“Klimakatastrophe”: Wie der Staat Krisen für “disruptive gesellschaftliche Veränderungen nutzen” will

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Gastbeitrag von DR. CHRISTIAN STEIDL

Volksmärchen dienten der Erziehung der Kinder. Sie leiteten zu gutem Verhalten an und führten vor Augen, dass die Bösen einer gerechten Strafe zugeführt werden. Auch die Märchen der Regierung bezüglich der angeblich drohenden „menschengemachten Klimakatastrophe“ haben aus der Sicht derer, die an die Gefahr durch das Kohlendioxid glauben, ein edles Ziel. Diese „Narrative“ – wie man die Märchen in der Kommunikationswissenschaft nennt – sehen sie als notwendig und alternativlos an, um das vermeintlich „dumme gemeine Volk“ von der Notwendigkeit von drastischen Einschränkungen zu überzeugen. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass die Narrative nicht mit der Realität übereinstimmen. Das ist ja bei Märchen auch nicht der Fall. Es wird als akzeptabel angesehen, solange die Narrative ihren Zweck erfüllen, die Menschen gefügig zu machen, die Maßnahmen zur Erreichung der „Klimaneutralität“ zu akzeptieren.

Während in jedem modernen Erziehungsseminar, das Eltern angeboten wird, die „Angstpädagogik“ als veraltet und „schlecht für die Entwicklung der Kinder“ dargestellt wird, erfreut sich diese Kommunikationsstrategie im öffentlichen Raum immer größerer Beliebtheit. Als rauskam, dass ein kommunistischer Mao-Anhänger im Bundesinnenministerium an den Covid-19-Horrorszenarien mittextete, führte das nicht zu einem Aufschrei in der Republik und einem Rücktritt des Innenministers. Das Bundesinnenministerium setzte ja auch nur die Erkenntnisse einer Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung mit dem Titel „Prävention durch Angst? Stand der Furchtappellforschung“ um. Diese war zu folgendem Ergebnis gekommen: „Durch Furchtappelle  können  Einstellungsänderungen  erzeugt  werden,  die  sich  in  kognitiven,  affektiven   und   verhaltensbezogenen   Reaktionen   manifestieren.“ Der Hinweis auf Gefahren durch Viren wie HIV oder durch Rauchen und ungesunde Ernährung, kann durchaus sinnvoll sein. Das Erzeugen von Panik ist jedoch auch hier nicht zielführend.

Da der Meeresspiegel nur um kaum messbare Millimeter ansteigt und wir in diesem Winter toll hätten Skifahren können, wenn es keinen Lockdown gegeben hätte, sehen die Menschen nicht ohne weiteres die Notwendigkeit, auf ihr Auto oder ein Eigenheim zu verzichten. Daher erscheint es den Leuten vom Umweltbundesamt als notwendig „Narrative einer erfolgreichen Transformation zu einem ressourcenschonenden und treibhausgasneutralen Deutschland“ zu publizieren und im politischen Diskurs einzusetzen. Die Vorgehensweise ist dabei zweistufig: Zunächst werden Geschehnisse zu Problemen gemacht. Dazu heißt es im Text: „Klimawandel, Digitalisierung, Automatisierungsängste, Pandemien und politische Instabilitäten tragen zu einer weitverbreiteten Wahrnehmung bei, in Krisenzeiten zu leben.“ Das erinnert etwas an die Angst der Textilarbeiter vor Webmaschinen und der Sekretärinnen vor Computern. Das Klima wandelte sich in hunderten von Millionen Jahren immer wieder deutlich. Seit dem Ende der letzten großen Eiszeit vor 10.000 Jahren erfreuen wir uns eines außergewöhnlich stabilen Klimas mit nur kleinen Schwankungen: 1850 endete die letzte „Kleine Eiszeit“ und es wurde wieder etwas wärmer. Allerdings nicht mehr so warm wie zur Zeit Jesu (damals war es um 0,6°C wärmer) und auch nicht mehr so warm wie vor 1000 Jahren (+ 0,3°C gegenüber heute).

Es ist viel kommunikatives Fachwissen nötig, um aus banalen Dingen wie grippeähnlichen Viren oder dem Klimawandel eine Krise zu machen, bei deren Lösung sich dann das Umweltbundesamt und die Bundesregierung als Retter der Menschheit profilieren können. In dem Projektbericht „Narrative einer erfolgreichen Transformation zu einem ressourcenschonenden und treibhausgasneutralen Deutschland“ klingt das „begreifbar machen“ der Utopien des Umweltbundesamtes aus der Zukunft rückblickend beispielweise so: „Grundeinkommen: Um allen Bürger*innen in einer sich tiefgreifend verändernden Gesellschaft eine menschenwürdige Existenz zu sichern, wurde ein Grundeinkommen eingeführt, das über Ressourcensteuern finanziert wird (so genanntes Ökologisches Grundeinkommen – ÖGE).  Dieses ÖGE ermöglichte Sicherheit im ökologischen Umbau und hat dazu geführt, dass der sozialökologische Wandel von breiten Bevölkerungsschichten akzeptiert wurde.“

Das Papier des Umweltbundesamtes widmet einen Absatz der Coronakrise. Die Überschrift dafür lautet „Wildcards – am Beispiel der Corona-Pandemie 2020“. Dazu wird dann ausgeführt: „Unvorhergesehene, aber einschneidende Entwicklungen – wie z. B. die Corona-Pandemie im Jahr 2020 – können gesellschaftliche Veränderungen massiv und disruptiv beeinflussen.“ Dann wechselt die Erzählerperspektive in die Zukunft und berichtet darüber, dass in den Jahren nach der sogenannten Corona-Pandemie die vermeintliche Klimakrise gelöst wurde, weil es gelang, „auch unkonventionelle und bis dato undenkbare Maßnahmen umzusetzen.“  Eine Vielzahl von diesen „bis dato undenkbaren Maßnahmen“ werden aktuell in die Umsetzungsphase gebracht. Von den Reisebeschränkungen „wegen Corona“ bis hin zum Verbot vom Einfamilienhaus.

 

Dieser Artikel stellt den Beginn der Themenreihe „Klimakatastrophe?“ dar.

Bildquelle:

  • Sturmflut_Klima: pixabay
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