“Große Fresse, nichts dahinter” – Was befähigt Böhmermann eigentlich, im Staatsfunk die Welt zu erklären?

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Liebe Leserinnen und Leser,

der Studienabbrecher Jan Böhmermann hat mal “journalistische Erfahrungen” bei einer Bremer Lokalzeitung gemacht. Sein Studium in Köln in Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften brach er ab.

Seitdem erklärt uns der Bremer Entertainer, Satiriker, Podcast-Moderator und “Journalist” (weil das als Berufsbezeichnung nicht geschützt ist – sonst wäre er Redakteur, hätte er eine ordentliche Ausbildung absolviert und beendet) die Welt und das Leben. Der Volksmund nennt Leute wie Jan Böhmermann einen Wichtigtuer oder – derb – einen Klugscheißer. Mich nervt vor allem, dass ich den Low-Performer mit meinen Zwangsgebühren auch noch mitfinanzieren muss. Sie übrigens auch.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Studienabbrecher können wunderbare Menschen sein und auch ohne Diplom etwas Großes Leisten für unsere Gesellschaft. Es gibt viele Beispiele, die das eindrucksvoll belegen. Aber Jan Böhmermann? Ich bitte Sie! Harald Schmidt, den man nun wirklich einen Entertainer nennen darf, sagte einmal über Böhmermann:

„Ich wusste schon früh, dass es Böhmermann als Moderator nie schaffen würde. Aber dass er es als Krawallschachtel sehr weit bringen würde, wusste ich auch.“

Ich glaube, Schmidt wollte mit dieser Aussage nicht seine Hochschätzung von Böhmermann zum Ausdruck bringen. Für mich klingt das eher wie – wieder Volksmund – “Große Fresse, nichts dahinter”.

Bei Markus Lanz hat sich Böhmermann als Krawallschachtel mal wieder wichtig gemacht. Dazu muss man wissen: Für mich ist Lanz derzeit im deutschen Fernsehen der beste Talkshow-Gastgeber, bissig, meistens fair zu seinen Gesprächspartnern, sympathisch sowieso. Aber ich gebe zu, im Vergleich mit Anne Will oder Sandra Maischberger der Beste zu sein, das ist jetzt auch nicht so ein großes Ding.

Also bei einer Podiumsdiskussion der “Zeit” in Hamburg gerieten Böhmermann und Lanz unter freundlicher Moderation von Gastgeber und Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mächtig aneinander. Böhmermann warf Lanz barsch vor, die falschen Gäste zu seinen Sendungen einzuladen. Und falsch, das sind Leute, die anders denken als Böhmermann. Die Wissenschaftler Alexander Kekulé und Hendrik Streeck zum Beispiel. Deren Meinungen seien nämlich – so Böhmermann – “durchtränkt von Menschenfeindlichkeit”. Kekulé sei ein „Hallenser Mikrobiologe, der nichts publiziert hat in diesem Bereich“ und auf einmal aufgetaucht sei.

Nun, Kekulé ist zumindest Arzt, hat an deutschen und internationalen Universitäten studiert, anscheinend MIT Abschlüssen – im Gegensatz zu Böhmermann – ist Epidemiologe, Mediziner und Biochemiker. Sich da eine Breitseite vom Dampfplauderer aus Bremen einfangen zu müssen, ist schon ein Treppenwitz. Lanz widersprach deutlich und erwähnte in dem Zusammenhang Böhmermanns peinliche Posse mit Erdogan vor einigen Jahren. An dieser Stelle aber belanglos.

Das Problem sind nicht die Herren Kekulé und Streeck, sondern dass mit unseren Zwangsgebühren solchen Schwätzern wie Böhmermann, deren einzige Qualifikation zu sein scheint, dass sie schwatzen, eine große Bühne in Deutschland gegeben und ein üppiges Salär bezahlt wird. Warum eigentlich?

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.