Die Katholische Kirche hat von Anfang an gegen die Sklaverei angekämpft

Vor über 130 Jahren verdammte Papst Leo XIII in seiner Enzyklika "Catholicae Ecclesiae" die weltweit verbreitete Sklaverei in deutlichen Worten.
Anzeige

von MARTIN EBERTS

Der 19. Juni – umgangssprachlich zu „Juneteenth“ kontrahiert – ist jetzt in den USA ein nationaler Gedenktag, der an die Sklavenbefreiung von 1865 erinnert. Höchste Zeit könnte man sagen… In dem Zusammenhang werden aber auch kritische Fragen an die Katholische Kirche gestellt – und das nicht nur in den USA: Trifft die Kirche Schuld an Kolonialismus und Sklaverei? Hat sie Rassismus und Sklavenhaltung geduldet, womöglich gar gefördert? Jene Sympathisanten der „BLM“-Bewegung, die in den USA Statuen von Missionaren umstürzten und Anschläge auf Kirchen verübten, würden das sicher ohne Weiteres bejahen. Auch populärwissenschaftliche Film- und Buch-Autoren, die sich gern mit reisserischen Thesen über die Geschichte Lateinamerikas und der Sklaverei verbreiten, stellen es so dar, womit sie alte anti-kirchliche Klischees ungeprüft übernehmen. Doch wahr ist daran nichts.

Schon die ersten Christen unterminierten mit ihrer Haltung, dass alle Menschen, ob Freie oder Sklaven, ob Juden oder Heiden gleichermaßen geliebte Kinder Gottes seien, die Grundlagen der Sklavenhaltergesellschaft. Und das war nicht nur in der Antike eine höchst „subversive“ Haltung, denn in einer Sache stimmten letztlich fast alle Kulturen der Welt überein, von Nordeuropa bis zum indischen Subkontinent, von der islamischen Welt bis zum präkolumbischen Amerika und von China bis ins Subsahara-Afrika, auch das vor-koloniale: Dass Sklavenhaltung selbstverständlich sei. Einzige relevante Ausnahme: Das Christentum.

Besonders markant und schlüssig ist die theologisch fundierte Verurteilung der Sklaverei bei dem großen Kirchenlehrer Thomas von Aquin – und das, obwohl es im hochmittelalterlichen Europa gar keinen Sklavenhandel mehr gab. Seine Schriften waren in dieser Hinsicht wahrhaft prophetisch, so als habe er kommen sehen, welches barbarische Ausmaß die Wiederkehr der Sklaverei annehmen würde. Und sobald sich dieser grauenhafte Menschenhandel wieder zeigte, wurde er von der Kirche verurteilt und unter Androhung der Exkommunikation von den Päpsten bekämpft.

Schon 1435 setzte Papst Eugen IV. ein Zeichen mit seiner Enzyklika Sicut dudum, in der er die Versklavung der „schwarzen Ureinwohner“ der Kanaren anprangerte. Ihm folgten in langer Reihe seine Nachfolger, von Pius II. im 15. bis zu Leo XIII. im 19. Jahrhundert. Verboten war nicht nur, wie oft fälschlich behauptet wird, die Versklavung von christlichen Bevölkerungen, sondern jegliche Versklavung, schon im 15. Jahrhundert ausdrücklich auch die noch unbekannter heidnischer Völker. Angesichts dieser Fakten ist es unbegreiflich, wie manche populärwissenschaftlichen Autoren weiter behaupten können, die Katholische Kirche habe die Sklaverei erst im 19. Jh. verurteilt – ein klarer Fall von „Fake News“ oder „Fake Science“.

Nun mag man fragen: Wie kommt es dann, dass auch unter angeblich „katholischen“ Herrschern in Lateinamerika der Sklavenhandel ebenso blühte wie in Nordamerika, im Nahen Osten und Nordafrika? Die Antwort liegt auf der Hand: Weder diese Herrscher noch viele ihrer Untertanen (einschließlich einiger ungetreuer Geistlicher) scherten sich um die Verbote der Kirche. Der Papst war fern, und man tat das, was alle taten. Das ist eine unserer Zeit nicht unbekannte Haltung – wenn man z.B. bedenkt, welche tatsächliche Beachtung heutzutage die kirchliche Verurteilung der Abtreibung findet.

Ein objektiver, faktenorientierter Rückblick in die Geschichte zeigt, dass es gerade die Katholische Kirche war, die von Anfang an gegen die Sklaverei angekämpft hat – mit den Worten des Evangeliums gegenüber den Katholiken und mit naturrechtlichen Argumenten für alle Anderen. Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts und ihre Nachfolger fallen demgegenüber eher unangenehm auf. Was z.B. Montesquieu oder Voltaire über „die Schwarzen“ zu sagen hatten, klingt in unseren Ohren erschreckend und abstoßend.

Bildquelle:

  • Papst_Leo_XIII: dpa
Anzeige