Scheiterte die Schweinebucht-Invasion, weil es Verräter im Stab des Weißen Hauses gab?

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von DIETRICH KANTEL*

HAVANNA – 22°16´ Nord, 81° 12´ West, Kuba: Vor 60 Jahren liefern sich drei Tage lang, vom 17. bis zum 19. April 1961 die Brigade 2506 mit ihren 1143 vom CIA-ausgebildeten Exil-Kubanern auf den Stränden der Baia de Cochinos, bekannt als „Schweinebucht“, erbitterte Kämpfe mit den Revolutionstruppen des Fidel Castro. Der Ablauf hier nochmal in Kürze:

Am 17.April landete die Brigade 2506 von Guatemala kommend unter dem Kommando zweier CIA-Agenten und logistischer Unterstützung durch die US-Kriegsmarine in der Schweinebucht. Von dort aus sollten die Invasoren eine Landepiste nehmen und halten, bis dort aus Miami die kubanische Exil-Regierung eingeflogen werden konnte. Diese sollte einen Hilferuf an die US-Regierung absetzen, aufgrund dessen Präsident Kennedy die Unterstützung der bereitstehenden US-Marine freigeben sollte. Vorbereitet wurde die Invasion durch Bombardierungen leichter US-Weltkrieg 2-Bomber vom Typ B-26 (Erstflug 1942). Die waren mit kubanischen Hoheitszeichen versehen, um eine Konterrevolution vorzuspiegeln. Von diesen schoss die kubanischen Luftwaffe jedoch sieben ab. Dadurch mangelte es den gelandeten Invasoren an Luftunterstützung. So konnte die vorgesehene Landepiste nicht gehalten und die Exil-Regierung nicht eingeflogen werden. Damit fehlte die formale Rechtfertigung für militärisches Eingreifen der USA. Präsident Kennedy, gerade erst 87 Tage im Amt, erteilte deswegen keine Freigabe der US-Marine-Kontingente. Er reiste ins Wochenende ab.

Nach drei Tagen waren etwa 1.000 Invasoren gefangen genommen, der Rest getötet und die Operation endete mit einem Sieg der Kubaner des Fidel Castro samt einer totalen Blamage der jungen US-Regierung des John F. Kennedy.

Eisenhower, Nixon, Fidel Castro, Che Guevara

Die Operation Schweinebucht war lange vorgeplant. Ihr vorausgegangen war, dass nach dem Sturz des Batista-Regimes Fidel Castro, sein Bruder Rauel unter Federführung eines gewissen Argentiniers namens Ernesto „Che“ Guevara, examinierter Arzt, marxistischer Revolutionär und Mehrfachmörder, schrittweise die US-amerikanischen Unternehmen auf Kuba enteignet wurden. US-Präsident Eisenhauer hatte der CIA schon Ende der 1950er Jahre sein Plazet für Planung und Vorbereitung der Operation Schweinebucht gegeben. Diese sollte schon vor 1961 durchgeführt werden. Am Ende waren die Vorbereitungen nicht rechtzeitig für die geplante Umsetzung noch vor den damaligen Präsidentschaftswahlen gediehen. So wurde der sehr knappe Wahlsieger Kennedy gleich nach Beginn seines Amtsantritts erstmals über das Vorhaben unterrichtet. Das segnete er grundsätzlich ab, behielt sich jedoch vor, persönlich die Freigabe der US-Militäreinheiten zu erteilen und nur unter der Voraussetzung, dass der geplante „Hilferuf“ der kubanischen Exil-Regierung von Kuba aus erfolge.

Unzureichende Planung oder Intrige im Weißen Haus?

Über das blamable Scheitern der Schweinebucht-Invasion ist viel geschrieben worden. Die eher militärisch-taktischen Überlegungen zielen darauf ab, dass die Unterstützung der Invasions-Brigade unzureichend ausgelegt war. Die eingesetzten alten B-26 Bomber seien eine leichte Beute selbst für die begrenzte Fähigkeit der verbliebenen kubanischen Luftwaffe gewesen. Fehlende Artillerie-Unterstützung der Brigade 2506, sobald sie die Strände erreicht hatte, sei ein weiterer Grund für das Scheitern gewesen. Wenn man bedenkt, dass moderne Kriegsführung seit dem Zweiten Weltkrieg nur erfolgreich sein kann im Rahmen „Verbundener Waffen“, also Land-, Luft- und Seestreitkräfte koordiniert auf das vorgegebene Ziel ausgerichtet und rechtzeitig zusammen wirkend, dem mag diese Erklärung ausreichend erscheinen. Würde aber zumindest unberücksichtigt lassen, dass die Operation unter Präsident Eisenhower erfolgte – einem der ganz großen und erfolgreichen militärischen US-Befehlshaber des Zweiten Weltkriegs.

Eine andere, kaum beleuchtete, möglicherweise auch unterdrückte Überlegung zielt darauf, dass der Erfolg unorganisierter und schwacher kubanischer Revolutionstruppen nur erklärbar dadurch sei, dass die Operation verraten wurde. Und dann: Von wem?

Bemerkenswert sind Randnotizen, aus denen sehr verhalten hervorgeht, dass die 1947 gegründete CIA im Laufe der 1950er Jahre einen dominierenden Einfluss auf die außen- und militärpolitische Beratung der US-Präsidenten erlangt hatte. Zwischen der CIA und der im Jahre 1952 gegründeten, heute alle US-Geheimdienste dominierenden, NSA habe sich heftige Konkurrenz über die jeweilige Bedeutung im Zirkus des Weißen Hauses entwickelt, Die jüngere NSA habe nach Verbesserung ihres Einflusses gesucht. Ein Durchstechen der bevorstehenden Operation Schweinebucht an kubanische Stellen mit dem Zielgedanken, dass ein Scheitern der CIA-Operation dieselbe beim jungen Präsidenten in Misskredit bringt?

Und Kennedy, 87 Tage im Amt, musste es ausbaden. Das tat er dann allerdings erfolgreich in der Kuba-Krise mit beinharter Stärke gegen die sowjetischen Raketenlieferungen.


(*) Der Autor ist Jurist und diente als Reserveoffizier lange Jahre im Führungsstab der Streitkräfte im Bundesverteidigungsministerium.

Bildquelle:

  • Schweinebucht_Kuba_1961: TheGermanZ
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