von THILO SCHNEIDER
WETZLAR – Das war sie, die „8. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“, dieses Jahr in Wetzlar. Konzipiert sind diese Treffen als eine Art Familienfeier. Hier reden sie miteinander, die Konservativen, die Liberalen, hier hat auch jede Kleinpartei und jede konservative Organisation ihren Platz und kann sich ihrem Zielpublikum präsentieren. Kurzum: Es ist ein Treffen aller bürgerlichen Kräfte, die sich kennenlernen, vernetzen, diskutieren, Berührungsängste abbauen – und in Vorträgen und Workshops miteinander Ideen und Gedanken austauschen.
Auch dieses Jahr war die Veranstaltung komplett ausgebucht, es ist sinnvoll, sich bereits lange im Vorfeld mit dem Veranstalter, Klaus Kelle, in Verbindung zu setzen und Karten und Hotelreservierungen zu buchen. Leider werden Programm, Teilnehmer und Veranstaltungsort immer erst sehr zeitnah zum Termin bekanntgegeben, aus Sicherheitsgründen gegenüber linksextremen Kreisen ist dies im besten Deutschland aller Zeiten mittlerweile nötig, um einen störungsfreien und sicheren Ablauf zu garantieren. Interessenten mögen also rechtzeitig planen, sonst sind Veranstaltung und Hotel bereits ausgebucht.
Warum ist das so?
In bürgerlichen Kreisen herrscht eine tiefe Sehnsucht, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, vor allem aber sind die „Schwarmtreffen“ ein gutes Medikament gegen den Wahnsinn, der uns seit spätestens 2015 umgibt. Daer Schwarm zeigt: Die Teilnehmer sind nicht alleine mit ihrer Meinung. Es gibt Gleichgesinnte. Und alle eint die Sehnsucht nach einer Politik der Vernunft und einem Deutschland, in dem alle „gut und gerne leben“, wie es einst versprochen war und wie es eben nicht gehalten wurde. Man könnte auch sagen: Hier treffen sich die echten Demokraten und Bundesrepublikaner und diskutieren ohne Scheu und Denkverbote. Und, um es auch ganz klar zu sagen: Ja, es sind auch Mitglieder der AfD zu Gast. Weil es wichtig ist, die Menschen hinter den Programmen zu kennen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Herauszufinden, was die CDU und die Liberalen von der AfD trennt – und wo Schnittmengen bestehen. So, wie dies in einer echten Demokratie sein sollte. Wer also Berührungsängste hat, ist beim „Treffen der wahren Schwarmintelligenz“ sicher falsch. Hier wird Toleranz gelebt: Akzeptiere Dein Gegenüber, auch, wenn er völlig anderer Meinung ist. Über das Ziel sind sich sowieso alle einig – es ist der Weg, der diskutiert wird.
Auch 2023 gab es eine lange und prominent besetzte Rednerliste
Am Freitagabend diskutierten unter der Moderation von Klaus Kelle Hans-Georg Maaßen (CDU/Werteunion), MdB Joana Cotar (parteilos, Ex-AfD), Frank-Christian Hansel (AfD) und Sylvia Pantel (CDU) zum Thema „Brauchen wir eine neue bürgerliche Partei zwischen Union und AfD?“ (wir berichteten).
Der Samstag stand im Zeichen der gesellschaftlichen Veränderungen und des Wandels, dem sich die Bevölkerung ausgesetzt sieht.
Der erste Vortrag von Christian Nienhaus, Medienmanager, trug den Titel „Wie die Grünen unseren Wohlstand vernichten“ und beschäftigte sich mit der Frage, wie es die Grünen mit ihrer Agenda geschafft haben, sowohl sportlichen, aber auch wirtschaftlichen Wettbewerb zu diskreditieren und welche Konsequenzen sich daraus für eine ehemalige Leistungsgesellschaft und die Demokratie ergeben.
Karin Broszat, Vorsitzende des Realschullehrerverbandes Baden-Württembergs, referierte über die Änderungen im Bildungssystem im Lande Winfried Kretschmanns und welche Folgen sich dadurch für die Schüler, aber auch für Lehrer und die Bildungspolitik insgesamt ergeben.
Eva-Marie Doerfler, Vorstand Gesundheit und Wissenschaft der „Good Governance Gewerkschaft“ zog in ihrem Vortrag „Organisierte Krankenversorgung oder organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen 2022“ Parallelen zwischen den öffentlichen Gesundheitsorganisationen und mafiösen Strukturen. Tatsächlich gab Frau Doerfler interessante und erstaunliche Einblicke in die Funktions- und Wirkungsweisen des Gesundheitssystems – und welche Summen dabei fließen. Und an wen! So polemisch, wie der Titel des Vortrags auch war – tatsächlich finden sich hier Parallelen.
Markus Krall, Bestsellerautor und Kopf der „Atlas Initiative“, eröffnete den Nachmittagsreigen mit einem Appell an die Anwesenden, sich ihres eigenen Verstandes zu bemühen, sich selbst zu reflektieren und nachzufragen und warnte eindringlich und anschaulich vor den Folgen, wenn die Bürger den Staat für sich denken lassen.
Den Abschluss bildete Ulrike Stockmann (Redakteurin und Autorin bei der „Achse des Guten“) mit einer nicht nur historischen, sondern auch sehr persönlichen Rückschau in ihrem Vortrag „Die Gender-Republik – wie konnte das passieren?“ Fakt ist: Es begann sehr langsam – und dann setzte sich eine Eigendynamik durch, die nicht mehr zu stoppen war.
Zur Tradition des Schwarmtreffens gehört das abendliche „Deutschland-Dinner“ im feierlichen Rahmen. Tischredner war hier Vizeadmiral a.D. Kay-Achim Schönbach, der in charmanter, freier, nichtsdestotrotz eindringlicher Rede mit der Gleichgültigkeit und der falschen Toleranz des Bürgertums und der Konservativen abrechnete. Diese war nicht mehr und nicht weniger als eine General- (oder, in diesem Fall, Admiral-) Abrechnung mit all den Versäumnissen der Vergangenheit.
Daneben, dazwischen und dabei fand sich unter den Teilnehmern auch konservative Prominenz wie der Journalist Boris Reitschuster, der Finanzwissenschaftler und Corona-Maßnahmenkritiker Prof. Dr. Stefan Homburg oder die Achse- und GermanZ-Autorin Daniela Seidel. Und mit jedem konnten die Besucher ins Gespräch kommen – wenn sie denn wollten. Frei nach dem Motto: Man weiß nie, wen man trifft.
Nach dem Gottesdienst am Sonntagmorgen entwarf Prof. David Engels, belgischer Althistoriker und Publizist, eine Vision der Zukunft der Ukraine und Russlands nach Beendigung des Ukraine-Krieges. Er untersuchte die Ursachen, den derzeit bekannten Stand und welche Folgen der Ukraine-Krieg nicht nur für die EU, sondern auch geopolitisch für die USA und China haben wird. Es gäbe tatsächlich plausible und mögliche Lösungsansätze, die sich an der „Macht des Faktischen“ orientieren könnten – wenn dazu der Wille aller Beteiligten – vor allem aber auch die Intelligenz – vorhanden wäre. Seine „Fragerunde“ war aufgrund des Themas naturgemäß emotional: Aber auch Streiten gehört zu einer Demokratie.
Klaus Kelle ist mit der „Schwarmintelligenz“ etwas gelungen, was noch niemand vor ihm geschafft hat: Eine unsichtbare „Kathedrale des Wissens“ zu schaffen, in der sich Konservative, Rechte (nicht zu verwechseln mit „rechtsextrem“), Patrioten und Bundesrepublikaner – kurz: Menschen, denen Demokratie, Freiheit, Sicherheit und das Grundgesetz am Herzen liegen, zum familiären Gedankenaustausch, zur Motivation – und ein klein wenig auch zum „Wunden lecken“ treffen. Ganz ohne klebrigen Pathos und Hurra-Patriotismus, der der Intellektualität der Veranstaltung und ihrer Gäste auch nicht angemessen wäre.
Bildquelle:
- Schwarm2023_Klaus_Rede_Medien: thegermanz