Ich hätte da zwei, drei gute Ideen für Ihre ARD, Frau Strobl. Und das ZDF würde ich abschalten!

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Liebe Leserinnen und Leser,

Christine Strobl ist die Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und die Ehefrau vom baden-württembergischen CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl. Und nun ist sie auch noch ARD-Programmchefin, wobei ich nicht denke, dass es da einen kausalen Zusammenhang gibt. Frauen können heute alles aus eigener Kraft schaffen in Deutschland. Die Frage bleibt allerdings: Warum müssen wir Tausende von Gleichstellungsbeauftragtem noch bis zum Sankt Nimmerleinstag beschäftigen, die vollkommen überflüssig sind?

Frau Strobl macht sich jetzt Gedanken über ihre Staatssendeanstalt, und das ist auch gut so. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) beklagt die Volljuristin, die einst den “Tigerentenclub” modernisierte, dass ihre ARD einen massiven Legitimationsdruck erlebe. Gut so! Das möchte ich ihr zurufen, denn mit der Aussage, die Öffentlich-Rechtlichen bräuchten “ein diverseres und vielfältigeres Programm, in dem sich wirklich jede und jeder im Land wiederfinden kann – natürlich mit hoher Relevanz und Qualität” – belegt sie eindrucksvoll, dass sie die eigentlichen Probleme der deutschen Staatssendeanstalten keineswegs erfasst hat. Als sie sagt, der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe nicht nur noch in einer Nische stattfinden, trifft sie dann aber genau den Kern.

Weite Teile des ARD-Programms wie des ZDF-Programms senden nämlich an der Lebenswirklichkeit der Bürger völlig vorbei. War es einst nur die “Lindenstraße” als bunt-grüner Tupfer mit allerlei Minderheitenproblemen, ist heute das ganze Programm politisch eingefärbt bis hin zur Volkserziehung. Der ARD-“Tatort” zum Beispiel, nur noch Sozialkritik, nur noch Rassismus, Homosexualität und Gedöns. Fast jedes Mal. 20 Ermittlerpaare, nur ein Schauspieler mit einem Ehepartner. Der Rest mehr oder weniger kaputte, schrille Typen, die nur wenig mit der realen bürgerlich Welt hier draußen zu tun haben. Frau Strobl war beim “Tigerentenclub”, wie haben meine Frau und ich das damals geliebt samstagsmorgens, wenn die Kleinen quengelig wurden. Tigerentenclub an, eine Stunde Verlängerung – herrlich.

Nein wirklich, eines der zentralen Probleme neben der latenten und nervenden Linkslastigkeit der Laberrunden von Frau Will & Co. – wann war eigentlich zuletzt mal einer von der größten Oppositionspartei in Deutschland da eingeladen? – ist, dass der Programmauftrag von ARD und ZDF immer noch auch Unterhaltung umfasst. Zwangsgebühren für Cindy aus Marzahn und die Millionengehälter 24-jähriger Fußballprofis. Spielshows und Krimis als Staatsaufgabe? Wahnsinn.

Ja, 1946 war das richtig, denn es gab ja nichts anderes im zerstörten Deutschland. Keine anderen Programme, nicht mal Videokassetten, kein Internet, kein Netflix. Ja, da kann, vielleicht muss man in so einer Zeit etwas machen, um die Bevölkerung bei Laune zu halten. Aber heute? Die mediale Welt liegt uns zu Füßen, Entertainment, wohin man schaut. Es gibt alles, wenn man Fremdsprachen versteht, kann man sogar die ganze Welt zu sich in die Bude holen. Und wir müssen mit Zwangsgebühren alle “Notruf Hafenkante” und die grenzdebile Comedy im Autoradio ertragen und auch noch bezahlen? Ich verstehe den Sinn nicht.

Im Grunde ist es mit den Aufsichtsgremien, den Rundfunkräten, ähnlich wie mit dem Deutschen Bundestag. Gremien, die eigentlich dafür da sind, der Legislative (Politik) und den Programmmachern (Medien) auf die finger zu schauen, tun nichts, rühren keinen Finger. Schauen Sie sich unser Parlament im Berlin an – eine Abnickbude für Frau Merkel und Herrn Spahn. Selbst das RKi hat mehr zu sagen, als die, die wir als unsere Vertreter gewählt haben. Aber warum sollten die Mitglieder der Rundfunkräte auch auf ihre schönen Sitzungsgelder und die Häppchen danach auf unsere Kosten verzichten?

Ich könnte noch Stunden mit Beispielen hier füllen, die die ganze Absurdität des Öffentlich-Rechtlichen Systems, die Geldverschwendung, unterirdische Bildschirm-Gestalten wie Böhmermann und Krömer, Gender-Kleber und Kanzleramts-Souffleuse Will deutlich machen, aber wahrscheinlich wissen Sie selbst, dass das so nicht weitergehen darf.

Mein Vorschlag: Ordentlicher Sozialplan, zum 1. Juli 2021 das ZDF ersatzlos abschalten. Die ARD dann deutlich straffen, Zahl der TV-Sender und Radiosender halbieren… nein, sagen wir zu 75 Prozent reduzieren. Ich schwöre, viele von Ihnen würden das gar nicht bemerken. Monatliche GEZ-Gebühr: 2 Euro. Keine Unterhaltung mehr, nur noch Information, Dokus, Minderheitenprogramme, tägliches Auslandsjournal, weil die Welt wächst ja zusammen.

So könnte es beginnen, wenn wir von Reform der ARD reden, werte Frau Strobl.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.