Die Vöglein zwitschern, dass das Adenauer-Haus keinen Wahlkampf mit Friedrich Merz plant

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Liebe Leserinnen und Leser,

haben wir in Deutschland wirklich so ein erbärmliches politisches Spitzenpersonal? Oder hat sich einfach nur unsere Wahrnehmung verändert? Liegt es an den Medien, am Framing?

Das ist eine sehr interessante Frage, finde ich. Wenn man etwa sieht, dass die Mitglieder (!) der traditionsreichen Arbeiterpartei SPD mit herausragenden Persönlichkeiten wie Kurt Schumacher, Erich Ollenhauser und Friedensnobelpreisträger und Bundeskanzler Willy Brand, mit den Kanzlern Helmut Schmidt und Gerhard Schröder allen Ernstes der Meinung sind, dass Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken ihre Besten sind, die den runtergewirtschafteten Laden wieder an die Spitze bringen, kann man nur noch den Kopf schütteln. Oder schauen Sie sich die CDU an, die allen Ernstes den Mann, der in allen Umfragen bei Parteivolk und Volk-Volk abgeschlagener Letzter war, erst zum Parteivorsitzenden und dann zum Kanzlerkandidaten wählten, einfach weil sie ihren persönlichen Status Quo nicht verändern wollten und sich sogar wieder für Politik interessieren müssten.

Annalana Baerbock soll Bundeskanzlerin werden. Wirklich? Unsere Nummer 1 im Kräftemessen mit den Großen der Welt. Die “vergisst”, Einkünfte vorschriftsmäßig anzumelden? Deren Talkshow-Auftritte bisweilen Mitleid erregen? Mit Putin, Biden und Xi auf Augenhöhe? Ich denke, deren Protokollabteilungen lachen sich kaputt, wenn sie solche Staatsbesuche vorbereiten müssen. Wird sich die Frau Bundeskanzlerin vor dem Treffen neu entscheiden, ob sie heute Mann oder Frau sein möchte, bevor sie die Ehrenformation abschreitet….?

Nein, wirklich irre, wen wir jetzt schon in die große weite Welt rausschicken, um den anderen Staaten mal zu erklären, wie sie es richtig machen müssen. Von Heiko Maas lernen, heißt siegen lernen.

Ganz ehrlich, es liegt mir fern, pauschales Politiker-Bashing zu betreiben. Dazu kenne ich zu viele Abgeordnete, die wirklich fleißige und anständige Leute sind – im Bundestag und in den Landtagen. Und die einen Knochenjob machen, um uns Bürger zu vertreten. Die gibt es wirklich, ich schwöre es. Aber was ist das bloß für ein Personal an der Spitze? Die große Verantwortung für ein großes Land. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Olaf Scholz als Kanzlerkandidat mit 15 Prozent. Ich warte jeden Tag, dass Kurt Felix mit einem Kameramann um die Ecke kommt und auflöst, dass es nur ein Fernsehgag war.

Nun also Armin Laschet, der immer noch die große Chance hat, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden, wenn er vorher im Düsseldorfer Landtag noch erklären kann, warum eigentlich unter seiner Regierung die “Stabsstelle Umweltkriminalität” aufgelöst wurde. Da ist richtig Musik drin, aber das führt hier jetzt zu weit. Ich verspreche Ihnen, auf das Thema kommen wir in Kürze noch zurück.

Also Armin Laschet und seine Kanzlerkandidatur. Im Grunde wäre es ganz einfach. Er müsste nur zwei, drei kluge Schachzüge machen, und schon wären er und die Union wieder deutlich vorn. Friedrich Merz als Schatten-Wirtschaftsminister und Hans Georg Maaßen als Schatten-Innenminister – die CDU wäre sofort wieder auf 35 Prozent in den Umfragen – trotz Laschet. Aber er macht es nicht, weil er Angst hat, dass jeder dann sehen könnte, dass da zwei richtig Gute neben ihm sitzen. Und wer riskiert das schon, wenn er selbst nicht so gut ist?

Friedrich Merz sei mit in seinem Team, das hat Laschet schon mehrfach parteiöffentlich verkündet und dabei treuherzig geguckt. Aber die Wahrheit ist, dass man im Konrad-Adenauer-Haus gerade dabei ist, die Listen für die Rednereinsätze zur Bundestagswahl zusammenzustellen. Und wir mir ein kleiner Vogel ins Ohr zwitscherte, sind bisher keine offiziellen Rednereinsätze von Merz von der Bundespartei vorgesehen. Keine. Nicht ein einziger.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.