisch“. Wir sprachen mit Frau Brönner darüber.

Frau Brönner, sie waren in der Führungsspitze der AfD Thüringen und haben irgendwann hingeschmissen, weil Sie den Rechtsaußen-Kurs nicht mehr mitmachen wollten. Nun beobachtet der Verfassungsschutz den ganzen Landesverband, weil der „gesichert extremistisch“ sei. Sind Sie zufrieden, dass Sie rechtbehalten haben?

Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Ich bin traurig, dass es so weit kommen konnte. Es wäre nicht nötig gewesen. Es gibt mittlerweile genügend Leute innerhalb und außerhalb der AfD, die zeigen, dass man Dinge benennen kann, ohne in den Geruch des Extremismus zu kommen.

Die Guten wurden als “Bettnässer” erfolgreich schon vor der Beobachtung “ausgeschwitzt”. Nur eine Handvoll derer, die Realpolitik wollten, blieben schon 2019 noch übrig. Stattdessen sehen wir Pöbler und Jogginghosen. Menschen, die nichts zu verlieren haben, und die man als Parteiführung leicht führen kann – wohin auch immer.

Unterscheidet sich aus Ihrer Sicht der thüringische Landesverband von anderen AfD-Regionalverbänden?

Schon damals zu Beginn unterschieden sich sehr schnell der thüringische, der brandenburgische und der sachen-anhaltische Landesverband deutlich, wobei in Sachsen-Anhalt viele gute Leute waren, die dem Flügelschwung entgegentraten. Insofern unterschieden sich diese beiden Landesverbände zu Beginn wohl schon von den anderen. Bei meinem Eintritt sah ich das noch nicht, und ich verstand erst gar nicht, warum so sehr gegen Lucke geschossen wurde.

Heute denke ich, dass mir außerhalb von Hessen und in weiten Teilen Berlins und Niedersachsens und Rheinland-Pfalz und MeckPomm der Flügel das Sagen in der AfD hat. Im Landesverband Thüringen wurden Leute, die eine eigene Meinung vertreten, von Anfang an ausgeschaltet, ja sogar zerstört. Es gab hier immer schon ein paar Leute in der Partei, die das Beobachtungsgeschäft und das Denunzieren von missliebigen Leuten von der Pike auf gelernt haben. Und es gab im Osten schon immer Zusammenarbeit mit ganz Rechtsaußen. Das war in Westdeutschland nicht so.

Sie waren damals eine der Initiatoren der „Alternativen Mitte“, die bundesweit für eine gemäßigte bürgerliche AfD stand. Heute ist sie aufgelöst, und der rechte „Flügel“ verzeichnet überall Bodengewinne. War Ihr Kampf damals, all die Drohungen und Beleidigungen, die sie ertragen mussten, umsonst?

Ich war kein Initiator, aber ich habe mitorganisiert. Ich wollte immer Dienstliches und Privates trennen. Ich hatte bei der Gründung der AM einen dienstlichen Termin und konnte dort nicht teilnehmen. Später wurde ich dann aber AM-Sprecherin neben Helmut Witter für Thüringen und noch später Bundessprecherin.

Unser Kampf war leider umsonst, weil uns seitens des Flügels Spaltung vorgeworfen wurde, ein beliebtes Narrativ in diesen Kreisen. Wer gegen Aussagen des Flügels ist, der ist gegen die AfD. Wir wurden zwar gehört, aber hatten zu wenig Unterstützung aus der Partei. Heute erkennen immer mehr das Problem, Meuthen, von Storch, Pazderski. Heute verstehen sie, was wirklich passiert in der AfD.

Beleidigungen und Drohungen aus Flügel-Kreisen gab es tatsächlich, ich kann damit umgehen. Einmal wurde mein Auto total zerlegt, ein anderes Mal alle vier Reifen zerstochen. Ich wurde wechselnd entweder als Nazi-Hure oder Vaterlandsverräter beschimpft. Es juckt mich kein bisschen, ich bin beides nicht.

Sie waren von Anfang an dabei und kennen viele der auch heutigen Führungspersonen der AfD persönlich. Ganz subjektiv: Wie schätzen Sie die Zukunft der Partei auf eine Sicht von fünf bis zehn Jahren ein?

In der AfD sind auch heute noch enorm gute Leute, gerade unter den Bundestagsabgeordneten, aber auch auf Landesebene. Ich mache mir Sorgen, dass die Guten weiter heuausgeschwemmt werden. Das wäre fatal für die Partei.

Ich bin sicher, dass es die AfD auch in zehn Jahren noch geben wird, vielleicht sogar als Volkspartei, denn das patriotische Potential ist in Deutschland vorhanden. Es gibt ja praktisch für unsereins kein anderes Angebot.

Sie sind vor zwei Jahren aus der AfD ausgeschieden mit einigem Medienrummel. Haben Sie inzwischen Ihr vorheriges Leben wieder zurück?

2017 bin ich als Vize von Höcke zurückgetreten, 2019 bin ich dann raus. Ein Parteiausschlussverfahren gegen mich wurde 2019 nachträglich vom Bundesschiedsgericht zu meinen Gunsten entschieden. Vorher hatte der Rechtsaußen-Parteirichter, der Höcke freigesprochen hat, mich in Thüringen rauswerfen wollen. Alles eine kleine Familie hier in Thüringen. Als Andreas Kalbitz dann 2019 in den Bundesvorstand gewählt wurde, habe ich mich leise und schweren Herzens verabschiedet.

Es gab natürlich auch viele Anfeindungen von linksextremer Seite, Fahrzeuge der Firma meines Mannes wurden damals beschmiert und umgeworfen, demoliert und die Reifen zerstochen. Das ganze Programm dieser Leute eben.

Und eben der Rufmord von beiden Seiten. Hier Nazibraut, das Verräterschwein.

Sein “altes Leben” bekommt man in Deutschland, wenn man nicht links tickt und als Konservative und demokratische Rechte öffentlich auftritt nie wieder. Das war mir aber bewusst, da war ich ausnahmsweise mal nicht blauäugig. Ich habe ja ein Umfeld außerhalb der Blase. Ich bin Mutter, Lehrerin und habe gute Freunde.

Und ehrlich? Ich will das alte Leben gar nicht zurück, solange es von mir einen unbezahlbaren Preis verlangt, nämlich meine Kinder zu verraten, indem ich mich einem linken Zeitgeist anpassen oder anbiedern muss. Ich war nie links. Auch nicht an der Uni. Ich werde nie links ticken. Und meine Kinder hoffentlich auch nicht.

Das Gespräch mit Frau Brönner führte Klaus Kelle.

Bildquelle:

  • Steffi_Brönner: privat
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.