Heimat: Wer dazu gehört und wer nicht

Anzeige

von FELIX HONEKAMP

Wenn einen in den vergangenen Tagen etwas zum Aufschlag des Kopfes auf die Tischplatte hat bringen können, dann die leidige wieder aufgewärmte Diskussion um den Begriff und – vor allem – die Legitimität der Verwendung des Wortes „Heimat“. Leidig ist die Diskussion deshalb, weil die alten Fronten wieder da sind, auch wenn sich manche – vielleicht aus wahltaktischen Gründen – ein wenig versöhnlicher zeigen. Selbst Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wird schließlich mit den Worten zitiert: „Wir lieben dieses Land. Es ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht.“ und „Für diese Heimat werden wir kämpfen!“ Sogleich melden sich aber auch wieder die Bedenkenträger zu Wort: Ist der Begriff der Heimat, gar des Patriotismus, nicht ausgrenzend? Die Grüne Jugend – immer schon ein bisschen soziopathischer als ihre Mutterpartei – fordert, den Begriff durch „Solidarität“ zu ersetzen. Sprachlich – was will man von den Ideologen des Binnen-I auch erwarten – ist das natürlich Unfug, weil Solidarität und Heimat höchstens Berührungspunkte haben, mitnichten aber semantisch vergleichbar sind.

Dahinter steht aber der Wunsch, einen Begriff zu finden, der alles und jedes zu vereinnahmen in der Lage ist. Dazu gehört – in der Tat – „Heimat“ nicht. Denn wer hier in Deutschland – oder in einer seiner wunderbaren Regionen – seine Heimat hat, der hat sie nicht woanders. Und wer seine Heimat irgendwo im Nahen Osten hat, der hat sie nicht hier. Es gibt noch diejenigen, die für sich selbst den Begriff des Weltbürgers reklamieren (meist mit einer gewissen Überheblichkeit über diejenigen, die an ihrer Heimat hängen), aber selbst die sind froh, wenn sie ab und zu dahin zurückkehren können, wo man ihre Sprache, ihren Dialekt, ihre regionalen Eigenarten und Eigenartigkeiten kennt und liebt. Zu Hause sein ist eben doch was anderes als in einem Hotel oder einer Pension am anderen Ende der Welt.

Aber stimmt es denn nicht, dass der Begriff der Heimat, des Patriotismus – verstanden als Heimat- und Vaterlandsliebe – und auch dessen, was man unter dem Begriff Leitkultur versteht, ausgrenzend ist? Doch, das ist er … und das ist auch gut so. Nur so nämlich, kann so etwas wie Willkommenskultur oder auch Integration gelingen. Niemand – jedenfalls niemand der von einer Mehrheit willkommen geheißen wird – kommt aus Afrika oder Asien nach Deutschland um hier die gleichen Verhältnisse zu erleben, wie in seiner eigenen Heimat. Das bedeutet Interessenkonflikte, das bedeutet Reibungspunkte, das bedeutet aber vor allem auch Orientierung für denjenigen, der hier unter fremden Sternen leben will oder muss.

Wer zu mir nach Hause kommt und mein Hausrecht und die Gepflogenheiten meiner Familie nicht respektieren mag, ist nicht willkommen. Wer in meine Heimat kommt mit dem Ziel, sie zu seiner Heimat zu machen, sollte sich entsprechend verhalten. Er muss dafür seine alte Heimat nicht verleugnen, aber das Bemühen, sich zu integrieren in diese neue Welt muss man erwarten können. Und wer das nicht will? Der ist nicht erwünscht und wird – zu Recht – diskriminiert (im politisch geprägten negativen Sinn des Wortes).

Dass ich nicht missverstanden werde: es geht mir sicher nicht um einen ungesunden Kollektivismus des „Wir“ gegen „Die“, aber gesellschaftliches Zusammenleben basiert auf der Einhaltung von Gepflogenheiten, die sich über Jahrhunderte entwickelt und damit den Begriff Heimat erst mit Leben gefüllt haben. Niemand kann gezwungen werden, sich daran zu halten; er kann dann aber auch nicht erwarten, mit offenen Armen empfangen zu werden. Das Problem ist nicht der Begriff der Heimat, sind nicht die Heimatliebenden, das Problem sind die in unserem Land Entwurzelten, denen jedes Verständnis von Heimat und Miteinander abhandengekommen ist. Mit denen ist Heimat nicht zu machen – mit Migranten, die sich nach einer neuen deutschen Heimat sehnen, schon.

Bildquelle:

  • Heimat_2: pixabay
Anzeige

Über den Autor

Klaus Kelle

Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.