EXKLUSIV-INTERVIEW Olympiasiegerin Claudia Pechstein (49) kandidiert im September für die CDU

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BERLIN – Das ist der Hammer: Claudia Pechstein, Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin mit fünf Olympiasiegen und vier weiteren olympischen Medaillen, kandidiert im September im Wahlkreis Treptow-Köpenick für den Deutschen Bundestag. Der Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) ist es im persönlichen Gespräch gelungen, Pechsteins Interesse für politische Entwicklungen zu wecken. Die 49-jährige gebürtige Ostberlinerin sagte gegenüber Medien, es tue der Politik insgesamt gut, wenn Seiteneinsteiger und auch Frauen eine größere Rolle spielen. TheGermanZ erreichte die sympathische Spitzensportlerin kurz vor der Wahlvertreterversammlung.

Frau Pechstein, Sie sind eine Ausnahmesportlerin in Deutschland und international. Was zieht Sie jetzt in die Politik?

Jeder, der mich ein wenig kennt, weiß, dass ich meine Meinung sage, wenn ich gefragt werde. Und dann auch dazu stehe, wenn es unbequem wird. Das wurde es in meiner langen Karriere als Spitzensportlerin häufiger mal. Denn niemand sollte glauben, dass wir in Deutschland optimale Bedingungen vorfinden. Das gilt im Spitzensport genauso wenig wie in vielen anderen Bereichen. Als Außenstehender kann man zwar kritisieren, aber nichts verändern. Jetzt bietet sich mir die Möglichkeit, mitzugestalten. Diese Chance möchte ich nutzen.

Aber warum gerade die CDU, die sich in einer schwierigen Situation befindet?

Sie kennen den alten Spruch: Leistung muss sich wieder lohnen. Ich weiß, dass dieser Leitsatz in der CDU Tradition hat. Deshalb habe ich bereits früh nach der Wende mit der Union sympathisiert. Dieser Satz ist ein gutes Leitmotiv. Nicht nur im Sport, nicht nur für mich. Dieser Satz sollte für alle Bereiche in unserer Gesellschaft gelten. Von daher habe ich in den 2000er-Jahren der CDU gerne als Wahlfrau bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2004 geholfen und sie auch später im Bundestagswahlkampf unterstützt. Die Union ist die letzte große Volkspartei, die aus der Mitte der Gesellschaft heraus agiert. Sie ist die Partei, der ich auch das Schicksal meiner Heimatstadt anvertrauen möchte. Sie hat starke Persönlichkeiten im Bund, im Land und im Bezirk. Wenn man mitgestalten möchte, ist man hier am besten aufgehoben.

Aber deshalb gleich für den Bundestag kandidieren?

Selbst aktiv zu sein, sich einzubringen, hat mein bisheriges Leben bestimmt. Daran soll sich auch nach meiner Karriere als Leistungssportlerin nichts ändern. Ich habe gelernt, Chancen, die sich bieten, zu nutzen. Und das Angebot der CDU, mich politisch aktiv zu engagieren, sehe ich als eine solche Chance. Von außen zuzuschauen und darüber zu meckern, was einem nicht gefällt, ist einfach. Es selber zu versuchen und möglichst auch noch besser zu machen, ist ungleich schwieriger. Auch hier gibt es Parallelen zwischen dem Sport und der Politik. Man muss fleißig sein, beharrlich und auch ehrgeizig, wenn man seine Ziele erreichen möchte. Ich glaube, dass ich mit diesen Tugenden für viele Menschen ein gutes Vorbild sein kann.

Was konkret wollen Sie politisch bewegen und verändern?

In erster Linie geht es mir darum, dass sich wieder mehr Leute für Politik interessieren und begeistern. Ich bin kein Politprofi und werde es so schnell auch nicht werden. Aber wenn ich mich engagiere und mitrede, werden hoffentlich einige sagen: Hey, wenn die Claudia jetzt mit dabei ist, dann wird’s auch für mich wieder interessanter. Natürlich werden auch einige die Nase darüber rümpfen, dass ich für die CDU kandidiere. Aber es ist nicht entscheidend, es allen recht zu machen. Das war es mir noch nie.

Wichtig ist, dass man vor den Problemen im Leben nicht zurückschreckt. Krisen, auch persönliche, sind dazu da, dass man sich ihnen stellt und Lösungen findet. Wer wie ich, nach der Unrechtssperre 2009, ganz unten war und sich aus diesem Loch wieder herausgekämpft hat, den kann so schnell nichts mehr erschüttern. Gerade in der heutigen Zeit haben viele Menschen um uns herum existenzielle Probleme. Darauf das Augenmerk zu lenken und für Verbesserungen zu sorgen, sollte uns zum Beispiel 100 Mal wichtiger sein, als darüber nachzudenken, wo wir das nächste Gendersternchen setzen, ob ein Konzert noch deutscher Liederabend heißen darf oder ob es uns noch erlaubt ist, Indianerhäuptling zu sagen. In der Politik wieder die richtigen Prioritäten zu schaffen, daran möchte ich mitwirken. Ich glaube, dass es nur gut sein kann, wenn jemand von außen dazustößt, den viele Menschen kennen und der hilft, den Blickwinkel im Sinne der Wähler zu erweitern.

Wie ist das mit ihrer Olympiavorbereitung vereinbar?

Eine große Herausforderung – aber ich kandidiere ja, um bis 2025 für die CDU im Bundestag zu arbeiten. Mindestens. Die Olympischen Spiele sind im Februar 2022 vorbei. Zwei Tage nach meinem 50. Geburtstag. Im Spitzensport ist man damit ein Methusalem. In der Politik in einem ein Alter, in dem man so richtig duchstarten kann. Genau das habe ich vor. Dann wäre ich weltweit die erste Frau, die zum achten Mal an Olympischen Winterspielen teilgenommen hat. Der optimale Zeitpunkt, um die Eisschnelllaufkarriere zu beenden und sich andere Ziele zu setzen. Um dies für die CDU im Bundestag machen zu können, muss ich aber erst einmal dorthin kommen. Dass ich auf diesem Weg eher Außenseiterin bin, ist mir bewusst. Eine Ausgangssituation, die nicht neu für mich ist. Nicht selten habe ich das entscheidende Rennen dann trotzdem gewonnen. Es sollte sich also niemand wundern, wenn ich alles daran setzen werde, den Wahlkampf samt meiner politischen Ambitionen bestmöglich mit meiner Olympiavorbereitung zu kombinieren.

Das Gespräch führte Klaus Kelle.

Bildquelle:

  • Claudia Pechstein_CDU: powerplay / uwe hauth
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.