Gastbeitrag von DR. GERHARD PAPKE
Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft
BERLIN – Was hätte das für ein wirklich starkes Zeichen sein können: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft läuft zum EM-Spiel gegen England mit Trauerflor für die ermordeten Frauen von Würzburg auf. Die Spieler erklären, dass sie sich mit den Opfern solidarisieren und dass ihr Mitgefühl den Hinterbliebenen gilt. Deutschland wäre der Mannschaft zutiefst dankbar gewesen. Der DFB, dessen Führung der erstaunten Öffentlichkeit seit Jahren ein Bild des Jammers liefert, hätte endlich wieder einmal punkten können.
Doch was passiert? Die Mannschaft erklärt mit stolzgeschwellter Brust, sie werde vor dem Spiel gemeinsam mit den Engländern knien. Bisher hatte sie darauf verzichtet, wie viele andere Teams auch. Die Italiener haben nach internen Debatten gerade erst entschieden, künftig geschlossen stehen zu bleiben. Auch ihr Gegner aus Österreich blieb standhaft. Für die ungarische Mannschaft konnte es in dieser Frage ohnehin keine Unklarheiten geben. Wie formulierte es noch Viktor Orbán vor Beginn des Turniers? Ein Ungar würde „nur in drei Fällen niederknien: vor Gott, vor seiner Heimat und wenn er seine Liebste um ihre Hand bittet“.
Und jetzt knien die deutschen Spieler doch noch.
Sie machen das ausgerechnet in einem Moment, wo ihr Land voller Entsetzen und Trauer ist über eine schreckliche Gewalttat. Sicher, man darf den Fußball nicht überfordern. Es ist nicht Aufgabe unserer Nationalmannschaft, die Debatte über Gewaltverbrechen in Deutschland zu führen, die von „Zuwanderern“ begangen werden, ob mit oder ohne islamistischen Hintergrund. Das ist Aufgabe von Politikern, von Journalisten, von uns allen. Aber „Die Mannschaft“ hätte ein authentisches Zeichen setzen können, für das viele Deutsche dankbar gewesen wären. Ein Zeichen, das weltweit beachtet worden wäre. Aber offenbar bekommen weder Spieler noch Funktionäre mit, wie die Stimmungslage in der Heimat tatsächlich ist. Knien statt Trauerflor ist eine vertane Chance. Das ist sehr, sehr schade.
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Bildquelle:
- Fußball_Trauerflor: dfb