Die Tradition wird sich zu wehren wissen: Papst Franziskus hat seiner Kirche einen schlechten Dienst erwiesen

von PETER WINNEMÖLLER

ROM – Ein jüngst in Rom erschienenes Motu proprio (Schreiben aus eigenem Antrieb) mit dem Namen „Traditiones custodes“ von Papst Franziskus soll die Feier der Heiligen Messe nach den liturgischen Büchern von 1962 erheblich erschweren. Papst Benedikt XVI. hatte in seinem Motu proprio „Summorum pontificum“ die alte Form der Heiligen Messe als außerordentliche Form fast vollständig freigegeben. Diese Freigabe macht der Nachfolger nun rückgängig. Unter dem Vorwand, die Zulassung habe vor Ort zu Spaltungen geführt, wird es künftig den Bischöfen überlassen bleiben zu entscheiden, wo die Messe in der überlieferten Form noch gefeiert werden darf und wo nicht.

Neue Gruppen, die die Alte Messe, wie diese Form oft genannt wird, feiern möchten, sollen nicht mehr zugelassen werden. Priester die nach Erscheinen des Motu proprio „Traditiones custodes“ geweiht werden, dürfen die Alte Messe nur nach Sondergenehmigung feiern. Wachstum der überlieferten Form der römischen Liturgie wird von Rom ausgeschlossen.

Der Papst hat damit allen mit der alten und ehrwürdigen liturgischen Tradition verbundenen Katholiken einen ganz schlechten Dienst erwiesen. Der Vorwand, in diesen Gruppen werde das II- Vatikanische Konzil abgelehnt, der ebenfalls als Begründung angeführt wird, trifft nur in wenigen Ausnahmen zu. Vermehrt dürfte man in diesen Gruppen eine Hermeneutik der Kontinuität der kirchlichen Tradition antreffen. Allen Unkenrufen zum Trotz hat das II. Vatikanische Konzil weder Latein abgeschafft, die Liturgie reformiert oder den sogenannten Volksaltar eingeführt. Wer es nicht glaubt, sollte die Konzilskonstitution „Über die Heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium“ lesen. Vorsicht! Vorurteile über „Das Konzil“ könnten zerschellen.

Der Novus Ordo Missae, der zum 1. Advent 1969 eingeführt wurde, war das Ergebnis der Arbeit einer Kommission unter Erzbischof Bugnini. Von Anfang an stand diese Form der Liturgie zu Recht in der Kritik. Allen Unkenrufen zum Trotz kann man nach diesen liturgischen Büchern, die in latienischer Sprache als Editio typica vorliegen, die Liturgie gültig und würdig feiern.

Nichtsdestotrotz ist es diese Liturgie, die häufig bis zur Unkenntlichkeit entstellt und abgewandelt wird, so dass ihre Gestalt, in der sie dem Gläubigen entgegen tritt, weder etwas mit der Glaubens- und Lehrtradition der Kirche zu tun hat, noch in irgendeiner Weise mit dem zweiten Vatikanum begründet werden könnte. Zu viel optionale Teile und zu viel Unschärfen in den Rubriken (Regeln, nach denen die Liturgie zu feiern ist) kennzeichnen diese Liturgie. Es ist bezeichnend, dass eine Liturgie von 1969 schon seit 2002 in einer dritten Editio typica vorliegt, weil immer wieder Fehler ausgemerzt werden mussten.

Mit „Summorum pontificum“ hatte Papst Benedikt XVI. die alte Form aus der Schmuddelecke und aus der angenommenen Illegalität geholt, indem er festgestellt hatte, dass diese Form nie verboten war. Diese Feststellung kann auch Franziskus nicht widerrufen, obwohl er in Artikel 8 von „Traditiones custodes“ alle früheren „Vorschriften, Anweisungen, Zugeständnisse und Gepflogenheiten, die nicht den Bestimmungen dieses Motu Proprio“ entsprechen, aufhebt. Die völlige Freigabe der traditionellen Form der römisch-katholischen Liturgie, wie sie Papst Benedikt XVI. vorgenommen hatte, ist damit Geschichte. Geschichte ist auch der von Benedikt ins Werk gesetzte Akt der Versöhnung zwischen der liturgischen Tradition und dem kirchlichen Alltag.

Es war still geworden auf den liturgischen Kriegsschauplätzen dieser Kirche. Allerdings gab es ein schweigendes Wachstum der altrituellen Gemeinschaften. Während die Pfarreien – beschleunigt durch Versagen der Kirche in der Coronakrise – vor sich hin sterben, zeigt sich bei der Tradition Zuwachs. Dabei ist es gleich, ob es sich um Messorte handelt, an denen Priester aus altrituellen Gemeinschaften zelebrieren oder ob es sich um Messorte handelt, an denen Diözesanpriester in der alten Form die Liturgie zelebrieren: Allen diesen Orten war eines gemeinsam: ein moderates aber stetiges Wachstum.

Die geistlichen Früchte von „Summorum pontificum“ waren nicht Streit und Spaltung, sondern Ruhe und Frieden. Dieser ist jetzt gestört.

Durch diesen Akt von Franziskus wurde die Piusbruderschaft, die sich nach wie vor in einer irregulären kirchlichen Situation befindet, so sehr gestärkt, wie dies nie zuvor von Rom aus geschehen ist. Mit Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe und der Erteilung der Beichterlaubnis für die Priester der Bruderschaft, gibt es keinen Grund zur Annahme mehr, die Priester der Piusbruderschaft seien suspendiert. Nicht zuletzt deshalb dürfte nach diesem Akt des amtierenden Papstes spätestens in Folge der ersten Repressalien von Seiten einzelner Bischöfe gegen die Tradition, die Hemmungen zur Piusbruderschaft zu gehen wie Butter an der Sonne schmelzen. Demgegenüber ist festzustellen, dass Priestern in den Diözesen Repressalien drohen, weil sie altrituell zelebrieren, während anderswo Priester völlig unbehelligt zur Interkommunion aufrufen können.

Bildquelle:

  • Tridentinische_Messe: diözese speyer

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