Konservative in der Union organisieren sich deutschlandweit: “Wenn wir Deutschland retten wollen, müssen wir erst die CDU retten”

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel geht am Montag (14.11.2011) in Leipzig auf dem CDU-Parteitag an einem CDU-Logo vorbei. Vom 14.-15.11.2011 findet in Leipzig der 24. Bundesparteitag der CDU statt. Foto: Peter Kneffel dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
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von KLAUS KELLE

Schwetzingen – Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit einem Schritt – so soll es einmal der chinesische Philosoph Konfuzius formuliert haben, was auch auf den gestrigen Tag in Schwetzingen passen könnte. Die Unzufriedenheit in der CDU über den Kurs der Vorsitzenden Angela Merkel ist nicht neu. Nach Jahren der Zufriedenheit in ihrer Partei, nach vielen Wahlerfolgen und damit zusammenhängend vielen Mandaten, nach starken Auftritten als Bundeskanzlerin auf internationalem Parkett begann die Unzufriedenheit schleichend.

“Modern” wolle die CDU nun sein, die große Volkspartei der Mitte, verkündete die Frau aus der Uckermark, bei der selbst heute noch viele in der einst reinisch-katholisch geprägten Union nicht begreifen können, wie sie eines Tages plötzlich die Vorsitzende der Partei war. Der Mantel der Geschichte wehte (wie Helmut Kohl es wohl formuliert hätte) für einen Moment und Merkel griff zu, genauer gesagt stieß zu mit ihrem berühmten Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen, in der sich sich deutlich vom Ziehvater aus Oggersheim absetzte, um dann selbst die Krone zu erringen. Doch die Modernisierung, die unter Merkel eingeleitet wurde, war keine Modernisierung aus eigenen Überzeugungen heraus, aus dem Fundament der christlich-demokratischen Idee, sondern ein erbärmliches Anpassen an den lingsgrünen Zeitgeist.

Die Verstaatlichung der Kindererziehung wurde unter der Merkel-CDU zum neuen Markenzeichen, das selbst die ehemalige SPD-Familienministerin Renate Schmidt in einer ARD-Talkshow lobte, als sie ihre Nachfolgerin Ursula von der Leyen ausdrücklich dafür lobte, dass sie deren Politik sogar intensiviert weitergeführt habe. Öffentliche Papst-Kritik, Atomausstieg, Euro-Rettung, CDU-Bürgermeister, die beim Christopher Street Day mit der Regenbogenfahne vorneweg tanzten – alles war nun möglich in der linksgewendeten CDU. Das Murren an der Basis wurde lauter und lauter. Gut beobachten konnte man das in Baden-Würtenberg vor zwei Jahren, als Eltern zu Tausenden gegen die rot-grünen Pläne zur Frühsexualisierung von Schulkindern in Stuttgart auf die Straße gingen. Christliche Gemeinden waren da unterwegs, Elternverbände, auch Schüler Union, RCDS, Junge Union, Evangelischer Arbeitskreis der CDU (EAK), Christdemokraten für das Leben (CDL).

Und die Landes-CDU, die vor einem harten Wahlkampf stand? Sie hatte keinen Mut, in die Schlacht zu ziehen. Mit bekanntem Ergebnis: als Bettvorleger des grünen Ministerpräsidenten Kretschmann landete man, um ein paar Brosamen am Kabinettstisch einsammeln zu dürfen. Die CDU als Juniorpartner der Grünen… Konrad Adenauer wird sich im Grabe umgedreht haben.

Dann der Höhepunkt: die fahrlässige und ungeordnete Öffnung der deutschen Grenzen im Herbst 2015 für hunderttausende Flüchtlinge aus dem islamischen Kulturkreis – der Tropfen, der das Fass für viele Parteimitglieder und Wähler endgültig zum Überlaufen brachte. Der fehlende Mosaikstein, der die letzten CDUler, die noch durchhalten und die nicht in die Wahlverweigerung geflüchtet oder zur AfD übergelaufen sind, auf die Barrikaden treibt.

Gestern gründete sich in Schwetzingen der «Freiheitlich-konservativen Aufbruchs in der Union (FKA)». 50 Unionsmitglieder, darunter viele Funktionäre aus CDU-Kreisverbänden in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und auch aus der bayerischen CSU wollen organisiert vorgehen, um die “alte CDU” zurück zu gewinnen. Michael Werner Nickel, der schon vor Jahren mit der “Aktion Linkstrend stoppen” von Parteitag zu Parteitag zog und einer sichtlich genervten Parteivorsitzenden lautstark widersprach, war auch gestern in Schwetzingen mit dabei. In den ARD-Tagesthemen sagte er: “Wenn wir Deutschland retten wollen, müssen wir erst einmal die CDU retten…”

 

Bildquelle:

  • CDU-Bundesparteitag: cdu
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