Kinderpornos, Mord und eine Amokfahrt: Man möchte verzweifeln an dieser Welt

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Covid-19-Pandemie und Lockdowns beherrschen seit fast eineinhalb Jahren die Nachrichtenlage rund um den Globus, einige glücklichen Enklaven ausgenommen. Alles dreht sich um das Virus, wie man es bekämpft und ob man es überhaupt bekämpfen muss. Und selbst die, die glauben, es gäbe gar keine Pandemie, sondern wir erlebten eine jahresübliche Grippewelle, tragen zum Hype bei.

So könnte man denken, ist doch schön, wenn es in einer Zeitungsredaktion mal ein bisschen Abwechslung gibt. Und wissen Sie was: Nein, es ist nicht schön.

Der gestrige Tag mit den schrecklichen Morden in einem Potsdamer Pflegeheim, der Prozessbeginn gegen den Amokfahrer von Trier, der fünf Menschen tötete und weitere verletzte, weil er sich irgendwie unpässlich fühlte, und dann auch noch Christoph Metzelder. Ein Fußballidol, ein Nationalspieler mit 300 Kinderporno-Dateien auf dem Smartphone. Einige hat er anderen Frauen per Messenger geschickt. Was geht in so einem kranken Hirn vor?

Metzelder hat sich heute vor Gericht entschuldigt, er hat sogar ein bisschen geweint, aber bei mir stellt sich auch danach kein bisschen Mitgefühl oder Verständnis ein. Kleinkinder, die übelst missbraucht werden, bei Männern Oralverkehr ausüben müssen (sagt man das so?), denen man die nackten Beine auseinanderdrückt für widerliche Fotos, an denen sich im Internet irgendwelche kranken Typen aufgeilen.

Oder nehmen Sie den Amokfahrer aus Trier. Er hat ausgesagt, er sei mit seinem Leben nicht zufrieden gewesen: kein fester Wohnsitz, keinen Job, wahrscheinlich nicht mal einen Internetanschluss, um Kinderpornos zu gucken. Na, da muss man doch mal ein paar wildfremde, unschuldige Menschen totfahren, oder? Da ist doch bestimmt die Gesellschaft schuld…

Ich frage mich, wie werden Menschen zu solchen Kreaturen? Wir alle haben doch mal bei Null begonnen. Und es sind ja nicht nur die drei aktuellen Fälle. Die Häusliche Gewalt nimmt zu, Gewalt gegen Kinder nimmt zu, Prügelei auf dem Schulhof war früher auch anders als heute. Aber warum passiert das? Das Fernsehprogramm als gewaltverherrlichendes Medium kann nicht der Grund sein, denn welche jungen Menschen schauen sich den Schrott abends noch an? Außer “Germany’s Top Modell“, aber auch das ist höchstens Gewalt für den Intellekt. Ballerspiele? Vielleicht. Alle US-Kids, die mit einer Pumpgun in die Schule gehen und das Lehrerkollegium und Mitschüler über den Haufen schießen, haben zuvor exzessiv Ballerspiele geguckt. Aber zig Millionen ballern nachts grelle virtuelle Monster um, ohne anschließend real zu töten.

Nein, es läuft grundsätzlich etwas schief in unserem Land und in den zivilisierten Gesellschaften, übrigens nicht nur des Westens. Die Schulen? Versagen bei der Vermittlung von Werten, die ersetzt werden durch ideologisierten Unterricht. Schule schwänzen für das Klima, Kondome auf Holzpenisse ziehen und frühsexuelle “Bildung” schon in der Kita – da sind sie ganz groß, die Herrschaften in Ministerien und Parlamenten, schließlich will man ja modern sein. Aber was ist mit den Sekundärtugenden? Mit Höflichkeit, mit Anstand, mit Hilfsbereitschaft? Wer bringt unseren Kindern sowas Altmodisches noch bei vor lauter Klimaretten? Oder diese “Nächstenliebe”, die uns gefährliche christliche Fundamentalisten lehren wollen, voll Nazi, ey…

Wie bei vielen Themen müssten wir Regierende haben, die unsere Zukungt grundsätzlich noch einmal neu denken. Was ist wichtig? Was erhält unsere Freiheit? Wie kann unser Leben bestmöglich organisiert werden, damit es für möglichst alle lebenswert ist? Doch das interessiert kein Schwein, meine lieben Leser, wirklich niemanden an den Hebeln der Macht. Schließlich ist ja immer irgendwann eine Wahl und wir müssen Koalitionen bilden.

Gestern Abend war ich das erste Mal für einen Corona-Schnelltest in einem Impfzentrum in unserer kleinen Stadt am Niederrhrein. Warteschlangen überall. Als eine freundliche Mitarbeiterin des Malteser Hilfsdienstes in Uniform aus dem Zelt kommt, flippt die Frau vor mir anlasslos völlig aus und brüllt die junge Malteserin unvermittelt an. Was das für ein Drecksladen sei, sie warte schon seit 30 Minuten hier, und die Online-Anmeldung habe auch nicht funktioniert. Wir alle glotzten zu, eigentlich hätten wir uns einmischen sollen, dazwischen gehen, die Furie an den Schultern nehmen und die anschreien, was eigentlich in ihrem Kopf falsch läuft. Aber macht man natürlich nicht, wer mischt sich schon ein, wenn es nicht um akute Gewalt geht? Und da auch immer weniger. Wahrscheinlich hätte ich auch Ärger mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt bekommen, wenn ich einfach eine fremde Frau an den Schultern schüttle.

Mit echt besorgten Grüßen,

Ihr Klaus kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.