Megatrend “Urban Jungle”: Warum sich Großstadtmenschen den Dschungel in die Wohnung holen

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von KATHARINE SCHUWALSKI

HAMBURG – Seit einiger Zeit habe ich keinen grünen Daumen mehr. Wenn ich so an die letzten leidvollen Erfahrungen mit Pflanzen denke, muss ich sogar sagen, mein Daumen ist magentafarben. Nein, das hat nichts mit der Telekom zu tun und auch nichts mit der FDP, Magenta ist einfach die Komplementärfarbe zu Grün.

An mein nicht vorhandenes Pflanzenglück werde ich erinnert, als ich im Supermarkt eine Fläche mit Hunderten von Orchideen sehe. Sie muss gerade erst aufgestellt worden sein, denn die Blumen reihen sich noch dicht an dicht nebeneinander und sehen allesamt aus wie frisch vom Markt. Dieser Edeka hat oft schöne Pflanzen, denn hier im Wohngebiet gibt es weit und breit keinen Floristen. Die Menge und Auswahl an qualitativ hochwertigen Blumen überrascht mich trotzdem.

Pflanzen können wirklich schön sein. Und nicht nur das, sie sind auch gut für die Gesundheit. Erst kürzlich habe ich eine Reportage über die vielen Vorteile von Zimmerpflanzen gesehen: zum Beispiel wirkt Jasmin beruhigend, Rosmarin erhöht die Konzentrationsfähigkeit, mit Lavendel im Raum lässt es sich besser einschlafen und Efeu ist quasi ein grüner Luftreiniger. Das klingt fast, als könnten Pflanzen jedes Homeoffice-Problem lösen. Vielleicht sollte die Regierung nicht nur FFP2-Gutscheine, sondern auch Pflanzen-Coupons verschicken.

Jedenfalls ist die positive Wirkung auf das Wohlbefinden sicher mit ein Grund, warum Zimmerpflanzen so richtig hip geworden sind. In Stadt-Wohnungen junger Leute prägen sie inzwischen einen wachsenden Trend. Und wie das heutzutage so ist, hat der auch längst einen eigenen Hashtag: #urbanjungle – der städtische Dschungel oder auch Großstadt-Dschungel. Und genau das ist Ziel dieses Trends. Da ein eigener Garten für viele Stadtmenschen unerreichbar und selbst ein Balkon echter Luxus ist, man aber trotzdem gerne Zeit in der Natur verbringt und sich von frischem Grün umgeben will, holt man sich den “Dschungel” eben in die eigenen vier Wände. Wer noch nicht davon gehört hat, sollte ruhig mal #urbanjungle bei den gängigen Lifestyle-Plattformen Pinterest oder Instagram eintippen und wird viel Kreativität zu sehen bekommen.

Ein echter Urban Jungle besteht nicht nur aus einer Lieblingspflanze. Je mehr tropische Gewächse, desto intensiver das Dschungelgefühl zu Hause. Vor allem Grünpflanzen sind angesagt. Indoor-Palmen kommen genauso zum Einsatz wie Mini-Kakteen oder tropische Gewächse, dazu wird mit exotischen Vögeln, botanischen Prints und was einem noch so einfällt dekoriert. Es darf so richtig grün und wild sein, wie das Tropenflair im Dschungel eben. Wer weiß, dank Klimawandel gibt es ja vielleicht bald auch die passenden Temperaturen dazu… und zur Not kann man ja die Heizung aufdrehen.

Zurück aus dem gedanklichen Dschungel greife ich im Supermarkt nach einer Orchidee mit kaminroten Blütenblättern mit weißen Tupfen. Ein richtiger Urban-Jungle wird meine Wohnung nicht werden. Aber am grünen Daumen lässt sich arbeiten. Vielleicht werde ich bei nächster Gelegenheit im Gartencenter ein, zwei Grünpflanzen kaufen – für die perfekte Arbeitsumgebung und noch mehr Produktivität im Homeoffice. Und weil dafür auch schöne Dinge wichtig sind, landet die Orchidee im Einkaufswagen.

Bildquelle:

  • Urban_Dschungel: Tom Tailor Home
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