Dieses Portal hat alle Chancen, aber wenn wir uns auf krumme Deals einlassen, verlieren wir

Anzeige

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dieser Montag war ein wirklich intensiver, ungewöhnlich nachrichtenstarker, Tag für uns. Corona und Lockdown würden eine Schlagzeile sein, das war schon vorgestern klar. Und dass wir die Meldung vom Tod der CDU-Politikerin Karin Strenz nicht einfach so abhaken, ohne an dem Thema dranzubleiben, war uns auch in der Nacht davor schon klar. Dass aber die Recherche über die Aserbaidschan-Connection zu einem wahren BakuGate werden würde, das wussten wir gestern Mittag noch nicht. Und auch jetzt ist das Thema Aserbaidschan für diese Zeitung noch lange nicht zu Ende erzählt.

Ich möchte Ihnen von einem Gespräch mit einem unserer Redakteure gestern erzählen, der den Auftrag hatte, mit einem Berliner Politiker ein Interview für uns zu führen. Der Politiker dachte darüber nach und lehnte dann freundlich aber bestimmt ab. Er habe nichts gegen unser neues Portal und – erfreulicher Weise – auch nicht gegen mich als den Blattmacher, aber er nahm Anstoß an einem unserer Autoren. An wem und warum, das spielt hier keine Rolle, doch aus der kurzen Mitteilung meines Kollegen entwickelte sich ein intensives Gespräch zwischen uns über das, was TheGermanZ ist, was wir sein und auch bleiben wollen.

Wenn ein Politiker seine Bereitschaft für ein Interview davon abhängig macht, wer bei uns schreibt, und wir gingen darauf ein, dann können wir sofort aufhören.

Wenn ein Unternehmen Anzeigenaufträge davon abhängig macht, dass wir über seine Produkte euohorisch schreiben, dann können wir sofort aufhören.

Wenn wir unsere Themen morgens danach auswählen, ob wir damit aber bloß niemandem vor den Kopf stoßen, dann können wir aufhören.

Ja, dann müssen wir sogar aufhören.

Wir entscheiden Tag für Tag, was für uns die relevanten Themen sein werden. Unsere Themen. Jeder unserer inzwichen fast 20 Autoren kann jederzeit mit seinen oder ihren eigenen Themen und Ideen zum Erfolg dieser Zeitung beitragen. Jeder darf widersprechen, ja, ich will, dass jeder selbst denkt und auch widerspricht und nicht darauf schaut, was unsere die Firmenpolitik ist.

Gute Themen, engagierte Schreiberlinge, gute Laune, auch wenn die Zeiten nicht schön sind – entweder so oder gar nicht.

Klingt ein bisschen irre, oder?  Denn schließlich müssen auch die Rechnungen und Löhne bezahlt werden. Ist es heute noch möglich, in Deutschland ein tagesaktuelles Medium ohne “Kampfauftrag” zum Erfolg beim geneigten Publikum und gleichzeitig ökonomisch tragfähig zu machen? Einfach abzuheben und in der Luft bleiben? Wir versuchen es, alle zusammen. Gemeinsam mit Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, haben wir eine Chance.

Und die möchte ich nutzen. TheGermanZ ist definitiv mein letztes eigenes Medienprojekt, so oder so. Und zu Verlieren ist keine Option.

Ich wünsche Ihnen einen großartigen Tag – trotz Lockdown! Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Klaus Kelle

Anzeige

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.