Kühler im Norden
Im Norden bleibt es hingegen etwas kühler. Hier rechnet der DWD mit Temperaturen zwischen 19 und 23 Grad. Gewitter und Sturmböen können aber im ganzen Land auftreten. In der Nacht zu Sonntag können diese im Norden sogar etwas heftiger werden. Der DWD rechnet mit teils kräftigen Schauern oder Gewittern bei bis zu zwölf Grad an der Nordsee. In einigen Großstädten am Rhein sinken die Temperaturen auf bis zu 22 Grad.
Im Südwesten und der Mitte Deutschlands werden am Sonntag Temperaturen zwischen 27 bis 37 Grad erwartet. Im Norden und Nordwesten rechnet der DWD mit Höchstwerten von 17 bis 24 Grad. Gebietsweise kann es hier zu etwas Regen kommen. In der Mitte des Landes sowie im Westen, Südwesten und an den Alpen bleibt es tagsüber sonnig. Abends sollen dann aber kräftige Gewitter aufziehen.
Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr steigen
Doch während viele das sonnige Wochenende im Freibad oder am See verbringen dürften, bereiten die hohen Temperaturen anderen Sorge. Die Hitze gepaart mit einer vielerorts bereits lang anhaltenden Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr steigen. Am Brocken im Oberharz brannte eine Fläche von etwa 6,5 Hektar – das entspricht einer Größe von etwa neun Fußballfeldern. Der Brand war zwar laut Feuerwehr unter Kontrolle, er droht aufgrund der Trockenheit und der hohen Bodentemperaturen aber immer wieder aufzuflackern. Seit Freitag gilt im Landkreis Harz die zweithöchste Waldbrandwarnstufe.
Brandenburg meldet die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände. Es gibt ein Rauch- und Feuerverbot im Wald. Trotzdem: Bereits am Freitagmorgen brannte es in der Gemeinde Märkische Heide. Das Ausmaß des Feuers war noch unklar. Und auch im Kreis Potsdam-Mittelmark brach ein Waldbrand aus. Das Feuer habe sich auf mehr als 20 Hektar ausgebreitet. Eine große Rauchwolke war bis in den Süden Brandenburgs zu sehen. Der Einsatz der Feuerwehrleute könnte schwierig werden, weil es sich auch um Fläche im Kampfmittelverdachtsgebiet handelt. Insgesamt sind seit Beginn der Waldbrandsaison über 200 Feuer registriert worden. Die Saison läuft in Brandenburg von März bis Ende September.
Auch andernorts wurden Waldbrände gemeldet. In Oberfranken brannte es beispielsweise auf eine Waldfläche von etwa 5000 Quadratmetern. Die Polizei vermutet laut Mitteilung vom Freitag, dass Unbekannte ein Lagerfeuer gemacht und dieses nicht ordentlich gelöscht hatten.
In Thüringen und Sachen-Anhalt etwa haben manche Städte und Landkreise ab der kommenden Woche ein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen. In Baden-Württemberg gilt dieses Verbot örtlich schon. Demnach sollen alle nicht ausdrücklich erlaubten Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern wie Seen oder Flüssen als unzulässig erklärt werden. Grund: Die langanhaltende Trockenheit hat die Wasserstände vielerorts ungewöhnlich stark sinken lassen.
Gefahren für ältere Menschen und Kinder
Doch auch auf die eigene Gesundheit sollte man bei diesen hohen Temperaturen achten. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sieht insbesondere für ältere Menschen und Kinder Gefahren. Diese bemerken beispielsweise einen Flüssigkeitsmangel häufig nicht rechtzeitig, erklärte die Ministerin. Bei einer Hitzewelle steige zudem die Gefahr von Herz-Kreislauf-Problemen. Was laut Experten hilft: Viel trinken, direkte Sonne meiden, keine sportlichen Aktivitäten in der größten Hitze.
Der Klima-Vorstand des DWD, Tobias Fuchs, warnte, dass es schon in den nächsten Jahren durchschnittlich bis zu einem Grad wärmer werden könnte in Deutschland als in den vergangenen drei Jahrzehnten. Der Klimawandel werde Deutschland auch in den kommenden Jahren deutlich prägen, so Fuchs. Der Trend zu steigenden Durchschnittstemperaturen zeigt sich laut DWD schon in diesem Sommer. Für alle Regionen Deutschlands wird ein Temperaturplus von bis zu einem Grad im Vergleich zum vieljährigen Durchschnitt von 17,6 Grad des Zeitraums 1991 bis 2020 prognostiziert.
«Leider ein Vorgeschmack auf die Zukunft»
Eine Beobachtung, die sich auch mit den Vorhersagen der Vereinten Nationen deckt. Diese sagen voraus, dass Hitzewellen künftig häufiger so ungewöhnlich früh und intensiv auftreten werden wie in dieser Woche in Europa. «Was wir heute erleben, ist leider ein Vorgeschmack auf die Zukunft», sagte Clare Nullis, die Sprecherin der Weltwetterorganisation (WMO), und verwies auf den Klimawandel. Die extrem hohen Temperaturen, die sich von Nordafrika über Südeuropa ausgebreitet haben und an diesem Wochenende in der Schweiz und Deutschland erwartet werden, sind laut der WMO eher typisch für den Juli oder August.
In manchen Teilen Spaniens und Frankreichs sind die Thermometer dieser Tage mehr als zehn Grad über den Mittelwert für diese Jahreszeit geklettert, wie Nullis berichtete. Spanien, Portugal, Ungarn und Serbien seien von Trockenheit betroffen. Außerhalb Europas seien in den Vereinigten Staaten Mitte dieser Woche für fast ein Drittel der Bevölkerung Hitzewarnungen ausgesprochen worden.
Der astronomische – oder auch kalendarische – Sommerbeginn ist am nächsten Dienstag (21. Juni). Dann erreicht die Sonne ihren nördlichsten Punkt über der Erde und am Mittag ihren höchsten Stand des Jahres.
Bildquelle:
- Hitze in Berlin: dpa