Die Erinnerung an die Opfer von Nizza, Paris und Berlin bringt die ganze Wut zurück

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Liebe Leserinnen und Leser,

fünf Jahre hat es gedauert, bis die französische Polizei einen Komplizen des Terroristen Mohamed Lahouaiej Bouhlel festnehmen konnte. Bouhlel war am französischen Nationalfeiertag (14. Juli 2016) mit einem weißen LKW auf der “Promenade des Anglais” in eine Menschenmenge gerast. Er tötete 86 Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, arglos und in Feierlaune. 200 weitere wurden teils schwer verletzt.

Wir gehen in den Alltag über, schauen abends die Nachrichten, wenn in Wien ein durchgeknallter Islamist durch die Straßen geht und wahllos Leute erschießt. Oder wenn wir das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland am heimischen Fernseher anschauen, und es zwischendurch mal kurz laut knallt. Und wir ahnen nicht, dass in diesem Augenblich gerade ein koordinierter Angriff islamistischer Terrorgruppen gegen friedliche Einwohner von Paris beginnt, die, ja, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

An jedem 13. November im Jahr 2015 tat sich für quälende Stunden ein schwarzer Abgrund auf, in den jeder einmal schauen sollte, um zu begreifen, was uns in den freien Gesellschaften blüht, wenn wir und unsere Regierungen nicht endlich aufwachen. Mindestens zehn Attentäter griffen an diesem Tag an fünf verschiedenen Orten im 10. und 11. Arrondissement und drei weiteren Orten in der Vorstadt Saint-Denis Restaurants, Bars und das Musiktheater Bataclan an. Einige der Angreifer schossen wahllos auf Menschen, sechs zündeten Sprengstoffwesten. Insgesamt wurden an einem einzigen Abend 130 Menschen getötet und 683 verletzt, davon mindestens 97 schwer. Die Berichte von Augenzeugen aus dem Innern des Bataclan, die sich noch atmend unter Leichen versteckten, um irgendwie der Hölle zu entkommen, lassen niemanden los, der das gelesen oder in Fernsehdokumentationen später angehört hat.

Am Sonntag besuchte mich eine beeindruckende Frau in unserer Wohnung. Ich hatte Filterkaffee gekocht und Kuchen besorgt. Die Berlinerin ist die Tochter eines der Opfer des Attentats vom Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016. Ihr Vater und seine Lebensgefährtin wollten an dem Abend ins Theater, aber die Vorstellung war ausverkauft. Sie beschlossen, dann halt essen zu gehen, und sie kamen am Weihnachtsmarkt rund um die berühmte Gedächtniskirche vorbei. Und sie dachten sich, es sei eine gute Idee, hier noch einen Glühwein zu trinken. Doch es war keine gute Idee, denn sie waren zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein Islamist aus Tunesien, vorbestraft, der gar nicht in unser Land hätte einreisen dürfen, geschweige denn hier bleiben, raste mit einem LKW in den Markt, tötete und verletzte zahlreiche Menschen, darunter auch den Vater meiner Besucherin. Der Fall Anis Amri ist beispielhaft für das totale Versagen unseres Staates in den Monaten der “Refugees welcome”-Besoffenheit im Zuge der verantwortungslosen Merkelschen Grenzöffnungspolitik. Ich weiß, es wird nicht so kommen, aber für mich persönlich gehört diese Bundeskanzlerin persönlich vor ein Gericht gestellt und zur Verantwortung gezogen für den Teil unserer Gäste von damals, die vergewaltigen und morden in dem Land, das sie aufgenommen hat, die Kinder vor Züge stoßen und mit “Allahu Akbar”-Rufen durch die Straßen unserer Großstädte ziehen. Und nun will jeder Fünfte im September auch noch die Erfinder dieser Irrsinnspolitik, die Grünen, an die Spitze der Bundesregierung wählen. Manchmal, nein oft sogar habe ich das Gefühl, unter lauter Irren zu leben, die unser aller Leben in den eingangs erwähnten Abgrund reißen wollen.

Meine Besucherin am Sonntag blieb zwei Stunden. Sie erzählte, was für ein Mensch ihr Vater war. Inzwischen hat sie persönlich Kontakt zu etwa 100 Angehörigen von Terroropfern – welchen vom 11. September 2001 in New York, welchen, die in London, Paris, Madrid und Brüssel ihre Lieben verloren haben im Namen mörderischer Fanatiker, die meinen, dass es Allah gefällt, was sie da getan haben. Mögen sie alle in der Hölle schmoren. Irgendwann musste sie gehen, weil sie noch eine Opferfamilie besuchen wollte, die heute im Rheinland lebt. Wir versprechen uns, in Kontakt zu bleiben, und ich habe sie eingeladen, Anfang Oktober beim großen Treffen der bürgerlichen Schwarmintelligenz zu reden.

Nach dem Terroranschlag in Nizza habe ich morgens voller Wut in unserer Küche gesessen und meine Gedanken zu der schrecklichen Tat aufgeschrieben. Der Text wurde auf meinem persönlichen Blog denken-erwuenscht veröffentlicht, später auch von FOCUS Online und kath.net übernommen. Insgesamt hatten den Text bis zum Abend 700.000 Menschen gelesen – nie zuvor hatte ich als freier Journalist so ein großes Auditorium. Die Betroffenheit, die Wut ist gewaltig in der Bevölkerung, aber das politische und mediale Establishment in Deutschland schaut bis heute konsequent weg. Wird schon irgendwie gutgehen, und wir müssen jetzt erstmal die Pandemie besiegen und das Klima retten.

In meinem Text , der überschrieben war mit “Ich will heute nicht schreiben, was man immer so schreibt” formulierte ich damals meine Wut:

“Nach den Anschlägen vor einigen Monaten in Paris las ich in einer Zeitungsmeldung, dass es in Brüssel – Zentrum der Europäischen Union – 800 bekannte radikale Islamisten gibt, die potentielle Gefährder sind. In Paris dürften es mehr sein und in London. Im Ruhrgebiet und Berlin gibt es die auch. Sie werden überwacht, rund um die Uhr. Warum eigentlich? Warum haben unsere europäischen Gesellschaften nicht den Mut, diese Leute auszuweisen? Wer hier zu uns kommt und unsere Hilfe bekommt und dann Verbrechen begeht muss raus. Raus! Raus! Raus! Ich höre schon die ersten Beschwichtiger, die jetzt sagen werden: Ja, die müssten raus, aaaaaber…. ihre Heimatländer nehmen sie ja nicht zurück. Und in ihren Heimatländern sind die Menschenrechte nicht gewahrt. Wissen Sie was? Es ist mir scheißegal. Schafft sie meinetwegen an den Nordpol oder zahlt Devisen an Nordkorea, damit sie diese Leute in ihren dortigen Urlaubsparadiesen wegsperren. Ich bin es leid, immer wieder diese Bilder zu sehen, Blut auf dem Straßenpflaster, zerfetzte Körper, zugedeckt mit dunkelblauen Tüchern, ein totes Kind mit einer Puppe neben sich.

“Wir sind in diesen schweren Momenten an der Seite von Frankreich”, sagt gerade Außenminister Steinmeier im Fernsehen. “Kurz vor dem Wochenende erholen sich die Temperaturen”, meldet der Nachrichtensender N 24…. ich glaube, ich muss kotzen.”

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.