Die Bundeswehr bereitet großen Evakuierungseinsatz in Kabul vor

ARCHIV - Ein Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte während einer Großübung im Mai 2017. Foto: picture alliance / Carsten Rehder/dpa

BERLIN – Die Bundeswehr hat mit Vorbereitungen für einen stark abgesicherten Einsatz zur Evakuierung von deutschen Staatsbürgern und Ortskräften aus Afghanistan begonnen.

Dazu wird ein vom Bundestag zu verabschiedendes Mandat vorbereitet, auf das in den vergangenen Tagen vor allem Militärexperten drängten. Zum Einsatz sollen in der kommenden Woche vor allem Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK) kommen, die die Bundeswehr als Teil der Nationalen Risiko- und Krisenvorsorge für diese Aufgabe bereithält.

Ein Evakuierungseinsatz gilt als mandatierungspflichtig, weil eine Basis für das bisherige Mandat nach dem Ende des Nato-Einatzes «Resolute Support» als nicht mehr gegeben gilt. Dass es zu diesem Einsatz kommen muss, ist weitgehend unstrittig. Auch der Sender RTL/ntv berichtete am Samstag über den geplanten Einsatz.

In Afghanistan sind derzeit noch deutlich mehr als 100 Deutsche, darunter auch die Diplomaten und Mitarbeiter der Botschaft in Kabul sowie Experten anderer Ministerien und Organisationen. Auch Ortskräfte sollen ausgeflogen werden. Deren genaue Zahl ist aber noch unklar. So haben allein Organisationen aus dem Geschäftsbereich des Bundesentwicklungsministeriums derzeit noch mehr als 1000 einheimische Mitarbeiter in Afghanistan.

Als Mindestvoraussetzung gilt bei Gefahr im Verzug – also wenn es um Leib und Leben von Deutschen im Ausland geht – ein Beschluss des Bundeskabinetts als erster Schritt für einen Einsatz, dem ein Beschluss des Bundestages folgen kann.

Die militant-islamistischen Taliban setzten ihren Vormarsch in Afghanistan am Samstag fort und rückten dabei immer näher an die Hauptstadt Kabul heran. Am Morgen habe es Gefechte um Maidan Schar gegeben, Hauptstadt der rund 35 Kilometer von Kabul gelegenen Provinz Maidan Wardak.. Die Taliban beherrschten bereits einen Großteil der Bezirke in der Provinz.

Der CDU-Abgeordnete Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, will, dass Deutschland mit seinem Engagement über Evakuierungsmaßnahmen hinausgeht. „Man darf nicht dabei zuschauen, wie Menschen, die uns lange verbunden waren, von den Taliban abgeschlachtet werden, wie Mädchen und Frauen alle hart erkämpften Rechte wieder verlieren“, sagte Röttgen in einem Interview und fordert militärische Schläge, um den Vormarsch der Taliban in Afghanistan zu stoppen.

Bildquelle:

  • Fallschirmjäger: dpa

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