Massive Kritik an Laschets Plänen für den Islamunterricht in Nordrhein-Westfalen

Ditib Moschee in Köln.
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von KLAUS KELLE

DÜSSELDORF – Deutschland hat derzeit viele Probleme, genau genommen schon seit Jahren. Corona und die Folgen werden uns alle noch lange beschäftigen. Wenigstens können unsere Kinder ab kommender Woche wieder jeden Tag in die Schule. Und manche Außengastronomie öffnet endlich wieder. Aber was wird mit all den kleinen Firmen, über denen das Damoklasschwert einer Insolvenz hängt? Was wird aus all den Kurzarbeitern, wenn die Bundestagswahl vorbei ist? So viele Fragen, und dabei ist ein drängendes Problem in den vergangenen Monaten in den Hintergrund gerutscht. Und das ist schlecht, denn die zunehmende Islamisierung unseres Landes ist ein drängendes Problem. Daran erinnerte uns jetzt unfreiwillig NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der im Herbst “da rein” will, ins Bundeskanzleramt.

Nordrhein-Westfalen will den Religionsunterricht für islamische Schüler in die Hand staatlicher Schulen legen, was erst einmal ein richtiger Gedanke ist. Wenn man Hunderttausende Muslime in Deutschland aufnimmt, dann muss man sich auch um sie kümmern und ihnen – das Grundgesetz, Sie erinnern sich! – auch eine vernünftige Religionsausübung ermöglichen. Dazu gehören Moscheen, und dazu gehört Unterricht, und zwar nicht in irgendwelchen Hinterhofräumen, erteilt von zweifelhaften Imamen, sondern wenn Deutschland, dann aber richtig. Vernünftig ausgeblidete Lehrer, die bei Rechtschreibung das Gendern nicht vergessen und zukünftig auch den muslimischen Grundschülern all die Segnungen unserer hedonistischen Gesellschaft nahebringen. Sexuelle Vielfalt im Unterricht für Sechsjährige – da würde ich gern zuschauen, wenn muslimische Eltern dazu bei der Klassenlehrerin mit kurzen Haaren und Doppelnamen vorstellig werden.

Vergangene Woche hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekanntgegeben, dass die Ditib als größte Islam-Organisation künftig Mitglied einer neuen Kommission sein soll, in der insgesamt sechs Islamverbände über den Ausbau und die künftige Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts an den NRW-Schulen mitentscheiden sollen. Und da fangen sie an, die Probleme.

Denn die Ditib untersteht der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Ihre deutsche Zentrale ist Köln. Und dass der türkische Präsident Erdogan nun mittelbar Einfluss auf Lerninhalte in deutschen, in nordrhein-westfälischen Schulen erhält, das findet sogar der Grüne Cem Özdemir “unfassbar”. Der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) in Deutschland, Carsten Linnemann, argumentiert ähnlich: „Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.“ Dass im Schulunterricht demokratische und integrationsfördernde Inhalte vermittelt würden, sei „mit Ditib nicht garantiert“. Und der Islam- und Integrationsexperte Ahmad Mansour (44) übt deutliche Kritik in der BILD an der CDU/FDP-Landesregierung: „Die Politik verkauft die Zusammenarbeit mit Ditib als Dialog. Aber das ist kein Dialog, das ist die staatliche Legitimation für undemokratische Strukturen.“

Wohl wahr. Und all das vor dem Hintergrund der aktuellen Nahost-Konfrontation und damit dem wachsenden Antisemitismus auf unseren Straßen. Als die islamistische Terrororganisation Hamas jüngst israelische Zivilisten mit Raketen bombardierte, twitterte Diyanet: „Der Babymörder Israel muss so schnell wie möglich gestoppt werden.“ Und das ist die Aufsichtsbehörde von Ditib, die demnächst den Unterricht an NRW-Schulen mitgestalten soll?

Die BILD berichtet von einem aktuellem Pressetermin mit dem Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten, auf dem sein Sprecher Fragen zu Ditib nicht zuließ. Bei der Fragerunde habe BILD keine Fragen stellen können. Und eine schriftliche Anfrage der BILD wollte Laschet nicht beantworten. Immer drängender stellt sich also die Frage: Kann dieser Mann wirklich Kanzler?

Bildquelle:

  • Ditib_Moschee_Köln: flickR
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.