Die kleinen Parteien bieten das deutlich bessere «Duell»

Die Moderatoren zusammen mit den Parteivertretern und Spitzenkandidaten (l-r) Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister, Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, und Alice Weidel (AfD). Foto: Bernd von Jutrczenka

Ein Duett sei das gewesen, kein Duell, schimpften die insgesamt drei Spitzenkandidaten der beiden Parteien selten einmütig. Verbunden mit der Botschaft an die Wähler: Jetzt kommt’s auf uns an. Darauf, wer am 24. September den dritten Platz holt. Und dann mit der Union in die Regierung geht. Vielleicht.

Wofür sie stehen, das konnten FDP-Chef Christian Lindner und das grüne Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir am Montagabend beim «Dreikampf» im ZDF und beim «Fünfkampf» in der ARD dem Fernsehpublikum erklären – rund 24 Stunden, nachdem CDU-Chefin Merkel und SPD-Chef Schulz sich nach Ansicht vieler Kommentatoren beim TV-Duell ein wenig zu einig waren.

Lindner wollte denn auch im ZDF den als möglichen Außenminister gehandelten Özdemir in Sachen Russlandpolitik in eine Zwickmühle bringen: «Martin Schulz will die amerikanischen Nuklearwaffen aus Deutschland abziehen, obwohl Putin aufrüstet. Wo stehst du?» Ja, die beiden duzen sich. Özdemir ur-grün: «Ich bin für ein atomwaffenfreies Deutschland und für ein atomwaffenfreies Europa.» Dafür solle sich die nächste Außenministerin – ja, Ministerin – einsetzen.

Alice Weidel von der AfD sprach sich für eine Obergrenze für Flüchtlinge und Asylanten von „vielleicht 10.000 pro Jahr“ aus und sie ging Herrmann von der CSU scharf an. Der Freistaat schiebe weniger ab als das benachbarte Baden-Württemberg und einem grünen Ministerpräsidenten.

Özdemirs Frage nach den verletzten Grenzen der Ukraine und Lindners Haltung zu Präsident Wladimir Putin durfte Lindner nicht beantworten, da war der Zeitplan der Moderatoren davor. Auch sonst ließ das ARD-Format mit Alice Weidel (AfD), Lindner, Özdemir, Sahra Wagenknecht (Linke) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kaum Kabbeleien zu. Anders als der Dreikampf im ZDF, wo Göring-Eckardt und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sich fast durchgehend in den Haaren lagen – weswegen Dietmar Bartsch (Linke) manchmal gar nicht zu Wort kam.Und die Koalitionsfrage? «Schwarz-Gelb ist ein Riesenproblem. Und eine große Koalition, die macht weiter mit Aussitzen», sagte Göring-Eckardt. Bleibt also irgendwas mit Grün – angesichts der SPD-Umfrageschwäche Schwarz-Grün oder «Jamaika» mit Union und FDP. Denn mit der AfD will keiner regieren, Linke und Union wollen auch nicht miteinander, und für die SPD reicht es – Stand jetzt – weder mit Grünen und Linken noch mit Grünen und FDP.Die schwarz-grün-gelbe Dreier-Konstellation halten sowohl Realos als auch Parteilinke bei den Grünen für sehr problematisch. Schwarz-Grün dagegen verkaufen die Parteistrategen zunehmend offensiv als Möglichkeit, Schwarz-Gelb zu verhindern und damit, so das Argument, auch vier Jahre Stillstand beim Umwelt- und Klimaschutz. Dass noch ein paar Prozentpünktchen fehlen, das kann sich ja noch ändern.

Ist das realistisch? Dobrindt wurde deutlich: «Mir den beiden geht’s definitiv nicht», sagte er über Göring-Eckardt und Bartsch. Auch CSU-Chef Horst Seehofer hatte zuletzt wieder klar gemacht, dass er sich eine Koalition mit den Grünen kaum vorstellen kann – unter anderem, weil sie das Aus für den Verbrennungsmotor anpeilen.

Bei linken Grünen wäre manchen die Opposition lieber, als ihrem Realo-Spitzenduo in eine Koalition mit der Union zu folgen. Und der CSU würde im Landtagswahlkampf 2018 eine Koalition mit den Grünen eher nicht helfen. Soll es diesmal – anders als 2013 – was werden mit Schwarz-Grün, braucht es sehr viel Pragmatismus.

Bildquelle:

  • Live-Fünfkampf der kleinen Parteien: dpa

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