Mit Feuer und Schwert: Als der Islam nach Spanien griff

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von DIETRICH KANTEL

TOLEDO – Wie schreiben das Jahr 711. Die Völkerwanderung ist seit rund 200 Jahren vorbei. Die christlichen Westgoten unterhalten nach dem Niedergang des weströmischen Reiches ein stabiles Staatswesen auf der iberischen Halbinsel mit der Hauptstadt Toledo. Regent ist König Roderich, „der letzte Gotenkönig“. Da sucht am 19./20. Juli vor jetzt 1310 Jahren am Rio Guadalute bei Jerez de la Frontera der muslimische Eroberer Tariq ibn Ziyod mit einem 7.000 Mann starken Invasionsheer die Entscheidungsschlacht.

Kurz zuvor war er aus dem heutigen Marokko via Tanger in Spanien gelandet. Weitere sieben Tage dauert die Schlacht, in der Gotenkönig Roderich fällt. Etliche Unterführer hatten da die verlustreiche Schlacht vorzeitig verlassen. Ihre Rechtfertigung: Es sei wohl nur eine von diesen typisch arabisch-muslimischen Plünderungsaktionen. Die Eindringlinge würden danach mit Beute wieder abziehen. Eine großartige Fehleinschätzung. Des Führers und der desertierten Kontingente beraubt werden die Westgoten von den Invasoren besiegt. Da ist aber nicht nur eine Schlacht verloren.

Der Islam will Europa

Es ist vielmehr eine Zeitenwende: Der militante Islam „mit Feuer und Schwert“ (wie vom Propheten befohlen) will Europa. Nach dieser – heute würde man sagen: Brückenkopfoperation am Rio Guadalute – kamen weitere arabisch-muslimische Invasionstruppen über das Mittelmeer. Man geht von mindestens weiteren 18.000 Mann aus nebst Tross. Die erobern sukzessive fast ganz Iberien und stoßen mordend und plündernd sogar über die Pyrenäen bis ins Frankenreich vor. Christen, also wer sich dem Islam nicht sogleich unterwarf, wurden gemordet, wo immer es ging : Der kulturzerstörerische islamische Vormarsch kam erst im Jahr 732 zum Stillstand. Da besiegten endlich die Franken unter ihrem Heerführer Karl Martell („Der Hammer“) in der Schlacht bei Poitiers die muslimischen Araber. Die zogen sich dann wieder hinter die Pyrenäen zurück auf die Iberische Halbinsel. Ihre Fremdherrschaft dort, wenn gleich nach und nach bröckelnd, sollte insgesamt 860 Jahre andauern.

„Al Andalus“: das muslimische Paradies – Ein romantischer Mythos

Die islamische Herrschaft war angeblich von religiöser Toleranz seitens der muslimischen Araber geprägt. Und es soll ein Ausbruch an Wissenschaftlichkeit und darauf gegründetem gesellschaftlichen und technischen Fortschritt erfolgt sein. Gelebte Multikulti nach heutigem Mainstream also. Sagen die einen. Diese romantisierende, in Akademikerkreisen des 19. Jahrhunderts entstandene Betrachtungsweise, wurde nur allzu gern von der heutigen Multikulti-Grenzlos-Sichtweise des linken Milieus aufgegriffen. Und wird seither immer weiter erzählt. Die

Wirklichkeit sah sehr anders aus.

Muslimische Gewaltherrschaft über Jahrhunderte. Mal mehr. Mal weniger. Je nachdem, welchen Nutzen der jeweilige muslimisch-arabischen Statthalter, Kalif oder Emir aus den unterdrückten Nichtgläubigen, also aus Christen und Juden herauspressen konnte. „The Myth of the Andalusien Paradise“ hat das der spanische Historiker und Literaturwissenschaftler Dourio Fernandez-Morrea korrigierend benannt. Als eine Fehlinterpretation hat das auch der britisch-amerikanische Historiker Bernard Lewis bezeichnet, darauf verweisend, dass Gleichberechtigung Andersgläubiger im islamischen Recht gar nicht angelegt sei. Auch der spanische Mediävist Francisco Garcia Fitz resümiert: „Toleranz im islamischen Spanien ist ein multikultureller Mythos.“ Und es habe „keine Beziehungen auf der Basis von Gleichheit und Akzeptanz der Unterschiede“ gegeben.

Nicht-Muslime mussten Kopfsteuer entrichten, die „Dschizya“, an die herrschende arabische Clique, damit sie unbehelligt weiter leben und arbeiten durften. Zahlten sie nicht oder konnten sie nicht zahlen: Verhaftung, Folterung, Progrome, Konfiszierung des Eigentums, Versklavung – gnadenweise Vertreibung.

Vertreibung, Progrome, Versklavung

Herrscher Mohammed I. (823-886) ordnete die Zerstörung aller christlichen Kirchen an, die nach der muslimischen Invasion von 771 errichtet worden waren. 48 Christen, die „Märtyrer von Cordoba“, wurden im 9. Jahrhundert wegen religiöser Verstöße gegen den Islam hingerichtet. 1011 dann ein Progrom an den Juden von Cordoba und 1066 das Massaker von Granada, bei dem 1.500 christliche Familien massakriert wurden. 1085 fliehen 40.000 Juden wegen religiöser Verfolgung aus „Al Andalus“ in das soeben wieder christlich zurück eroberte Toledo. Im 12. Jahrhundert die Zwangsvertreibung aller Katholiken aus Malaga und Granada nach Marokko. In Lissabon werden 3.000 christliche Frauen und Kinder versklavt und weitere 3.000 Christen im portugiesischen Silves.

Die arabisch-muslimische Fremdherrschaft auf der iberischen Halbinsel endete erst am 2. Januar 1492 mit dem erfolgreichen Ende der langen „Reconquista“: Der letzte Emir von Granada, Mohammad XII. , ergab sich in seiner Festung „Alhambra“ kampflos den katholischen Heeren von König Ferdinand II. und Königin Isabella I.

Bildquelle:

  • Muslime_erobern_Spanien_711: wikipedia frei
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