Die Lüge, auf die man sich geeinigt hat….

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern war der 13. August. Klingelt da was bei Ihnen? 1961, Betriebskampfgruppen, Berlin, Volkspolizei…dann gehören Sie wohl zum schrumpfenden Teil unserer Bevölkerung, die noch wissen, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten, sagte Walter Ulbricht, kurz bevor er die Militärs und Bauarbeiter 1961 losschickte. So wie Wladimir Putin sich lustig machte über die Warnungen des Weißen Hauses, dass ein Einmarsch russischer Streitkräfte in die Ukraine unmittelbar bevorstehe. Ja, da haben sie alle gelacht, die Putin-Fans von heute. Und vielleicht legt irgendein Buchverlag nochmal Ulbrichts Buch von damals auf mit dem schönen Titel „Die Weltherrschaftspläne des US-Imperialismus“. Kann man im Internet gebraucht kaufen für sechs Euro habe ich eben festgestellt. Da werden sich sicher Interessenten finden, die schon immer wussten, wie „die Amerikaner“ wirklich sind.

Am 13. August 1961 wurde, bewacht von bewaffneten Streitkräften der DDR, erst mit der Errichtung von Straßensperren aus Stacheldraht und dann mit dem Bau einer Mauer begonnen, um den Ostteil Berlins vom Westteil abzusperren. Die Mauer sollte den ständig steigenden Flüchtlingsstrom von Ost- nach West-Berlin stoppen. Sicher auch damals wieder von den Amerikanern von langer Hand geplant wegen Weltherrschaft und blabla…

Ich sage unseren Kindern auch immer wieder, dass Geschichte eines der wichtigsten Fächer überhaupt ist. Und dass sie da zuhören sollen, weil sie nur dann kapieren, warum heute dieses und jenes passiert.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“, sagte Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Rede 1995 vor dem Deutschen Bundestag. Vielleicht müsste man sich viel mehr mit der Vermittlung von historischem Wissen an unsere Jüngsten beschäftigen, als die täglichen Scharmützel im politischen Alltag zu befeuern.

Historiches Wissen, kombiniert mit dem Satz des französischen Philosophen Voltaire: „Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.“ Dann haben die jungen Leute ein Rüstzeug, um den großen Rahmen ihres Lebens zu begreifen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.