von MARTIN D. WIND
BERLIN – Seit jetzt elf Tagen fliegen aus dem GAZA-Streifen inzwischen insgesamt mehr als 4000 Raketen gegen die israelische Zivilbevölkerung. Die israelische Armee bemüht sich recht erfolgreich, die israelische Zivilbevölkerung vor den Raketen zu schützen. Israelischen Raketenabwehrsysteme („Iron Dome“) gelingt es, einen Großteil der Raketen zu zerstören. Aber Israel verteidigt auch „nach vorne“. Das heißt, es sucht die Feinde auf eigenem Territorium auf und bemüht sich, deren Waffenarsenal und Infrastruktur zu zerstören. Unsere Medien berichten.
Berichten unsere Medien – insbesondere die öffentlich-rechtlichen Dickschiffe wie ARD und ZDF – tatsächlich?
Auf den ersten Blick mag das den Anschein haben. Im konkreten Fall wurde unter anderem behauptet, die „Eskalation der Gewalt“ gehe von „Unruhen“ im „arabischen Ostjerusalem“ aus. Israel würde „Palästinenser“ aus Häusern vertreiben, um dort „jüdische Siedler“ einziehen zu lassen. Von diesen im Verbund oder vereinzelt vorgebrachten Aspekten ist so gut wie nichts korrekt.
Ostjerusalem ist nicht „arabisch“. Es war immer schon ein von vielen Ethnien und Religionen bewohntes Gebiet – bis auf die Zeit der jordanischen Besatzung. Damals wurde Ostjerusalem „judenrein“ gemacht. Die arabischen Besatzer vertrieben alle Juden aus dem Stadtteil, ohne Aussicht auf Rückkehr während der arabischen Besatzung. Die Eigentumsrechte der vertriebenen Juden erloschen durch die Besatzung nicht. Nun haben jüdische Hauseigentümer gegen arabische Hausbesetzer einen Rechtstitel vor einem Gericht(sic!) erstritten, der ihnen die Räumung ihres Eigentums ermöglicht – bei fortgesetzter Verweigerung der Mietzahlung.
Überhaupt war die Zeit des sich konstituierenden jungen Staates Israel eine Phase großer Menschenbewegungen. Araber in der Gegend hätten die Möglichkeit einer Staatsgründung gehabt: Man wollte aber „den Juden“ kein Territorium zugestehen, Also lehnte man ab, weil man alles zu bekommen hoffte. Ein Trugschluss, wie die Geschichte lehrt. Am 14 Mai 1948 wurde der Staat Israel formal gegründet, am 15. Mai griffen umliegende arabische Staaten den jungen Staat an und holten sich eine blutige Nase. Im Vorfeld des Waffengangs hatten sich 750.000 Araber aus dem „Kriegsgebiet“ zurückgezogen – teils gingen sie aus Vorsicht, teils wurden sie von ihren Führern dazu aufgefordert oder gezwungen. Aber es gab auch Vertreibung durch reguläre israelische Einheiten und auch Freiwillige.
Immerhin hätten diese „geflohenen“ Araber nach der Niederlage und der Beruhigung der Situation in ihr Eigentum zurückkehren können. Auch das wussten ihre Führer zu verhindern. Den 850.000 Juden, die im Zuge des Bürgerkrieges aus arabischen Territorien vertrieben wurden, haben die Anliegerstaaten Israels keine Rückkehrangebote unterbreitet. Im Gegenteil. Nach diesem ersten Waffengang gegen „die Juden“ und nach den ersten Gebietsverlusten in Gegenden, die eigentlich von den UN den Arabern als Lebensraum angeboten worden waren, den sie aber abgelehnt hatten, stand der israelische Staat auf wackeligen aber eigenen Beinen.
Die Araber, die im Gaza-Streifen und bei den arabischen Nachbarn unterkamen, waren bei ihren „Brüdern“ nicht willkommen. Die Anrainer Israels unternahmen nichts, um die „Flüchtlinge“ zu integrieren. Sie sollten als Rechtfertigung für die Eroberung Israels missbraucht werden. Und so wurde ein Volk erfunden, das es bis zu seiner Ersterwähnung 1964 durch den Terroristenführer Jassir Arafat, schlicht nicht gab und bis heute nicht gibt: die „Palästinenser“.
Die Wortherkunft ist seit jeher mit Besatzungsmacht und mit dem Versuch des Auslöschens jüdischer Identität verbunden: Erstmals von römischen Besatzern genutzt, um jüdischen Namen der Territorien abzulösen, verwendeten auch die britischen Mandatskräfte den Begriff „Palästina“. Umgangssprachlich bezeichnen sich heute die in Gaza, Samarien, Judäa und weltweit verstreut lebenden Araber aus dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet – überwiegend Muslime – als „Palästinenser“. Das soll den Anschein eines territorialen Anspruchs aufrechterhalten und den Terror gegen die Menschen in Israel als „Freiheitskampf“ rechtfertigen.
Bisher hat jeder Versuch der Vertreibung der Juden aus Israel zu – je nach Zählart und Wahrnehmung – acht mehr oder weniger kaum voneinander zu unterscheidenden Waffengängen geführt, die alle mit Niederlagen für die Araber endeten. Obwohl Israel zwischendurch große Geländegewinne machen konnte, hat sich der israelische Staat wieder auf die im UN-Verteilungsplan ursprünglich vorgesehen Bereiche zurückgezogen – bis auf einige strategisch wichtige Positionen wie den Golan oder auch das Westjordanland mit Ostjerusalem.
Wie wenig es inzwischen um einen Ausgleich der Interessen geht, zeigen die derzeitigen Terrorangriffe aus Gaza: Die dort herrschende Hamas – eine vom Iran aufgebaute, finanzierte und geführte muslimische Terrororganisation – missbraucht den verfestigten „Opferstatus“ der „Flüchtlinge“ um ihr eigentliches Ziel brutal zu verfolgen. Wer die Gründungsurkunde der Hamas liest und weiß, welche Vernichtungsphantasien man gegenüber „den Juden“ im iranischen Mullah-Regime hat, dem muss klar sein, was es bedeutet, wenn auch in Deutschland auf den Straßen gebrüllt wird „From the River to the sea, Palestine will be free“ (Vom Fluß – Jordan – bis zum Meer, Palästina wird frei sein).
Wer da immer noch von einem „Konflikt“ spricht und „beide Seiten“ „zur Mäßigung“ aufruft, negiert auf zynische Weise, dass sich die Juden in Israel dagegen wehren, „ins Meer getrieben“ zu werden und dass der Staat Israel „von der Landkarte getilgt“ werden soll.
Angesichts der infamen Perfidie der Terrorakte der Hamas – flächendeckende Beschießung von Zivilisten und Erhaltung einer kriegerische Infrastruktur zwischen zivilen Schutzschilden – handelt Israel weiter erstaunlich restriktiv. Seine gezielt und, trotz aller Fehler, hochpräzise durchgeführten Operationen sind absolut angemessen. Wer die Fehler, die die israelische Armee begeht, schrill beleuchtet und nicht darauf hinweist, dass schon die Fundamente, die gesamte Intention der Hamas, des Islamischen Dschihad, der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ oder auch der aus dem Libanon gegen „die Juden“ agierenden, iranischen Terrororganisation „Hisbollah“, völkerrechts- und kriegsrechtswidrig, ihre Angriffe und ihr Umgang mit den eigenen Zivilisten per se Kriegsverbrechen sind, der wahrt nicht „Äquidistanz“, der ist kein neutraler Berichterstatter, der macht sich zum Verbündeten von Terroristen.
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