Geht es Ihnen auch so? Ich habe keine Ahnung, was ich im September wählen kann….

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Die Hälfte des gestrigen Tages hatte ich mein Smartphone am Ohr. Ein bisschen Redaktionelles, ganz viel Politik. Und fast immer ging es um Streit, um Persönliches. Nicht etwa um Inhalte oder eine Strategie, es geht um Posten, Karrieren und auch manchmal üble Nachrede. Bei der CDU gab es monatelang das Tauziehen um den richtigen Spitzenkandidaten. Davor gab es Streit um den Parteivorsitz. Jetzt ist beides – leider furchtbar falsch – entschieden worden, und der Streit wird munter fortgesetzt. CSU gegen CDU, Merz, Blume, Laschet und von Hans Georg Maaßen will ich gar nicht erst anfangen.

Auch die Basisbewegung WerteUnion in CDU und CSU wählt Ende Mai einen Nachfolger für den bisher einzigen Bundesvorsitzenden Alexander Mitsch. Der zieht sich zurück, um irgendwas anderes zu machen. Netzwerk, Basisbewegung, Stiftung – wir schauen gebannt zu. Auch in der WerteUnion, auf die viele der warum auch immer noch verbliebenen Konservativen in der Union große Hoffnungen gesetzt haben, wird munter gestritten. Wenn ich auf dem aktuellen Stand bin, bewerben sich inzwischen fünf Kandidaten und eine Kandidatin um den Chefsessel. Alle beschäftigen sich erstmal mit sich selbst.

Auch die AfD könnte in der Zeit der Corona-Fehlentscheidungen unserer dilettierenden Bundesregierung kräftig absahnen, ist aber vom dauerhaften Streit zwischen bürgerlichen Realos und rechten Fundis gelähmt. Die Kandidatin Joana Cotar, sie zählt zu den Gemäßigten in der Partei, hatte erst jüngst die Hand ausgestreckt und Bundessprecher Tino Chrupalla, der eher zu den…anderen gehört, aufgefordert, doch gemeinsam als Duo anzutreten. Mann und Frau, gemäßigt und eher rechts, Ost und West. Gemeinsam sind wir stark. Für mich als außenstehenden Beobachter ein kluger Gedanke, der aber umgehend brüsk zurückgewiesen wurde. Statt 15 oder mehr Prozent werden es jetzt wohl eher wieder 10 bis 12 werden, was angesichts der einseitigen Berichterstattung des Mainstreams immer noch respektabel ist. Da aber vermutlich auch die nächsten vier Jahre keine andere Partei mit der AfD zusammenarbeiten wird, weil sie es nicht schafft, sich vom unerfreulichen rechten Rand zu befreien, der der Partei jetzt zunehmend die Beobachtung durch den Verfassungsschutz beschert, ist es eh egal ob 12 oder 15.

Bürgerlich ist ja irgendwie auch die FDP noch, eine One-Lindner-Show, die – endlich – in den vergangenen Wochen begonnen hat, sich mal mit dem Corona-Chaos und den Folgen zu beschäftigen. Ob sie aber den Mut hat, sich deutlicher abzugrenzen vom irrationalen Kurs der Union und besonders von den wirklich gefährlichen Grünen, wage ich zu bezweifeln.

Dann sind da noch die Kleinen, oft hoch motiviert, aber in der Regel ohne bundesweit bekannte Führungsfiguren, ohne zündendes Programm und ohne Geld. Für eine Überraschung könnten vielleicht die Freien Wähler sorgen, als Auffangbecken für die vielen Verzweifelten, die eine bürgerliche Alternative suchen. Ganz ehrlich, ich habe noch nicht die geringste Ahnung, wen oder was ich an dem Sonntag im September wählen werde. Ein Strich mit dem Edding über das Angebot auf dem Zettel und ab in die Wahlurne ist letztlich auch nicht zielführend.

Die ökosozialistische Welle, die unser Land zu überfluten droht, die linksgrüne Hegemonie im Kulturbetrieb und in den Medien müssen gestoppt werden. Nicht irgendwann, sondern schnell. Andernfalls, davon bin ich zutiefst überzeugt, werden die Zustände in Deutschland noch schlimmer als sie jetzt sind. Und sie sind schon sehr schlimm.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.