Guten Morgen, Deutschland!

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Krönungsmesse – mit diesem Begriff beschreiben gleich mehrere der meinungsführenden Medien in Deutschland heute den beginnenden CDU-Bundesparteitag. 1.001 Delegierte werden Angela Merkel erneut zur Spitzenkandidatur jubeln, denn schließlich geht es auch für die meisten von Ihnen um ihre gut dotierten Jobs. Parteitage werden ja oft als Ausdruck des Willens einer Basis gedeutet. Für den Parteitag einer der großen Parteien, also die Krönungsmesse, gilt das zumindest auf Bundesebene nicht. Gerda Kowalski aus der Ortunion in Wanne-Eickel wird man heute in Essen bei der Christen-Union nicht finden. Dort sitzen in deutlicher Mehrheit Bundestags- und Landtagsabgeordnete, also Profis, die ebenso von ihrem Mandat leben wie die leitenden Angestellten der Partei, die Bezirks- und Kreisgeschäftsführer, ein paar Landesgeschäftsführer von Vereinigungen der CDU, wie Junge Union, CDA und Frauen Union, werden auch dabei sein.

Der Gedanke, in Essen handele es sich um ein Treffen der Basis, ist ein Irrtum. Ein Bundesparteitag – das ist bei Roten, Grünen und Gelben übrigens nicht anders – ist ein Großtreffen von Menschen, die ganz persönlich etwas zu verlieren haben, wenn zum Beispiel die falsche Spitzenkandidatin aufgestellt wird. Oder wenn man mit den falschen Versprechungen in die Kampagne zieht. Angela Merkel ist alternativlos in der CDU. Immerhin etwas Positives, denn die Partei Adenauers und Kohls kann wenigstens noch einen Kanzlerkandidaten – in diesem Fall eine -kandidatin – präsentieren. Einen eigenen Kandidaten für das Schloss Bellevue gab es nicht. Da muss man schon bei Roten und Grünen anfragen, ob vielleicht dort noch irgendwo einer ist, der gern deutsches Staatsoberhaupt werden möchte.

Nun stellen wir also vor unserem Fernsehgerät eine Kanne mit Kaffee bereit, legen die Stoppuhr neben die Tasse, damit wir genau festhalten festhalten können, wie lange die obligatorische Klatsch-Orgie für Kanzlerin und Vorsitzende sein wird und freuen uns besonders darauf, aus welchem Teil der Welt dieses Mal ein überraschender Gast beim Parteitag erscheint, der Frau Merkel für ihre Flüchtlingspolitik danken und ihr einmal kurz die Hand drücken möchte…

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.