von THOMAS PAULWITZ
BERLIN – „Brigitte“ hat es als aufgedeckt: Friedrich Merz ist eine Frau! Das Geheimnis, das bislang niemand kannte und keiner ahnte, lässt die Frauenzeitschrift jetzt platzen: „CDU-Politikerin Friedrich Merz“, schreibt Brigitte-Kolumnistin Susanne Schumann am 16. Mai, sehe keinen Bedarf zu gendern.
„CDU-Politikerin“ ist mitnichten ein Schreibfehler. Frau Schumann verwendet die Bezeichnung gleich mehrmals, und am Ende klärt sie ihre Leserinnen auf: „Wenn ich zum Beispiel Friedrich Merz in einem Text über das Gendern als Politikerin bezeichne, sage ich damit, dass ich seine Meinung respektiere.“
Äh, ja. Ist das nun dumm, bösartig oder total lustig, wenn eine Gender-Befürworterin einen Gender-Kritiker wie eine Frau behandelt? Wenn man ihrem Verquerdenken folgt, dann ist es wohl eine bunte Mischung aus allem, die Lust am Chaos in der Sprache. „Je bunter unsere Sprache, um so bunter unser Denken. Und um so größer unsere Chance zu realisieren, dass wir in einer bunten Gesellschaft leben“, verkündet Schumann.
„Mal sehen, wer unser:e nächste:r Bundeskanzler:in wird.“
Bei so viel halluzinierter Buntheit im Denken fragt man sich, ob nicht etwa Lysergsäurediethylamid (LSD) im Spiel ist. Merz verschmerzt’s. Ein anderer Friedrich, mit Nachnamen Schiller, hat in seinem „Lied von der Glocke“ die passenden Worte gefunden, wenn es zu bunt wird:
„Da werden Weiber zu Hyänen / Und treiben mit Entsetzen Scherz.“
Die sprachzerstörerische Feuerkraft des Genderns hat Schiller offenbar geahnt: „Wehe, wenn sie losgelassen, / Wachsend ohne Widerstand, / Durch die volkbelebten Gassen / Wälzt den ungeheuren Brand!“
Die Frage bleibt, wer die Kraft denn losgelassen hat. Schnell wird klar, dass da nicht eine Einzelgängerin Sprachamok läuft, sondern dass es sich um ein geplantes Vorgehen handelt. So heißt es unter Frau Schumanns Kolumne: „Für die Marken ELTERN.de, BRIGITTE.de und GALA.de haben wir uns als Team dafür entschieden, uns ab sofort geschlossen um eine geschlechterneutralere Sprache zu bemühen – wir werden dabei einen einheitlichen Weg einschlagen.“ Als Beispielsatz ist zu lesen: „Mal sehen, wer unser:e nächste:r Bundeskanzler:in wird.“ „CDU-Politikerin Friedrich Merz“ wird es nicht sein.
Mal sehen, wann „Eltern“, „Brigitte“ und „Gala“ eingestellt werden, weil sie völlig an ihren Leserinnen vorbeischreiben. Nach den neuesten Zahlen laufen sie ihnen schon jetzt in Scharen davon. Vielleicht benennen sie sich vorher ja noch um: „ELTERN“ in „ELTER*INNEN“, „BRIGITTE“ in „BIRGER“ und „GALA“ in (Gender-)„GAGA“.
Bildquelle:
- Friedrich_Merz_CDU_3: friedrich_merz