Emeritierter Papst Benedikt XVI.: Mitarbeiter katholischer Einrichtungen tragen der Auftrag der Kirche nicht mehr mit

ARCHIV - Der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Juni vergangenen Jahres. Foto: Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa

MÜNCHEN/FREIBURG – Als Joseph Ratzinger 2013 seinen Rücktritt verkündete, da versprach er, künftig «vor der Welt verborgen» zu leben. Immer, wenn er sich seither öffentlich äußert, befürchten Kritiker deshalb, er halte sich nicht an dieses Versprechen.

So auch nun nach Bekanntwerden eines Interviews, das der emeritierte Papst Benedikt XVI. der in Freiburg erscheinenden «Herder Korrespondenz» gegeben hat. In erster Linie spricht er in dem schriftlich geführten Interview zwar über seine Zeit als Seelsorger in einer Münchner Pfarrgemeinde – am Rande aber lässt er bemerkenswerte und durchaus politische Äußerungen fallen.

Denn mit den Amtsträgern der katholischen Kirche in Deutschland geht er einigermaßen hart ins Gericht. «Solange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten», schreibt er in Antworten auf Fragen der «Herder Korrespondenz». Er erwarte «ein wirkliches persönliches Glaubenszeugnis von den Sprechern der Kirche».

Benedikt kritisiert: «In den kirchlichen Einrichtungen – Krankenhäusern, Schulen, Caritas – wirken viele Personen an entscheidenden Stellen mit, die den inneren Auftrag der Kirche nicht mittragen und damit das Zeugnis dieser Einrichtung vielfach verdunkeln.»

Amtliche Texte der Kirche in Deutschland würden weitgehend von Leuten geschrieben, «für die der Glaube nur amtlich ist», schreibt der frühere Kardinal Joseph Ratzinger. «In diesem Sinn muss ich zugeben, dass für einen Großteil kirchenamtlicher Texte in Deutschland in der Tat das Wort Amtskirche zutrifft.»

Distanz zu Wortwahl in «Freiburger Rede»

In dem Zusammenhang korrigierte er sich ein Stück weit auch von der Wortwahl seiner berühmten «Freiburger Rede», in der er eine «Entweltlichung» der katholischen Kirche gefordert hatte. «Ob das Wort «Entweltlichung», das aus dem von Heidegger gebildeten Wortschatz stammt, in Freiburg als abschließendes Stichwort von mir klug gewählt war, weiß ich nicht», schreibt er.

In der Rede zum Abschluss seines Deutschland-Besuchs 2011 hatte Benedikt die «zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben» festgestellt. Die Kirche müsse darum «immer wieder auf Distanz zu ihrer Umwelt gehen, sie hat sich gewissermaßen zu «ent-weltlichen»». Und: «Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Weltlichkeit der Welt lösen», sagte er damals.

Bildquelle:

  • Papst Benedikt XVI.: dpa

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