Corona und die Unternehmen: Jetzt über die Zeit nach dem Shutdown sprechen

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 von DR. PATRICK PETERS

Die Corona-Pandemie hält die Welt in ihrem stählernen Griff. Zwar sind in Mitteleuropa mehr und mehr positive Tendenzen zu erkennen, dass die Infektionen sich in den Griff bekommen lassen könnten. Aber insbesondere die Lage in den USA und die Aussichten in Indien bereiten größten Anlass zur Sorge. Daher ist auch längst noch nicht klar, wie sich die Wirtschaft nach Corona entwickeln wird. Sind die optimistischen Prognosen der „Wirtschaftsweisen“ für die deutsche Konjunktur, die einen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte und einen Ausgleich der diesjährigen Verluste im kommenden Jahr für realistisch halten, nicht zu optimistisch? Wir sollten weiterhin von einer schnellen Stabilisierung ausgehen, auch dank die umfassenden staatlichen Schutzmaßnahmen. Jetzt schwarz zu sehen, würde die ohnehin kritische Situation weiter verschärfen.

Aber auch die positivsten Prognosen ändern nichts daran, dass es viele Unternehmen bereits erwischt hat und es auch in den kommenden Monaten vermehrt zu Insolvenzen kommen wird. Vor allem Handel und Gastronomie sind stark betroffen, weil die allermeisten Unternehmen den radikalen Shutdown finanziell nicht kompensieren können und auch nicht genügend Rücklagen erarbeitet haben, um einfach sechs oder mehr Wochen ohne jegliche Einkünfte dazustehen. Aktuelles Beispiel: Anfang April hat die angeschlagene Restaurantkette Vapiano SE beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Es sei keine Lösung für den zuletzt aufgrund der Covid-19-Krise nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von insgesamt zusätzlich circa 36,7 Millionen Euro gefunden worden, teilte Vapiano (Foto) nun mit.

Auch die Steakhaus-Kette Maredo ist pleite. Das Unternehmen hat im März „vorsorglich“ Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Wie viele andere ächzt Maredo unter dem Problem, dass keine Umsätze erwirtschaftet werden, aber Mieten und Gehälter weiterlaufen.

Dem Modekonzern Esprit und der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sollen sogenannte Schutzschirm-Insolvenzverfahren helfen, das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig unter Einbindung von externen Experten sanieren. „Dies ist der richtige Schritt für Esprit, da die Corona-Virus-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat“, sagt Esprit-Chef Anders Kristiansen in einer Mitteilung. Um die Gehälter der Mitarbeiter sicherzustellen, sollen nach Angaben des Unternehmens teilweise auch staatliche Hilfsgelder zum Einsatz kommen.

Bisher keine Rede ist indes von den vermutlich zehntausenden Selbstständigen und kleinen und mittleren Unternehmen, die im Zuge der Krise ihre wirtschaftliche Basis verlieren und schließlich in der Insolvenz landen könnten. Zwar hört man, dass die staatlichen Soforthilfen fließen, und die Aussetzung der Insolvenzantragpflicht für Corona-Fälle verschafft etwas Zeit, die Zahlungsunfähigkeit vielleicht doch noch abzuwenden. Aber vielen Unternehmen wird, je länger der Shutdown dauern, letztlich die Luft ausgehen, und nicht jeder wird entgangene Umsätze einfach nachholen können.

Die Situation ist also bedrohlich, aber nicht hoffnungslos. Denn die kritischen Stimmen, die einen Exit-Plan fordern, um einen wirtschaftlichen Einbruch nie dagewesenen Umfangs noch irgendwie abzumildern, mehren sich gefühlt täglich. Es besteht daher eine realistische Möglichkeit, durch Entscheidungen, die Wirtschaft und Gesundheit gleichermaßen in den Blick nehmen, das Schlimmste noch zu verhindern. Eine wichtige Maßnahme der Politik wäre dieser Tage, über diese Möglichkeiten tatsächlich auch zu sprechen und somit einen deutlichen Hinweis zu geben, wie es weitergehen könnte. Es geht nicht darum, minutiös einen Plan vorzulegen. Aber jetzt über die Zeit nach dem Shutdown zu sprechen, wäre ein gutes Zeichen, dass die Menschen wieder eine Perspektive sehen und optimistisch bleiben.

Bildquelle:

  • Vapiano_Restaurants: food-watch
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