Das seltsame Pussyland im Herzen Europas

Anzeige

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein langjähriger geschätzter Facebook-Freund aus Norddeutschland schreibt, er sei beim EM-Finale morgen für Italien, genau: er sei gegen England. Das liegt nich an der Frisur von Harry Kane, sondern wohl daran, dass die italienische Mannschaft im Turnier – anders als England – diese Unterwerfungsgeste vor dem Angriff mit Niederknien für Irgendwas verweigert habe. Das hat mir übrigens auch gefallen, und die dämliche Unterwerfungsgeste von England, Belgien, leider auch Deutschland und weiteren Mannschaften waren und sind eine Schande. Das einzige, was die Politisierung des Profisports erreicht, ist dass sich immer mehr Fans und Zuschauer angeekelt abwenden von solch unwürdigem Spektakel. Und auch mir persönlich hat die Debatte um die von der Homolobby und den ihnen nahestehenden Parteien – also quasi allen – geforderte Regenbogen-Beleuchtung von Fußballstadien, hat “Die Mannschaft” und Fußballmillionär Manuel Neuers bunte Kapitänsbinde das Turnier versaut.

Wenn man schon Symbolik will vor solchen Spielen, dann wäre nichts besser gewesen, als der Trauerflor und eine Schweigeminute für die Opfer des islamistischen Terrorangriffs in Würzburg. Aber dazu hatten die weichgespülten Verbandsfunktionäre und unsere Kicker eben keinen Auftrag bekommen, als die Bundeskanzlerin per Videoschalte in der Umkleidekabine auftauchte. Haben Sie von dieser Frau eigentlich inzwischen irgendetwas gehört zum Terror in Würzburg oder zu den Gästen, die sie zu uns eingeladen hat?

Ich bin übrigens für England morgen, weil ich die Art, wie die Brits Fußball spielen, einfach mag und sie mich auch ein bisschen an meinen eigenen Bundesligaclub erinnert, der kämpft, nie aufgibt und damit aber meistens keinen Blumentopf gewinnt. Aber es ist ehrlicher Fußball, der mir gefällt – auch wenn der Schiri mal einen Elfer pfeift, der keiner war. Sollte Italien morgen gewinnen, was wahrscheinlich ist, gratuliere ich herzlich – das ist eine tolle Mannschaft. Aber ich gratuliere dann, weil sie einen phantastischen Ball spielen, und nicht, weil sie dem Ringelpiez im Stadion vor dem Spiel verweigert haben.

Zum Thema Symbolik passt auch der aktuelle Vorschlag des Verbandschefs der Einsatzveteranen der Bundeswehr. Der will, dass die Zehntausenden Soldaten unserer Streitkräfte, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Afghanistan gedient haben, öffentlich vor dem Reichstag in Berlin geehrt werden. Bisher ist nur am Bendlerblock im bescheidenen Rahmen etwas in Planung.

Ich sehe das zwiespältig. Natürlich haben unsere Soldaten mehr Anerkennung und Dankbarkeit von uns verdient. Es sind unsere Söhne und Töchter, die wir rausschicken in eine miese und gefährliche Welt, um gemeinsam mit den Söhnen und Töchtern von England, Italien, Polen, Amerika und Dänemark die Drecksarbeit zu machen, und diesen Planeten halbwegs in der Ballance zu halten. Für mich sind Bundeswehrsoldaten ebenso wie Polizisten um Lichtjahre systemrelevanter als Gleichstellungsbeauftragte in Behörden und Unternehmen, Gender-Profesoren oder ARD-Talkerinnen. Aber die haben ein gutes Ansehen in der Bevölkerung, warum auch immer. Während sich Soldaten in Uniform auf dem Bahnhof anspucken lassen müssen, und dem linksgrünen Lama dann dafür nicht einmal eine reinhauen dürfen, ohne dass AKK anschließend einen Runden Tisch einberuft, angestrahlt in Regenbogenfarben, und die Notwendigkeit von Bahnsteigen grundsätzlich überprüfen lässt.

Ich wiederhole mich, bitte entschuldigen Sie, aber Deutschland ist ein sehr seltsames Land geworden. Es gab Zeiten, da haben uns alle bewundert für das, was unsere Ingenieure, die Autobauer, die Fußballer und die Literaten geleistet haben. Heute lachen sie über uns, überall, über das angepasste Pussyvolk im Herzen Europas, wo man sich auf Belanglosigkeiten aller Art stürzt, aber die wirklich wichtigen Dinge geringschätzt.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

Anzeige

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.