Englischsprachige Titel sind in Deutschland nicht neu – aber warum bloß Dschörmänz?

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von THOMAS PAULWITZ

„The GermanZ“ – ein englischer Name für ein deutsche Tageszeitung? Muss das denn sein? „Kein Fremdwort für das, was deutsch gut ausgedrückt werden kann.“ Das ist eine alte Regel der Sprachschützer (jedweden Geschlechts), die um den Wert einer verständlichen und identitätsstiftenden Sprache wissen.

Nun, man versteht wohl, was der Name „The GermanZ“ bedeuten soll. Aber ist er auch identitätsstiftend? Und ist es nicht absurd, ausgerechnet unter einem anglisierten Titel eine sprachkritische Kolumne zu plazieren und für gutes Deutsch einzutreten? Absurd ist es nicht, aber zumindest herausfordernd.

Keine modische Eintagsfliege

Deutschsprachige Magazine mit englischen Titeln sind keine neue Erscheinung. „Eltern family“, „Fit For Fun“, „Men’s Health“ oder „Tomorrow“ heißen Schriften, die häufig in den 1990er Jahren begründet und zum Teil schon wieder eingestellt worden sind. Sie trieben Scharen von Sprachschützern auf die Barrikaden.

Als „Lifestyle“-Magazine sollten sie ein bestimmtes, modernes, überwiegend amerikanisch geprägtes Lebensgefühl vermitteln und dadurch auch mithelfen, entsprechende Produkte zu vermarkten. Doch in diese Liste paßt „The GermanZ“ nicht, denn hier geht es nicht um modische Erscheinungen von kurzer Dauer, sondern um ernsthaften Journalismus.

Keine niederen Beweggründe

Es gibt mannigfache Beweggründe, Anglizismen zu verwenden. (Hoppla, „mannigfach“: Erlauben die Frauenbeauftragten dieses Wort noch?) Sprachschützer bemängeln, daß Denglisch oft dort zu finden ist, wo es darum geht, zu prahlen, etwas aufzubauschen oder gar die eigentliche Absicht zu verschleiern; dass es oft von denen benutzt wird, die sich anbiedern wollen oder die sich der Muttersprache schämen oder die einfach nur zu dumm oder zu bequem sind, bereits vorhandene deutsche Entsprechungen zu verwenden.

Manche Zeitgenossen unterwerfen sich einer vermeintlich überlegenen Sprache und Kultur, weil sie das Eigene als minderwertig erachten. All diese niederen Beweggründe treffen auf die Macher von „The GermanZ“ nicht zu, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Warum dann dieser Anglizismus?

Historisches Zitat und Zorro-Z

Die Antwort lautet: Es ist ein Stilmittel. Mag sein, daß der Namensgeber an den berühmten Ausruf „The Germans to the front!“ gedacht hat. Er stammt von dem britischen Admiral Sir Edward Hobart Seymour. Damals, im Jahr 1900, übernahm Deutschland als Teil einer internationalen Streitmacht Verantwortung, um im Boxeraufstand ausländische Diplomaten aus Peking befreien zu helfen. Deutschland als gleichberechtigtes Land im Konzert der Mächte, dafür könnte „The GermanZ“ durchaus stehen.

Dass es jedoch um mehr als nur um eine historische Anspielung geht, zeigt das große „Z“ am Ende. Manche sehen darin ein Zorro-Z. Damit wären wir bei der spanischen Sprache. „Zorro“ bedeutet „Fuchs“, könnte somit als Symbol für Faktenfüchse stehen, die dieser Bezeichnung auch wirklich gerecht werden. Am bekanntesten freilich ist Zorro als Name des Freiheitshelden, der seine Maske nicht über dem Mund, sondern über den Augen trug, um mit Mantel und Degen für Gerechtigkeit zu kämpfen. Freiheit, das wird sicher ein Kernthema von „The GermanZ“ sein, passt also.

Selbstironie als Stilmittel

Das „Z“ kann natürlich auch für einen deutschen Akzent stehen. Viele Deutsche möchten gern Englisch sprechen wie ein waschechter Ami oder Brite, scheitern aber deutlich vernehmbar an der Aussprache. Man kann sich gut vorstellen, wie Günther Oettinger „ße Dschörmänz“ artikuliert.

So ist „The GermanZ“ wohl auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen, als Ausdruck der Selbstironie. Man übernimmt eine Fremdbezeichnung und wendet sie kreativ ins Positive um. Auf diese Weise kann sie sogar identitätsstiftend wirken. Entsprechend wären auch Titel wie „The KrautZ“ oder „The PotatoeZ“ möglich gewesen. Freilich muss man sich dabei nicht auf die englische Sprache beschränken. Ein Magazin mit dem Titel „De AlmanZ“ würde wohl eine bestimmte zugewanderte Zielgruppe besonders gut ansprechen.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht …“

Die Selbstironie bietet die Gelegenheit, Dinge mit Abstand zu betrachten und zu beurteilen. Heinrich Heine hatte aus dem französischen Exil heraus einen um so klareren Blick auf die Mißstände im Vaterland. „Denk ich an Deutschland in der Nacht …“ Heimatlos gewordene Konservative werden dieses Gefühl kennen.

Also: Ein Freund der deutschen Sprache kann grundsätzlich nicht glücklich darüber sein, wenn sich ein deutschsprachiges Medium einen englisch klingenden Titel gibt. Doch ist die Selbstironie als Stilmittel anzuerkennen, und letztlich sind es die Inhalte, die zählen. Solange es daher Platz für Sprachkritik gibt, solange ist ein selbstironischer Name wie „The GermanZ“ auszuhalten.

Bildquelle:

  • Z-Logo: thegermanz
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