Last Man Standing: Laschet wird Bundeskanzler, wie und warum auch immer

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Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt sind also endlich die Beiden übriggeblieben, auf die es nach der Niederlage von Friedrich Merz auf dem CDU-Bundesparteitag sowieso zulief: Armin Laschet und Markus Söder. Beide Ministerpräsidenten, beides unterschiedliche Charaktere, beide wollen unbedingt “da rein”, wie schon Gerhard Schröder beim Rütteln am Zaun zum Kanzleramt bekundete.

Armin Laschet ist ein echtes Phänomen, selbst für CDU-Verhältnisse. Eigentlich hatte er nie eine Chance und setzte sich am Ende dennoch immer durch. Vielleicht liegt es daran, dass viele Parteifreunde und Wähler den Mann aus Aachen einfach unterschätzen. Gegen Röttgen um die Spitzenposition in der NRW-CDU verloren, im Kampf um den Fraktionsvorsitz gegen Laumann verloren, im Landtagswahlkampf gegen Hannelore Kraft lange hinten, beim Rennen um den Parteivorsitz der Bundes-CDU in allen Umfragen Letzter – und immer wurde er es schließlich. Warum sollte es dieses Mal anders sein als so viele Male zuvor?

Sollte Armin Laschet, der ewig Unterschätzte, im September auch noch den Sturm aufs Kanzleramt erfolgreich abschließen, dann wir er Gegenstand vieler Examensarbeiten werden. So wie Angela Merkel, die auch immer unterschätzt wurde und nach ganz oben aufstieg. Bis heute verstehen Historiker nicht, wie diese Frau an die Spitze der rheinisch-katholischen Honoratiorenpartei und dann an die Spitze der Bundesregierung gelangen konnte – für so viele Jahre unangefochten bis heute. Ganz ehrlich: Ich verstehe es auch nicht.

Armin Laschet wäre besser als Angela Merkel, keine Frage. Er ist in der alten CDU sozialisiert, kann Hände schütteln, Omas umarmen, Orden verleihen und Büttenreden halten. Das alles kann er gut, und das reicht im besten Deutschland aller Zeiten, in dem wir gut und gerne leben, wahrscheinlich, um ein beliebter Kanzler zu werden. So traurig ist das alles, denn Armin Laschet ist zwar im Auftreten ganz anders als die Frau aus der Uckermark, inhaltlich aber passt – bis auf kleine Corona-Nickligkeiten mal – kein Blatt Papier zwischen die beiden. Laschet hat den unsäglichen CDU-Modernisierungskurs Merkels vorbehaltlos unterstützt, die fahrlässige Flüchtlingspolitik 1:1 unterstützt, in NRW sogar noch etwas mehr, als er gemusst hätte, wenn wir zum Beispiel die Förderung islamischer Netzwerke im Land betrachten. Gäbe es da nicht den großartigen Innenminister Herbert Reul, ich wüsste keinen Grund, warum man die Regierung Laschet in NRW wiederwählen sollte.

Markus Söder ist auch nicht einfältig, das muss man ihm lassen. Seine vergiftete Demutshaltung gegenüber der weit größeren Schwesterpartei CDU ist ausgesprochen clever. Denen sagt er: Entscheidet Ihr, was Ihr wollt! Ich stehe in allen Umfragen deutlich vor Laschet. Wenn Ihr ihn dennoch wählt, akzeptiere ich das und trete ins Glied zurück. Aber dann ist die wahrscheinliche Niederlage der Union Eure alleinige Verantwortung.

Wie gesagt, ein cleverer Schachzug. Aber der hat einen kleinen aber entscheidenden Fehler: Armin Laschet gewinnt am Ende immer. Keiner weiß, warum eigentlich, aber das scheint ein unumstößliches Gesetz zu sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.