Frankreich will mit Großbritannien UN-Sicherheitszone in Kabul einrichten

dpatopbilder - Ein US-Militärflugzeug startet am internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul, Afghanistan. Foto: Wali Sabawoon/AP/dpa
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PARIS – Frankreich möchte sich mit Großbritannien für die Schaffung einer UN-Sicherheitszone in Kabul einsetzen, um von dort aus Evakuierungen nach dem Abzug der Amerikaner fortsetzen zu können.

Dies sei Ziel einer gemeinsamen Resolution bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen an diesem Montag, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche».

«Unser Resolutionsentwurf zielt darauf ab, eine Sicherheitszone in Kabul zu definieren, die eine Fortsetzung der humanitären Operationen ermöglicht», sagte Macron. «Dies würde einen UN-Rahmen für dringende Maßnahmen schaffen und vor allem alle Beteiligten vor ihre Verantwortung stellen, und der internationalen Gemeinschaft ermöglichen, den Druck auf die Taliban aufrechtzuerhalten.»

«Was wir versuchen ist, gezielte humanitäre Einsätze für Evakuierungen organisieren zu können, die nicht über den Militärflughafen in Kabul abgewickelt werden», sagte Macron der Zeitung. «Es geht darum, diese bedrohten Afghanen zu schützen und sie in den nächsten Tagen oder Wochen aus dem Land zu bringen.» Man werde sehen, ob dies über den zivilen Flughafen von Kabul oder über die Nachbarländer geschehen kann.

Frankreich diskutiert über weitere Evakuierungen

Wie Macron am Samstagabend bereits gesagt hatte, diskutiert Frankreich mit den Taliban und unter Einbeziehung des arabischen Golfemirats Katar über weitere Evakuierungen aus Afghanistan nach dem geplanten Abzug der Amerikaner bis zum 31. August.

Nach der Bundeswehr und anderen westlichen Verbündeten hat auch Großbritannien seine letzten Streitkräfte aus Afghanistan abgezogen. Das britische Verteidigungsministerium teilte über Twitter mit, der letzte Flug mit Soldaten habe Kabul verlassen. Dank gelte all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient hätten, um die am stärksten gefährdeten Zivilisten sicher zu evakuieren.

Der britische Premier Boris Johnson hatte am Freitag den Zeitpunkt des Abzugs westlicher Truppen aus Afghanistan öffentlich bedauert. «Das Timing ist definitiv nicht das, was sich dieses Land ausgesucht hätte.» Johnson hatte sich vor dem G7-Sondergipfel in dieser Woche bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung der westlichen Evakuierungsmission eingesetzt – was dieser jedoch ablehnte.

Bereits am Donnerstag war der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr am Flughafen von Kabul nach elf Tagen zu Ende gegangen. Am Freitag beendeten dann auch Frankreich und Spanien ihre Evakuierungseinsätze. Die USA – vom Truppenkontingent her mit Abstand am stärksten vertreten – wollen ihre Soldaten bis Dienstag aus Afghanistan abziehen und damit ihren vor 20 Jahren begonnen Militäreinsatz am Hindukusch beenden.

Söder für EU-Schutzzone an Kabuler Flughafen

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder spricht sich für eine EU-Schutzzone auf dem Kabuler Flughafen aus, um wieder Evakuierungsflüge durchführen zu können. «Das Ziel für Afghanistan könnte sein, in naher Zukunft auf dem Flughafen in Kabul eine eigene europäische Schutzzone zu etablieren. Wir müssen mit Verhandlungen dazu sofort beginnen, damit wir mit einem eigenen europäisch-militärischen Kontingent die Rückflüge wieder aufnehmen können», sagte der bayerische Ministerpräsident der «Bild am Sonntag».

Europa müsse sich endlich auch militärisch konsequent koordinieren. Hierfür brauche es einen europäischen Sicherheitsrat. «Ohne die Amerikaner sind wir hilflos. Wir reden in Europa von mehr Eigenständigkeit, können aber nicht mal einen Flughafen sichern», so Söder. Daher sei eine neue Strategie für Militäreinsätze nötig: Der Glaube, nur mit Ausbildung und Sanitätsdienst an internationalen Einsätzen teilzunehmen, habe sich als sicherheitspolitischer Trugschluss erwiesen. Um politisch relevant und ernst genommen zu werden, müsse man genauso an robusten Einsätzen teilnehmen. Dazu brauche es auch etwa bewaffnete Drohnen.

Weitere Schutzsuchende ausgeflogen

Mit Unterstützung aus Deutschland sind nach dem Ende der Bundeswehrflüge noch mehr als 300 weitere Schutzbedürftige aus Kabul ausgeflogen worden. Darunter waren nach Angaben aus der Bundesregierung in der Nacht zum Sonntag etwa 140 Deutsche sowie Ortskräfte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes. «Zeit» und «Spiegel» berichteten zudem, dass 189 Schutzbedürftige organisiert von der Rettungsinitiative Luftbrücke Kabul zum Flughafen gebracht und ausgeflogen wurden, darunter auch Mitarbeiter deutscher Medien.

Bildquelle:

  • Evakuierungen aus Kabul: dpa
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