Der Mann am Kreuz gibt uns eine Perspektive: Bezweifeln wir auch mal die Zweifel!

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Gastbeitrag von HARTMUT STEEB

„Christus ist auferstanden von den Toten!“ Das ist die Osterbotschaft, die Nachricht, die alle anderen Nachrichten dieser Welt in den Schatten stellt. Denn es ist doch sonnenklar: Nichts ist so sicher wie der Tod. Und nichts ist so endgültig wie der Abschied von Gestorbenen. Darum ist es nicht verwunderlich, dass Menschen, wenn immer sie von dieser Botschaft der Auferstehung hören, skeptisch rückfragen, ob sich da ein paar Sektierer von der Wirklichkeit entfernt haben und nur noch in ihrer Blase aufhalten.

„Wir müssen der Wissenschaft vertrauen“, tönt es aus Politikermund und durch die Medien. Aber die Wissenschaft schafft nur, was Wissen schafft, und damit kommt sie auch schnell an ihre Grenzen. Und sie kommt natürlich erst eecht an ihre Grenzen, wenn sich Gott selbst, der Schöpfer dieser Welt, nicht regelkonform verhält. ER, der die Welt geschaffen und die Naturgesetze gegeben hat, lässt es sich nicht nehmen auch außerhalb der erkannten Regeln zu handeln. Wenn solches geschieht, reden wir zu recht von Wundern. So auch die Auferstehung des Jesus Christus von den Toten.

Aber weil das Wunder der Auferstehung so unwahrscheinlich ist, jenseits unserer sonstigen Erfahrungen, haben auch die ersten Beobachter und die ersten Hörer dieser Botschaft zuerst auch ihren eigenen Erfahrungen und erst recht den Berichten Dritter misstraut. Wer also zweifelt findet sich sofort in allerbester Gesellschaft. Auch die Wissenschaft kommt ohne den Zweifel nicht aus. Thesen müssen von allen Seiten her abgeklopft und auf ihre Wahrscheinlichkeit, auf die Richtigkeit hin, hinterfragt werden. Und darum darf man natürlich auch an der Botschaft von Jesus und über Jesus zweifeln. Aber dann muss man auch die Zweifel bezweifeln und die Fakten zu Rate ziehen.

Fakt 1: Jesus ist gestorben, aus menschlicher Sicht ohne Grund. Jedenfalls stellte der römische Richter fest: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Er durchschaute das böse Spiel, dass die Mächtigen der Juden einfach eine Null-Toleranz für Abweichler vom Main-Stream durchziehen wollen. Aber schließlich hat sich Pilatus trotzdem zur Ausfertigung des Todesurteils hinreißen, erpressen lassen. Unabhängige Justiz geht anders. Der Theologe Paulus weist aber darauf hin, dass die Botschaft des Alten Testaments an das Volk Gottes klar war, dass Gott uns nicht in unseren Sünden, in unserer Gottesferne, umkommen lassen will, sondern Heil und Rettung anbietet und schaffen wird. Das hat er 700 Jahre vor Jesus durch Jesaja ankündigen lassen. Ist das nicht schon ein einzigartiges Wunder und Bestätigung für Gottes Wahrheit? Vor 700 Jahren angekündigt, jetzt findet das haargenau statt. Gott leidet nicht an Kurzsichtigkeit. Er hat eine echte Langzeitplanung. Er muss seine Pläne nicht ständig anpassen.

Fakt 2: Jesus wurde begraben. Der Tod von Jesus war kein Scheintod. Er wurde von Josef von Arimathia vom Kreuz genommen, dem Nonkonformisten im Hohen Rat der Juden, der gegen die Verurteilung von Jesus stimmte, dessen Meinung als Oppositioneller aber in den Wind geschlagen wurde. In seinem Grab wurde Jesus begraben.

Fakt 3: Jesus ist auferstanden. Woher wissen wir das? Wer hat es gesehen? Die Engel! Ja! Aber die stehen nicht so ohne weiteres für gerichtsfeste Aussagen zur Verfügung. Soldaten waren da. Sie waren zur Bewachung des Grabes abgestellt. Aber die hat im entscheidenden Augenblick der Schlag getroffen; sie wurden ohnmächtig. Sie kannten nur das volle und danach das leere Grab. Aber dass Jesus auferstanden ist, können alle bezeugen, die wussten, dass er gestorben war und die ihm dann danach doch begegnet sind. Im Neuen Testament sind viele Zeugen benannt. Besonders beeindruckend: Sein Bruder Jakobus, der zu seinen Lebzeiten Jesus für verrückt erklärt hatte. Und dann werden die Teilnehmer einer Großveranstaltung genannt, mehr als 500, die den auferstandenen Jesus Christus erlebten. Und schließlich Paulus, der die an den Auferstandenen gläubig gewordenen Menschen ans Messer lieferte und wie wohl kein anderer alles daran setzte, sie mundtot zu machen; bis ihm Jesus Christus, der Auferstandene, begegnet. Christus ist auferstanden. Diese Botschaft steht auf historisch sicherem Grund. Jedenfalls muss man lange suchen, bis man für eine geschichtliche Tatsache des Altertums eine so klare Beweislage aufzeigen könnte.

Der lebendige Gott lässt der Sünde und dem Tod nicht das letzte Wort. Er bricht das Grab auf und die Fesseln des Todes entzwei. So könnte die Osterbotschaft besonders auch in diesem Jahr für die von der Pandemie-Politik in Angststarre versetzte Gesellschaft ein Signal des Aufbruchs werden. Die Angst vor der Krankheit, die Angst vor dem Tod überwinden wir nicht mit den von Selbstüberschätzung strotzenden Durchhalteparolen: „Reißt euch zusammen.“ „Wir schaffen das“. „Wir können und werden den Virus besiegen“. Nein! Wir können weder die Krankheit noch den Tod besiegen. Der Auferstandene hat die Sünde und den Tod besiegt.

Darum braucht diese Welt die christliche Jesus-Botschaft „Kommet her zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Denn wer sich diesem auferstandenen Gottes-Sohn Jesus anvertraut, für den verliert auch der Tod seine Schrecken. Der weiß: Nein, die Gesundheit ist nicht das wichtigste Gut. Wir können sie ohnehin nicht bis ans Lebensende konservieren. Alle Menschen sterben, die wenigsten an strotzender Gesundheit. Aber der Mann am Kreuz und der Auferstandene am Ostermorgen gibt uns die Perspektive auch eines Lebens nach dem Tod. Die brauchen wir. Dann werden wir auch gelassener den heutigen Herausforderungen entgegen gehen.

Hartmut Steeb war von 1988 bis 2019 Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allanz.

Bildquelle:

  • Christus_Auferstehung_Licht: pixabay
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