Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Glauben Sie mir, die redaktionelle Morgenlage ist immer wieder ein Sammelsurium, sozusagen ein Potpourri an ernsten und grotesken Geschichten. Themen, die es heute Morgen nicht auf unseren Titel geschafft haben, sind zum Beispiel ein Messerangriff in Berlin-Karlshorst. Da hat ein Mann seine Lebensgefährtin und das gemeinsame Kind mit einem Messer angegriffen. Die Frau ist verletzt, der Mann ist in Polizeigewahrsam, über den Zustand des Kindes wissen wir nichts. Wir behalten das im Auge, bis wir wissen, was mit dem Kind ist und ob es ein Motiv gibt.
Friedrich Merz, der CDU-Chef, hatte gestern einen seiner besseren Tage. Ich meine, reden kann der Mann wirklich, und er kann auch Bierzelt. Im bayerischen Gillamoos, wo auch Markus Söder und Hubert Aiwanger beim traditionellen Derblecken konkurrierten stieg der Sauerländer in den Ring. „Nicht Kreuzberg ist Deutschland, Gillamoos ist Deutschland“, rief er unter Jubel in die Menge, und damit hat er ja recht. Aber ich bin inzwischen so konditioniert, dass jedes Mal, wenn ein Unions-Politiker sowas sagt, wo ich aufspringen und jubeln möchte, in meinem Kopf eine Warnlampe anspringt und mich erinnert, dass die Union einen erheblichen Anteil daran hat, dass es so gekommen ist mit Kreuzberg.
Und sonst so?
Helene Fischer soll ein „Bad Girl“ werden, beim FC Bayern streiten sie mal wieder herum und Deutschland wird seit drei Tagen damit dauerberieselt damit, dass Olaf Scholz eine Augenklappe trägt. Wir sind ein glückliches Land ohne ernste Probleme anscheinend.
Nur die Kollegen von t-online lassen sich heute etwas einfallen, um aus dem medialen Einheitsbrei herauszuragen. Was würde passieren, wenn vor dem Reichstag in Berlin eine taktische Atombombe explodiert? Absurd, denken Sie? Naja, russische Politiker und Fernsehclowns in Moskau spielen seit Monaten unverhohlen mit diesem Szenario.
Die Antwort wäre dabei ganz einfach
In Berlin explodiert eine russische Atombombe, der NATO-Bündnisfall wird ausgerufen, am Tag darauf existieren weder die Europäische Union noch die Russische Föderation noch. Armageddon ist Realität geworden, viele Millionen Menschen sind tot, weitere werden ihr Restleben als Krüppel mit schwersten Verbrennungen verbinden, weite Regionen der Welt werden auf 200 Jahre nicht bewohnbar sein.
Aber, hey! Was soll Putin machen? Er muss doch die Nazis bekämpfen und die Sowjetunion aus Ruinen auferstehen lassen. Dafür haben wir echt Verständnis, oder?
Nein, t-online verzichtet auf das große Besteck.
Denn da sind ja noch ein paar Dinge zu bedenken. Hat die Bombe eine Sprengkraft von 0,3 oder 50 Millionen TNT? Explodiert der Sprengkörper in der Luft oder am Boden? Das muss alles berücksichtigt werden.
Die global einflussreichste Verschwörungs-Organisation, Greenpeace, hat ein eigenes „Tool“ namens „Nukemap“ entwickeln lassen. Ich wüsste gern, ob Steuergelder von mir da in die Finanzierung eingeflossen sind.
Also, Greenpeace hat festgestellt: Würde eine kleine Atombombe explodieren, wären 4500 Menschen sofort tot. Gebäude gäbe es im Umkreis von 4,5 Kilometern nicht mehr. Das Brandenburger Tor wäre komplett weg, klar. Das Bundeskanzleramt auch, was manche Historiker im Nachhinein gar nicht so schlecht fänden. Jedenfalls wäre ein Neubau dann begründet.
Im Umkreis von 1,4 Kilometern wären alle Gebäude beschädigt, überall Feuer, der Hauptbahnhof würde brennen, die Humboldt-Uni auch und der Tiergarten wäre eine einzige Feuerhölle. Der Schweizer Verschwörungsexperte Daniele Ganser hätte reichlich Stoff für ein neues Buch und Vorträge. „Eine Atombombe auf den Reichstag – weg“, würde er uns erklären. „Das Kanzleramt daneben – klar, das ist auch weg!“ „Aber warum brennt der Tiergarten? Da ist doch gar keine Bombe explodiert…“
Sie kennen Gansers WTC 7-Erzählungen. Total amüsant der Mann, super Geschäftsmodell. Hollywood muss das unbedingt mal verfilmen, mit ihm selbst als Hauptdarsteller.
Also, fassen wir zusammen
Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, im Umkreis von 3,2 Kilometern wären allen Fensterscheiben geplatzt, dazu 25.000 Tote und 75.000 Verletzte.
Und jetzt wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Klaus Kelle