Deutschland funktioniert, aber Freiheit ist unverzichtbar

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Liebe Leserinnen und Leser,

es sieht so aus, als würde Deutschland die Corona-Krise in Bezug auf die Gesundheit der Bürger gut überstehen. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesopfer sind weit unter den offiziellen Erwartungen geblieben. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Nun gilt es, die Wirtschaft wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Zur Erinnerung: die Unternehmen und Freiberufler sind mit ihren steuerzahlenden Mitarbeitern das Rückgrat unseres Wohlstandes. Ob auf Dauer nachhaltige Schäden bleiben, weiß heute niemand. Ich persönlich bin von Hause aus Optimist.

Die Corona-Krise ist noch lange nicht überstanden, und bei aller hier und da gebotenen Kritik, haben die verantwortlichen Politiker ihren Job endlich wieder einmal gemacht. Naürlich nicht nur durch überragende Intelligenz, sondern durch freigiebiges Verteilen von Geld und Selbstbeschränkungen bei der sonst oftmals erdrückenden Bürokratie. Die Folgen werden uns noch lange beschäftigen, denn das Geld, das mit voillen Händen verteilt wurde, muss in den nächsten Jahren wieder hereingebracht, die neuen Milliardenschulden zurückgezahlt werden.

Zwei Lehren kann man jetzt schon ziehen.

Zum einen: Deutschland funktioniert. Wenn wir müssen, können wir eine schwere Krise bewältigen – auch und vor allem dank der Bereitschaft der Mehrheit der Bürger mitzumachen, selbst dann Masken zu tragen, Abstand einzuhalten, sich eine Zeit lang einzuschränken, wenn es erforderlich ist. Und selbst dann aufzumucken, um Demokratie und Rechtsstaat zu verteidigen, wenn Politiker wie etwa der NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) friedlichen Protest der Bürger mit dem Aufruf begegnet, nicht zu “den Verrückten” zu gehen.

Der andere Aspekt: Auch wenn uns Finanzämter und Behörden mal ein paar Wochen in Ruhe lassen, läuft der Laden. Das könnte eine Initialzündung sein, darüber nachzudenken, den Freiraum für die Unternehmen und auch die große Masse der Bürger nach Corona aufrecht zu erhalten. Ich und die meisten von Ihnen brauchen keinen Nanny-Staat, der dauernd tief in unser Leben eingreift und alles akribisch regelt. Wir können – das haben die vergangenen Monate gezeigt – selbst für uns sorgen und vor allem selbst denken. Auch in einer schlimmen Krise bleibt Freiheit das höchste Gut.

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.